Führungswechsel
Zurück in ruhigeren Gewässern: Nach überstandenen Turbulenzen wechselt die Münsterlinger Stiftung Mansio das Präsidium

«Jetzt habe ich ein gutes Gefühl, zu gehen», sagt Stiftungsratspräsident Martin Gisler. Der Münsterlinger Gemeindepräsident René Walther tritt seine Nachfolge an.

Urs Brüschweiler
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Führungswechsel in der Stiftung Mansio Münsterlingen: Geschäftsführer Marcel Heuberger, der neue Stiftungsratspräsident René Walther und der abtretende Stiftungsratspräsident Martin Gisler.

Führungswechsel in der Stiftung Mansio Münsterlingen: Geschäftsführer Marcel Heuberger, der neue Stiftungsratspräsident René Walther und der abtretende Stiftungsratspräsident Martin Gisler.

Bild: Tobias Garcia

Es war kurz bevor die Coronapandemie begann. Anfang 2020 geriet die Stiftung Mansio negativ in die Schlagzeilen. Mitarbeiter hatten sich gegenüber dieser Zeitung über eine rauer gewordene Führungskultur beklagt. Im Kern der Kritik stand ein Veränderungsprozess in der Organisation, der zu forsch umgesetzt worden sei. Seither ist es in der Öffentlichkeit wieder ruhiger geworden um die Stiftung, die sich in Münsterlingen und in externen Wohngruppen in Kreuzlingen, Güttingen sowie Bürglen um psychisch und kognitiv beeinträchtigte Menschen kümmert. Nun hat sich die Leitung der Mansio zu Wort gemeldet. Stiftungsratspräsident Martin Gisler hat sein Amt abgegeben. Seine Nachfolge übernimmt der Münsterlinger Gemeindepräsident René Walther, der bereits seit 2018 im Stiftungsrat Einsitz hat.

Ein Jahr länger als geplant

Gislers Abschied erfolgt in Minne, jedoch später, als er es bei seinem Amtsantritt gedacht hatte. Besagte Turbulenzen und auch die Coronakrise hätten ihn ein Jahr länger als geplant am Präsidium festhalten lassen. Er sagt:

«Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich ein gutes Gefühl, die Mansio zu verlassen.»

Der Finanzexperte war seit dem Anfang im Jahr 2000 im Stiftungsrat mit dabei. Nachdem er 2018 das Präsidium übernommen hatte, leitete die Organisation eine Neuausrichtung in die Wege. «Ich dachte, wir setzen sie 2019 um und 2020 gebe ich das Amt weiter.» Dieser Change-Process sei aber nun erst 2021 abgeschlossen worden.

«Die Strategie stimmt, die Struktur stimmt, das Team stimmt und die Qualität stimmt.»

Die Führung ist sich einig, dass die Veränderungen notwendig waren. Aber man habe ihre Auswirkungen unterschätzt. Martin Gisler erklärt, dass sich seit der Gründung der Stiftung Mansio zwar drei Einheiten – die Wohnheime Schilfluggä und Wellenspiel sowie die Werkstätten und Ateliers – unter einem Dach befanden, aber diese noch keine Einheit bildeten. «Es hat zu wenig Koordination stattgefunden.»

Kadermitarbeiter wehrten sich gegen Veränderung

Gegen die angestrebte Gesamtstrategie hätten sich einige Kadermitarbeiter vehement gewehrt. «Das war der Grund für den Wirbel und die anonymen Briefe.» Heute habe man eine gute Mischung aus neuen und langjährigen Mitarbeitern, ein gutes Team auf allen Ebenen unter einer starken Führung. Der Stiftungsrat sieht sich durchaus nicht fehlerfrei. Schwachstellen habe es sicher in der Kommunikation gegeben, dass man die Widerstände zu wenig berücksichtigt hatte. Gisler betont:

«Aber inhaltlich war der Weg richtig.»

Stiftungsrat unterstützt Geschäftsleitung

Die Kritik hatte sich auch an der Person des damals noch relativ neuen Geschäftsleiters festgemacht. Marcel Heuberger meint heute vielsagend: «Ja, es war keine einfache Zeit.» Dass eine neue Strategie für Verunsicherung sorgt, sei normal. «Die Eskalation kam aber auch mit Einbezug von aussen.» Der scheidende Stiftungspräsident Martin Gisler betont, dass die strategische Führung immer hinter Heuberger stand. Und im Rückblick auf die schwierige Zeit sagt er: «Ich bin glücklich, dass er noch da ist.»

