Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Für drei Thurgauer Politiker zählt in Rostow nur die Farbe Rot

Zwei SVP-Kantonsräte und ein Grüner Politkollege treffen sich auf Bier und Burger am Tisch einer Kellerbeiz in den Tiefen Russlands.
Manuel Nagel
Sie trinken Bier in Rostow vor dem Match gegen Brasilien: die Thurgauer Kantonsräte Pascal Schmid, Didi Feuerle und Urs Martin. (Bild: Manuel Nagel)

Sie trinken Bier in Rostow vor dem Match gegen Brasilien: die Thurgauer Kantonsräte Pascal Schmid, Didi Feuerle und Urs Martin. (Bild: Manuel Nagel)

«Er ist ein ganz toller Typ», sagt Urs Martin, SVP-Kantonsrat aus Romanshorn, und deutet auf seinen Ratskollegen Didi Feuerle aus Arbon, der als Grüner politisch das Heu nun wirklich nicht auf derselben Bühne wie Martin hat. Doch so hart und direkt Urs Martin manchmal in der Sache politisiert, so wertschätzend ist nun sein Urteil, wenn es um den Menschen geht.

Sogar Bewunderung schwingt mit, als Urs Martin auf das WM-Abenteuer von Feuerle zu sprechen kommt, der sämtliche Spiele der Schweiz mitverfolgen wird und die ganze Reise auf dem Landweg absolviert. Mit Bezirksgerichtspräsident Pascal Schmid aus Weinfelden sitzt noch ein weiterer Kantonsrat der SVP am Tisch mit dem Bier in der Hand, und das Trio prostet sich zu. Na sdorowje!

Bier im gemütlichen Kellerlokal

Die Szenerie spielt sich in der Sportsbar Pinta im russischen Rostow ab. Natürlich läuft Fussball auf allen Bildschirmen im gemütlichen Kellerlokal. Die Serben und Costa Rica aus der Schweizer Gruppe spielen gerade gegeneinander. Sozusagen die Vorspeise vor dem Dessert, bevor die Schweiz auf Brasilien getroffen ist. Dieses Spiel werden die drei dann später live im Stadion miterleben. Doch zuerst sehen sie, wie die Serben Druck machen und in der 56. Minute durch Aleksandar Kolarov in Führung gehen. Für einmal sind sich die verschiedenen politischen Lager einig: Das war ein herrliches Freistosstor.

Politik spielt hier – viele tausend Kilometer vom Thurgau entfernt – sowieso keine Rolle. Für die drei Kantonsräte zählt an diesem Tag nur die Farbe Rot, garniert mit einem weissen Kreuz. Am Nebentisch dominiert hingegen das Gelb des sportlichen Gegners. Drei Brasilianer trinken ebenfalls ihr Bier und willigen sofort ein, als sie um ein gemeinsames Foto gebeten werden. Einer der Brasilianer meint lachend:

«Wir hätten uns zwar lieber mit drei hübschen Schweizerinnen fotografieren lassen, aber das ist auch okay.»

Und vielleicht haben sich die drei Thurgauer ja dasselbe gedacht. Vor dem Match gegen Brasilien stärken sich die Schweizer mit Griechischem Salat und einem Liverpool-Burger. Während Didi Feuerle und Pascal Schmid genüsslich in den Burger beissen, geht Urs Martins Bestellung in der Küche vergessen. Bleibt also Zeit für ihn, um lustige Fotos der Kollegen zu schiessen, welche für den Burger-Verzehr Gummihandschuhe bekommen und angezogen haben, und um von der Anreise der beiden SVP-Kantonsräte zu erzählen. In der Nacht von Freitag auf Samstag flogen sie nach Moskau und kamen morgens um drei Uhr auf dem Flughafen Scheremetjewo an. Ihre Unterkunft hatten sie bei Urs Martins Schwager, dem Bruder von Martins russischer Frau Ewgenija. Am Sonntagmorgen flogen Martin und Schmid weiter nach Rostow.

Ein Marsch über den Don

Die letzten zwei Kilometer zum Stadion legen sie zu Fuss zurück. Eine Fangemeinschaft, die sich um die Belange der Schweizer Fans in Russland kümmert, hat einen Marsch für alle Rot-Weissen zum Stadion organisiert. Diesem schliessen sich auch die Thurgauer an und laufen auf der Brücke, die über den Fluss Don führt, hinüber zum neugebauten Stadion. Dass die Schweiz an diesem Abend sensationell ein Remis gegen den WM-Favoriten Brasilien holt, ist natürlich der krönende Abschluss dieses Treffens der drei Thurgauer Kantonsräte. Die beiden SVP-Kantonsräte Martin und Schmid fliegen nun wieder zurück, während Feuerle via Moskau nach Kaliningrad reist.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.