Fürsorge-Fusion am Untersee: Die Gemeinde Ermatingen lagert ihre Sozialen Dienste an die Stadtverwaltung Steckborn aus.

Interkommunale Zusammenarbeit liegt im Trend. Die Ansprechpersonen für die Ermatinger Sozialhilfebezüger, Beratungssuchenden oder Asylbewerber befinden sich ab kommendem Jahr in Steckborn. So will die Gemeinde sie fachlich besser betreuen können und gleichzeitig Geld sparen.

Urs Brüschweiler
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Faust drauf: Ermatingens Gemeindepräsident Urs Tobler und Steckborns Stadtpräsident Roman Pulfer machen die Zusammenarbeit perfekt. Mit dabei im Garten des Vinoramas sind auch Vertreter der Gemeinden Ermatingen, Steckborn, Wagenhausen und Eschenz.

Faust drauf: Ermatingens Gemeindepräsident Urs Tobler und Steckborns Stadtpräsident Roman Pulfer machen die Zusammenarbeit perfekt. Mit dabei im Garten des Vinoramas sind auch Vertreter der Gemeinden Ermatingen, Steckborn, Wagenhausen und Eschenz.

(Bild: Donato Caspari)

Die Sonne strahlt über dem Vinorama und das Grüppchen Gemeindevertreter tut es ihr im idyllischen Garten gleich. «Das ist kein alltäglicher Anlass heute», sagt Urs Tobler. Der Gemeindepräsident von Ermatingen sieht in dem Vertrag, den er gleich unterzeichnen wird, nichts weniger als einen Schritt der Unterseegemeinden in eine gemeinsame Zukunft.

Diese Freude wurde ausgelöst durch die Vereinbarung einer neuen Zusammenarbeit. Die operativen Tätigkeiten der Sozialen Dienste Ermatingen werden ab dem 1. Januar an die Stadtverwaltung Steckborn ausgelagert. Diese übernimmt diese Aufgaben bereits heute für Eschenz und Wagenhausen.

«Das einzig Richtige für die Zukunft»

Gemeinderat Sandro Usznula, Präsident der Ermatinger Fürsorgekommission, war die treibende Kraft. «Es ist das einzig Richtige für die Zukunft, dass Gemeinden Synergien nutzen», sagt er. «In Steckborn steht den betreuten Personen für die verschiedenen Bereiche spezialisiertes Fachpersonal zur Verfügung.»

Auf der Gemeindeverwaltung Ermatingen leitet seit zehn Jahren Hildegard Richli die Sozialen Dienste. Ihre Arbeitsauslastung variierte in den vergangenen Jahren stark, je nach Anzahl aktueller Fälle. Stellvertretungsregelungen seien überdies fachlich schwierig zu handhaben. In Steckborn hingegen kümmerten sich acht spezialisierte Mitarbeiter mit grossem Fachwissen um die verschiedenen Belange der Klienten. Hildegard Richli wird aber künftig nicht in Steckborn arbeiten, sondern orientiert sich neu.

Die Kommission bleibt im Dorf

«Wir verkaufen aber nicht unser soziales Gewissen»
Der Steckborner Stadtpräsident Roman Pulfer und der Ermatinger Gemeindepräsident Urs Tobler unterschreiben die Zusammenarbeitsverträge.

Der Steckborner Stadtpräsident Roman Pulfer und der Ermatinger Gemeindepräsident Urs Tobler unterschreiben die Zusammenarbeitsverträge.

(Bild: Donato Caspari)

Dies betont Urs Tobler. Die Entscheide, welche der Fürsorgebehörde obliegen, werden weiterhin vom Gremium in Ermatingen getroffen. «Unsere Kommission ist auch nahe bei den Personen und kennt die Fälle.» Doch die Ansprechpersonen für die Sozialhilfebezüger, Beratungssuchenden oder Asylbewerber befinden sich ab kommendem Jahr in Steckborn. Es sei denkbar, dass man auf Wunsch auch Vorort-Termine für die Klienten mache, sagt Christian Hild, Leiter der Sozialen Dienste Steckborn. Allerdings zeigten die Erfahrung aus Wagenhausen und Eschenz, dass dies nur ganz selten gewünscht werde.

Der Steckborner Stadtrat Franz Reithofer betont, dass Ermatingen die richtige Grösse habe und so gut in die Zusammenarbeit zu integrieren sei. Der Gemeinderat Ermatingen hat zudem errechnet, dass er durch die Zusammenarbeit mehrere zehntausend Franken sparen kann.

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