Fünf Schüsse erschrecken Amlikon

In Hub hat am Freitagabend eine Frau eine Waffe abgefeuert und sich anschliessend in ihr Haus zurückgezogen. Nun steht fest: Es war die Waffe ihres Lebenspartner und es ist kein Waffenschein vorhanden.

Sabrina Bächi
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Grosseinsatz der Polizei im Weiler Hub in der Gemeinde Amlikon-Bissegg. Eine Frau schiesst fünf Mal mit einem Revolver um sich. (Bild: PD/BRK News)

Grosseinsatz der Polizei im Weiler Hub in der Gemeinde Amlikon-Bissegg. Eine Frau schiesst fünf Mal mit einem Revolver um sich. (Bild: PD/BRK News)

Am Freitagabend, kurz nach 18 Uhr, fallen fünf Schüsse. Im sonst so ruhigen und beschaulichen Weiler Hub zerstört der laute Knall die ländliche Idylle. Eine Frau hat die Schüsse abgefeuert und sich danach wieder in ihr Wohnhaus zurückgezogen. Nachbarn alarmierten die Polizei und diese kam mit einem Grossaufgebot.

«Die Situation war lange unklar, deshalb waren wir mit mehreren Patrouillen, der Spezialeinheit LEU sowie einer Verhandlungsgruppe vor Ort», erklärt Andy Theler von der Kantonspolizei. «Wir wussten nicht, ob die Frau gefährlich ist, vielleicht auf Personen schiesst und damit auch auf die Einsatzkräfte.» Ein Grossaufgebot sei deshalb professionell und in dieser Situation richtig gewesen.

Die Experten der Verhandlungsgruppe hätten das Gespräch mit der Frau via Telefon aufgenommen. «Die Fachleute haben mit der Frau diskutiert, versuchten, eine Beziehung zu ihr aufzubauen, um ihre Beweggründe und Befindlichkeiten herauszufinden und die Situation zu klären», sagt Theler.

Nach Hausdurchsuchung Revolver gefunden

Schliesslich sei die offenbar psychisch labile Frau nach 22 Uhr an die Tür gekommen. Sie wurde in polizeilichen Gewahrsam genommen. Der Notfallpsychiater ordnete eine fürsorgerische Unterbringung an. Doch der Einsatz war erst beendet, nachdem die Polizei bei der anschliessenden Hausdurchsuchung den Revolver gefunden hatte. Der gesamte Grosseinsatz dauerte bis Mitternacht.

«Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei gehört der Revolver nicht der Frau, sondern einem Mann, der ebenfalls in diesem Haushalt wohnt.»

Der Mann habe die Waffe geerbt und dies nicht der zuständigen Behörde gemeldet. Mit den Nachbarn sei die Polizei in Kontakt gestanden, die Liegenschaft wurde abgesperrt, die nahe gelegene Strasse war jedoch befahrbar.

«Schussabgaben kommen im Thurgau immer wieder einmal vor. Wenn wir davon Kenntnis erhalten, müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen», sagt Andy Theler. In diesem Fall sei aus polizeilicher Sicht nicht allzu viel vorgefallen: Es handelt sich um Widerhandlung gegen das Waffengesetz.

Die Gemeinde wurde vor der Frau gewarnt

Am nächsten Tag hat in Amlikon das Herbstfest stattgefunden. Gemeindepräsident Othmar Schmid war ebenfalls vor Ort. «Jeder, der mich gesehen hat, hat mich darauf angesprochen und gefragt, ob ich mehr wisse», sagt Schmid. Dem sei jedoch nicht so. «Meine Tochter kam am Freitagabend nach Hause und erzählte, dass in Hub etwa sieben Polizeiautos standen.» Erst durch die Medien habe er erfahren, was vorgefallen war.

«Als ich las, wo etwa, da konnte ich mir denken, um wen es ging», sagt Schmid. Die Frau wohne noch nicht lange in der Gemeinde. «Ihre vorhergehende Wohngemeinde hat uns gewarnt, sie sei schwierig», erzählt Schmid. «Wir hatten jedoch aus Sicht der Gemeinde bisher keine Probleme mit ihr.» Die Nachbarn hätten sich immer wieder mal gemeldet wegen Streitigkeiten. Zudem klärte die Gemeinde ab, ob die Haltung ihrer Kampfhunde rechtens sei. «Das war jedoch alles in Ordnung», sagt Schmid.

Othmar Schmid, Gemeindepräsident Amlikon-Bissegg. (Bild: Andrea Stalder)

Othmar Schmid, Gemeindepräsident Amlikon-Bissegg. (Bild: Andrea Stalder)

Er selbst kenne die Frau nicht, habe sie auch noch nie gesehen. Ihr Lebenspartner hingegen sei bekannt in der Gemeinde. Ein Alteingesessener. Der Gemeindepräsident sagt:

«Er ist hier aufgewachsen und ihm gehört auch das Haus.»

Erst gerade vergangene Woche hätten sich die Nachbarn wieder wegen Streitigkeiten gemeldet. Dass die Frau jedoch um sich schiesst, sei doch sehr erschreckend. «So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich bin selbst erschrocken und die Leute aus Hub auch, das haben sie mir am Herbstfest erzählt», sagt er. Ein so aussergewöhnliches Ereignis sei man sich in Amlikon nicht gewohnt, das beschäftige die Leute stark. «Es war Gesprächsthema Nummer eins am Herbstfest», sagt Gemeindepräsident Othmar Schmid.