Früher wie heute: Keine Ferien für die Nachtwächter

Die Bischofszeller Nachtwächter- und Türmerzunft lädt am Vorabend des Nationalfeiertages zu einem Rundgang und zeigt dabei eine alte Stechuhr.

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Die Bischofszeller Nachtwächter laden zum Rundgang durch das Städtli. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Die Bischofszeller Nachtwächter laden zum Rundgang durch das Städtli. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Am kommenden Mittwoch, 31. Juli, findet der nächste öffentliche Nachtwächterrundgang der Bischofszeller Nachtwächter- und Türmerzunft statt. Mit diesem Rundgang möchten die Nachtwächter vor allem auch Familien mit Kindern ansprechen. Etwas länger aufzubleiben sollte in den Sommerferien ja drin liegen.

Das Wort «Ferien» war für die Nachtwächter ein Fremdwort. Dafür gibt es verschiedene Indizien, wie zum Beispiel an der Lohntüte der Nachtwächter erkennbar. Im Jahr 1866 hatte man den Nachtwächtern den Lohn um 25 Prozent erhöht, nämlich von 40 auf 50 Rappen pro Nacht. Oder anders ausgedrückt, 180 Franken soll das Jahressalär der Nachtwächter betragen haben, was 360 Nächte arbeiten bedeutet hatte. Da blieb kein Raum für Ferien. Zu wichtig war ihre Aufgabe, ein waches Auge auf Feuersbrünste zu haben, unbeliebte Gäste und Ganoven von der Stadt fernzuhalten, sowie Radaubrüder und Schlägertypen davon abzuhalten, etwas Dummes zu tun.

Sie gehörten zu den Ärmsten der Stadt

Die Bischofszeller Nachtwächter- und Türmerzunft nahm sich das Wachtbuch von 1895 bis 1914 zu Hilfe, um Geschehnisse am jeweiligen 31. Juli herauszusuchen. Vielleicht konnten die Nachtwächter von einst doch Ferien geniessen, weil es im Städtli ruhiger war als sonst. Die Zunft ist tatsächlich auf Einträge gestossen. Somit war die Diskussion bezüglich Sommerferien erledigt. Um ehrlich zu sein: Ihnen fehlte auch das nötige Geld, denn sie gehörten zu den Ärmsten der Stadt.

Den Rundgang vom nächsten Mittwoch widmen die Nachtwächter vor allem Daheimgebliebenen, Familien und Feriengästen der Region. Also «hört ihr Leut’ und lasst euch sagen, vom Turm wird die Glocke neune schlagen». Es öffnet sich die Turmtüre, die nicht selten auch mittelalterliche Geräusche von sich gibt, und auf Geisterhaftes hinweist. Zudem werden die Nachtwächter an diesem Abend eine alte Stechuhr von 1860 mit auf die Runde nehmen und erklären. (red)

Nachtwächterrundgang
Am Mittwoch, 31. Juli, 21 Uhr, Treffpunkt beim Bogenturm.