Fund in Arbon: Ein Fall für die Archäologen

Zufällig hat man auf dem Schlossareal Teile der westlichen Kastellmauer entdeckt. Sie ist jetzt freigelegt. Die neuen Funde waren Anlass, einen Entdeckungsrundgang zu planen.

Max Eichenberger
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Archäologin Iris Hutter mit einem Porträt des Schloss-Erbauers Hugo von Landenberg vor der freigelegten Kastellmauer. (Bild: Max Eichenberger)

Archäologin Iris Hutter mit einem Porträt des Schloss-Erbauers Hugo von Landenberg vor der freigelegten Kastellmauer. (Bild: Max Eichenberger)

Manche Historiker und Forscher stocherten im Nebel. Zwar sei das Vorhandensein eines Kastells belegt durch eine erste Quelle 375 n. Chr., sagt Archäologin Iris Hutter. Man gewann wohl Kenntnisse über römische Strukturen, lange habe man über Lage und Ausdehnung aber wenig gewusst. Bruchstückhaft traten die Umrisse nach und nach aus dem Dunst der Geschichte hervor. Doch bei diesem Puzzle hätten Schlüsse über die genaue Situierung auch wieder revidiert werden müssen.

Als das geteilte Römische Reich im Norden durch die Alemannen bedrängt wurde, sind dem See und Rhein entlang Befestigungen errichtet worden: in Arbon (Arbor Felix) im Bereich des heutigen Schlosses und dem Kirchenbezirk.

Als im Innern der Martinskirche die Bodenheizung saniert wurde, stiess man auf schachbrettartige Muster. Diese entpuppten sich als Überreste eines römischen Bades. «Das war dann ein Fall für uns», nahm Iris Hutter vom Thurgauer Amt für Archäologie drei Dutzend Teilnehmer mit auf die Spurensuche. Im Anschluss hat die SP zu ihrer Hauptversammlung eingeladen.

Wie meistens war auch diesmal der Zufall im Spiel

Zufällig ist man letztes Jahr auf Teile der Westmauer des Kastells und des originalen Rundturms beim Marktplatz gestossen. «Die Linde auf der Kanzel setzte dessen Mauer aber zu», erinnerte Stadtrat Peter Gubser an die dann beschlossene Fällung des Baums und im Zuge derer die Funde.

Inzwischen ist der ursprüngliche Turm, der neben dem 1834 abgebrochenen Stadttor stand, teilweise rekonstruiert worden – in halbrunder Form, weil er sonst ganz die Strasse verengt hätte. Der Verlauf der Stadtmauer ist auf dem Trottoir jetzt angedeutet.

Zudem haben die Archäologen bei den Grabungs- und Sanierungsarbeiten im Schlossareal Teile der Kastellmauer freigelegt und Fachleute unter Begleitung des Amtes teilweise aufgemauert. Sichtbar wird die Schnittstelle beim Mörtel des originalen Mauerwerks. Iris Hutter sagt:

«Wir sind glücklich über die hervorragende Arbeit, welche die Maurer geleistet haben.»

Gefunden hat das Archäologenteam unter anderem Kochgeschirr aus der Römerzeit und Münzen. Unter dem Bischof von Konstanz war Hutter zufolge der Burgturm, den man heute zum Schlossensemble zugehörig wähnt, um 1200 erbaut worden.

Dabei stamme das Schloss selber aus späterer Zeit. Errichtet hat es Hugo von Landenberg. Bei der Ausstattung des nach ihm benannten Saals handle es sich um eine Kopie. Original befinde sie sich im Landesmuseum.

Historischer Rundgang wird im Juni eröffnet

Die historische Stätte ums Schloss als Brennpunkt verschiedener Epochen mit den neu freigelegten Teilen wird als Ganzes ab dem Sommer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am 15. Juni ist die Eröffnung des neuen «Entdeckungsrundgangs Archäologie und Geschichte» geplant.

Die Stellen mit den Schrifttafeln seien in der Produktion, sagt die Mittelalterarchäologin. «Das wird eine interessante Sache», freut sich SP-Präsident Bernhard Bertelmann, der eine Vor-Führung ermöglicht hat.

Gubser-Nichtwiederwahl: «Eine Schande»

Die SP-Parteiversammlung stand im Zeichen der Aufarbeitung der Wahlen. «Die sind für uns nicht gut herausgekommen», resümiert Präsident Bernhard Bertelmann. Zwar habe die SP bei der neuen Konkurrenz der Grünen als künftige Fraktionspartner im Parlament «nur geringe Verluste» erlitten. Umso unerwarteter wie schmerzlich traf die SP die Nichtwiederwahl von Stadtrat Peter Gubser. Dass einer, der sich mit sehr grossem Engagement für die Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt eingesetzt hat, von einer Mehrheit abgewählt worden war, bezeichnete Fraktionspräsident Lukas Graf als «Schande». Das sei sein «letzter Wahlkampf» gewesen, sagte Gubser. Unmut bekunden Parteigänger über die Führung und den gefühlt inexistenten Zustand der Bezirkspartei. Im Blick auf die Grossratswahlen bereite dies Sorge.