«Für ein Kind ist das brutal»: Geburtstagsfest ohne Gspändli wegen der Coronakrise

Während der Coronakrise sind Geburtstagspartys verboten. Briefe und Videobotschaften helfen als Ersatz.

Sabrina Bächi
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Lionel feierte am Freitag seinen Geburtstag ohne Gspändli.

Lionel feierte am Freitag seinen Geburtstag ohne Gspändli.

(Bild: Reto Martin)

Ein grosser Tisch, eine grosse Torte, viel Deko und einige Geschenke. Was fehlt, sind die Kollegen. Kinder, die in diesen Tagen ihren Geburtstag feiern, müssen dies ohne Gspändli. «Für ein Kind ist das brutal», sagt Sybille Angst. Sie ist Mutter eines Geburtstagskindes und hat versucht, den Tag für ihren Sohn so unvergesslich wie möglich zu gestalten. «Er hat eine ganz besondere Torte erhalten», sagt sie.

Schliesslich hätten die Schulkollegen Briefe in den Briefkasten gelegt, Gotti und Götti haben per Videobotschaft oder über den Gartenhag gratuliert. «Er hatte trotz der fehlenden Gspändli einen tollen Geburtstag», sagt sie.

Reto Scherrers Tochter nimmt es sportlich

Auch die jüngere Tochter von Fernsehmoderator Reto Scherrer feierte am Wochenende ihren fünften Geburtstag. Ebenfalls ohne Gspändli. «Auch die Grosseltern sind nicht vorbei gekommen, wir halten uns strikt an die Vorgaben des Bundes», sagt Reto Scherrer. Seine Tochter habe das sportlich genommen.

Fernsehmoderator Reto Scherrer

Fernsehmoderator Reto Scherrer

(Bild: Donato Caspari)
«Sie sagte: Dann hat es mehr Kuchen für uns und wir können ihn schon am Morgen essen, weil wir auf niemanden warten müssen.»

Einzig der langersehnte Pult konnte wegen der Coronakrise nicht geliefert werden. Und ohne Besuch sei es schon komisch, einen Geburtstag zu feiern, findet Scherrer. Er glaube jedoch, «dass es für mich als Vater viel schlimmer ist, dass meine Tochter ihren Geburtstag ohne Party feiern musste».

In der Facebookgruppe «du bisch vo Wiifelde wenn ...» sind sich die Mitglieder einig: «Zuhause in der Familie feiern», das sei die Devise. Mit Freunden feiern würde man später im Jahr.

Kinder sind anpassungsfähig

Daniel Münger ist Kinder- und Jugendpsychiater mit einer Praxis in Weinfelden. Er betont, dass es wichtig sei, den Geburtstag – insbesondere jener der Kinder – zu zelebrieren. In Zeiten der Coronakrise sei das oberste Gebot jedoch, dass man sich an die Bestimmungen des Bundesrats halte. Münger sagt:

Daniel Münger, Kinder- und Jugendpsychiater

Daniel Münger, Kinder- und Jugendpsychiater

(Bild: PD/Patrick Itten)
«Kinder sind sehr anpassungsfähig. Man kann ihnen in der Regel gut erklären, weshalb der Geburtstag nicht wie normalerweise mit Freunden gefeiert werden kann.»

Schön sei jedoch, wenn Kollegen und Freunde mit Briefen oder Videobotschaften zeigen können, dass sie an dessen Geburtstag denken. Das stärke die Verbundenheit, die vor allem für Kinder sehr wichtig sei.

Machbare Wünsche realisieren

Wenn er seine Tochter fragt, was ihr den wichtig sei, dann sind das «Gschänkli und Chuechä». Wenn ein Kind sich dies wünscht und es passt, können Freunde und Verwandte die Geschenke mit dem nötigen Sicherheitsabstand vorbeibringen.

Ebenso wichtig als Eltern: Verständnis zeigen, für die Enttäuschung des Kindes. «Man kann es vor dieser Enttäuschung nicht bewahren, aber es macht ein Kind auch stark und auf den nächsten Geburtstag freuen sie sich dann umso mehr», sagt Münger. Vom Nachfeiern hält der Experte wenig, denn für Kinder sei der Moment wichtig. Grundsätzlich gilt:

«Den Geburtstag zu feiern ist für die ganze Familie sehr wichtig.»
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