René Walther übernimmt nun die strategische Führung der Stiftung Mansio. Auch er ist überzeugt, dass der Veränderungsprozess nötig gewesen ist.

«Die Ansprüche in der Betreuung haben sich verändert, der finanzielle Druck steigt. Die Änderungsprozesse hatten ein klares Ziel. Die Mansio musste flexibler werden und sich fit machen für die Zukunft. Die Verantwortlichen haben das super gemacht.»

Zeit der roten Zahlen ist vorbei

Anstoss für kritische Fragen hatten damals auch die roten Zahlen der Mansio gegeben. Von einem abzubauenden Investitionsstau spricht Marcel Heuberger. Auch eine leichte Unterbelegung der Betreuungsplätze führte zur angespannten Lage. Dass man den Supportbereich zusammengelegt hat, helfe heute, die Kosten zu senken. Und nach intensiven Gesprächen mit dem Kanton, konnte eine neue Regelung gefunden werden. «Ab 2021 haben wir eine kostendeckende Finanzierung», sagt der Gesamtleiter.

Die Reputation hat gelitten

Die Probleme möchte man nun hinter sich lassen, aber auch daraus lernen. Es gab eine erhöhte Fluktuation auf Kaderebene, attestiert Heuberger. Mit Beförderungen konnte man dieser begegnen.

«Unsere Reputation hat gelitten, das merkt man. Aber es gab auch Mitarbeiter, die zurückkehrten.»

Gerade im Bereich der hochintensiven Pflege sei es aber generell nicht einfach, genügend gut ausgebildetes Personal zu finden. «Wir brauchen Profis, damit wir unser Ziel, den Klienten auf Augenhöhe begegnen zu können, erreichen.» Inklusion in die Gesellschaft hat sich die Mansio auf die Fahne geschrieben. Martin Gisler betont, dass der Slogan «selbstbestimmtes Leben» seit einiger Zeit auch im Logo der Mansio festgehalten ist.

«Leuchtturm Mansio 2030»

Nach dem «Change-Process» folge nun die Konsolidierungsphase und die gemeinsame Entwicklung der Unternehmenskultur, sagt Heuberger. Nach einem Aufsichtsbesuch des kantonalen Sozialamtes habe es nichts zu beanstanden gegeben. Kürzlich erhielt die Mansio eine ISO- und eine SODK+-Zertifizierung. Im Oktober plane man zudem eine Zukunftskonferenz, berichtet der Gesamtleiter. Sie stehe unter dem Motto «Leuchtturm Mansio 2030». Mit internen und externen Fachpersonen erarbeite man die künftige Ausrichtung der Institution, welche notabene die grösste ihrer Art im Kanton sei. Es gehe um die Erkennung von Trends und zukünftigen Wohn- und Arbeitsmodellen für und mit beeinträchtigten Klienten und Werkstattmitarbeiter. Diese Erkenntnisse würden auch mit anderen kantonalen Einrichtungen geteilt.

Änderungen im Stiftungsrat

Neben Martin Gisler als Präsident verlassen auch Vizepräsidentin Christa Thorner-Dreher nach über 20 Jahren und Urs Schweizer den Mansio-Stiftungsrat. Neu hinzu kommen Regula Lüthi und Bruno Würth. Jennifer Rickenbach übernimmt neu das Vizepräsidium. Andreas Dörflinger verbleibt im Rat. Der neue Präsident, der Münsterlinger Gemeindepräsident und FDP-Kantonsrat René Walther, freut sich auf sein neues Engagement: Nach zehn Jahren mit dem «Steckenpferd» Raumplanung, wolle er sich politisch nun vermehrt bei den Themen Gesundheit und Soziales einbringen, sagt er. «Ich begegne dem Amt mit Respekt.» Er sehe seine Aufgabe als «Sparringspartner der Geschäftsleitung und in der strategischen Ausrichtung einer agilen Organisation». (ubr)