Für die Oberthurgauer Jugend wird es eng: «Wir verfügen über keinen Ort, um abends auszugehen»

Wenn sich eine Gruppe auf dem Badeplatz trifft, braucht sie eine Genehmigung der Gemeinde. Auch an anderen Orten wird die Zugänglichkeit des öffentlichen Raums zunehmend eingeschränkt.

Jana Grütter
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Luthien Leenders ist Mitglied des Jugendparlaments und setzt sich für Jugendliche im Thurgau ein. (Bild: Reto Martin)

Luthien Leenders ist Mitglied des Jugendparlaments und setzt sich für Jugendliche im Thurgau ein. (Bild: Reto Martin)

Die Freiheit ist nicht grenzenlos, auch nicht auf der Badiwiese in der Salmsacher Bucht. Jeder kann zwar jederzeit auf das Gelände. Doch nicht jeder darf es einfach so betreten. «Für Gruppen und Veranstaltungen ab acht Personen ist vorgängig die Bewilligung der Gemeinde einzuholen», heisst es in der Badeordnung der Gemeinde. Überdies ist das «Abspielen von Tonträgern und Radio untersagt.»

Nicole Haas: «Durch die Bewilligungspflicht verhindern wir organisierte Treffen, die Zerstörung zum Ziel haben»

«Der Gemeinderat wurde aufgrund des Vandalismus und des Litterings dazu gezwungen, strenge Regeln aufzustellen», sagt Nicole Haas, Gemeindeschreiberin von Salmsach. In der Bucht seien mehrfach Bänke angezündet worden. «Durch die Bewilligungspflicht verhindern wir organisierte Treffen, die Zerstörung zum Ziel haben.» Immerhin gäbe es so immer einen Verantwortlichen, der für verursachte Schäden aufkommen könnte.

Familien sollen aber bewilligungsfrei an den See können. «Nur sehr grosse Familien werden unglücklicherweise benachteiligt.» Doch die Grenze der Personenanzahl hätte irgendwo gesetzt werden müssen. «Von den Einschränkungen betroffen sind vor allem Jugendliche.» Da diese meist noch keine eigene Wohnung besitzen, würden sie sich oft auf allgemein zugänglichen Plätzen aufhalten.

Gleiche Regeln für Arbon

Aus den gleichen Gründen ist auch die Stadt Arbon aktiv geworden und hat in den letzten beiden Jahren Spielregeln für die so genannte «Ufschütti» und den Jakob Züllig Park erlassen, weil die Besucher dort vor allem am Wochenende Party machten und die Stadt nachher aufräumen musste, was die Steuerzahler pro Jahr allein für die Arbeiten bei der «Ufschütti» rund 10000 Franken kostete. Dazu kamen Lärmklagen von Anwohnern.

Die Stadt duldet es an beiden Orten nicht mehr, wenn jemand seinen Abfall liegen lässt. Und laute Musik ist nicht mehr erlaubt. Nachtruhe gilt ab 22 beziehungsweise 23 Uhr. Im offenen Pavillon des Jakob Züllig Parks ist es zudem untersagt, zu essen, zu trinken und zu rauchen. Wer sich nicht an diese Regeln oder an die Weisungen der Ordnungsdienstkräfte hält, kann von der Securitas oder der Polizei weggewiesen werden. Möglich sind auch Ordnungsbussen oder Verzeigungen. 

Jugendparlamentarierin zeigt Verständnis

«Es gibt einen natürlichen Nutzungskonflikt zwischen den Generationen», sagt Luthien Leenders, Mitglied des Jugendparlaments Thurgau. Jüngere hätten eine andere Vorstellung von der Nutzung öffentlicher Räume. «Teenager haben eher das Bedürfnis, etwas zu erleben und Partys zu feiern, während Erwachsene sich vielleicht lieber entspannen wollen.»

«Wir verfügen über keinen Ort, um abends auszugehen»

Trotzdem empfindet die 18-jährige Salmsacherin viele der Regeln als angemessen. «Die Ruhezeiten und die Sauberhaltungspflicht respektiere ich vollkommen.» Auch begrüsst sie das Rauchverbot auf öffentlichen Orten wie den Bahnhöfen. «Allerdings sollte bei gewissen Veranstaltungen auch einmal ein Auge zugedrückt werden», sagt Leenders. Das Freizeitangebot für Jugendliche sei im Thurgau sowieso nur begrenzt vorhanden. «Wir verfügen über keinen Ort, um abends auszugehen.» So flüchte die jüngere Altersgruppe in die benachbarten Städte St.Gallen und Konstanz.

ARBON: Puff im Park: Stadt greift durch

Jetzt ist genug! Nachdem sich die Zustände im Jakob-Züllig-Park mit nächtlichen Besäufnissen und Lärmbelästigungen nicht gebessert haben, erlässt der Stadtrat eine Arealordnung. Das könnte Signalwirkung haben.
Max Eichenberger