Freiluftspektakel
Shakespeare als Open Air: Das Theater Konstanz zeigt auf dem Münsterplatz das Stück «Viel Lärm um nichts»

Shakespeares Komödie «Viel Lärm um nichts» ist aktuell auf dem Konstanzer Münsterplatz zu sehen. Die Premiere ging am Wochenende über die Bühne.

Brigitte Elsner-Heller
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Das Theater Konstanz zeigt auf dem Münsterplatz das Stück «Viel Lärm um nichts» als Open Air.

Das Theater Konstanz zeigt auf dem Münsterplatz das Stück «Viel Lärm um nichts» als Open Air.

Bild: PD

So ein Aufstand – um nichts! Um nichts? Ist da doch schliesslich das Kriegsvolk, das gerade ein Alternativprogramm sucht, um seinen Adrenalin- und Testosteron-Level in die anbrechenden Friedenszeiten rüber zu retten. Aber die passenden Frauen dazu? Shakespeare hat sich in seinen Komödien einen Spass aus dem Getümmel zwischen den Geschlechtern gemacht, so auch in «Viel Lärm um nichts», das in Konstanz als Open Air auf dem Münsterplatz frech, um nicht zu sagen: rotzig in Szene gesetzt wird.

Die Kriegsheimkehrer unter Führung von Don Pedro (Ingo Biermann) erscheinen also auf dem Landgut von Don Leonato (Burkhard Wolf), bekleidet lediglich mit Badehosen im Camouflage-Look.

Die Kriegsheimkehrer tragen lediglich Badehosen im Camouflage-Look.

Die Kriegsheimkehrer tragen lediglich Badehosen im Camouflage-Look.

Bild: PD

Während der Besucher mit Claudio (Miguel Jachmann) und Benedikt (Peter Posniak) zwei «vielversprechende» junge Männer im Gefolge hat, wartet der Gutsherr zufälligerweise mit zwei attraktiven Damen auf: Tochter Hero (Pauline Werner) und Nichte Beatrice (Maëlle Giovanetti). Na, wenn das nicht passt. Hero lebt das ungezwungene Leben einer reichen Tochter am Rande des Swimmingpools und ist somit ein veritables Gegenstück zum Warmduscher Claudio. Und schon ist zumindest diese Hochzeit – vorläufig – gebongt.

Männer können sich ihr Gehabe bald abschminken

Bleiben (in dieser Kürzestfassung) noch Benedikt und Beatrice, die sich spitzfindige Rededuelle liefern. Und da die Inszenierung sich über alles und jeden mindestens so gern lustig macht wie Shakespeare himself, können sich die Männer ihr Gehabe bald abschminken.

Die Inszenierung des Stücks «Viel Lärm um nichts» des Theater Konstanz ist frech und rotzig.

Die Inszenierung des Stücks «Viel Lärm um nichts» des Theater Konstanz ist frech und rotzig.

Bild: PD

Federführend bei der Gegenoffensive der «Weiblichkeit» ist Beatrice, die Benedikt ebenso wenig heiraten will wie dieser sie. Bis sich die Inszenierung deren abschliessendes musikalisches Liebesduett (also nicht: -duell!) erlaubt, das fast selbst nach ironischer Brechung aussieht, sind einige Fetzen geflogen. Und nicht nur das: Ausgeklammert wurden hier jetzt sämtliche Irrungen und Wirrungen, alle Intrigen und Dreistigkeiten, die den Stoff würzen.

Figuren werden adäquat in Szene gesetzt

Open Air bedeutet auch, dass viel Raum zu bespielen ist. Zur Freude des Publikums, das von zwei Seiten die ausgestellten Figuren bestaunen durfte, war dadurch Platz, um selbst kleine Nebenhandlungen wirkungsvoll zu entwickeln und die jeweiligen Figuren adäquat in Szene zu setzen.

Kleider machen im Stück «Viel Lärm um nichts» des Theater Konstanz nicht einfach Leute, sondern Galane.

Kleider machen im Stück «Viel Lärm um nichts» des Theater Konstanz nicht einfach Leute, sondern Galane.

Bild: PD

Erste Sympathieträgerin ist natürlich Beatrice, die Schauspielerin Maëlle Giovanetti mit überaus kantigem Charme ausstattet, und auch Benedikt wird mit Peter Posniak umso sympathischer, je mehr er sich zum Deppen macht. Miguel Jachmann, vermeintlich gehörnter Noch-nicht-ganz-Ehemann, falsiert wunderbar in höchsten Tönen, was den Liebesrausch gekonnt der Lächerlichkeit preisgibt.

Mit Kleidern nicht einfach Leute, sondern Galane gemacht

Regisseurin Susi Weber räumt jedem im Ensemble seinen besonderen Auftritt ein, entwickelt gekonnt Charaktere, während Luis Graninger lustvoll mit Kleidern nicht einfach Leute, sondern meist Galane macht: Er setzt gross gemusterte Stoffe ein, die herrschaftliches Brokat imitieren und dabei doch nur wie Polsterstoffe einer geschmacklos dekorierten Villa wirken. Dass die Hochzeitsbekleidung im abschliessenden «Happy End» schlicht und aufgeräumt daher kommt – wir denken darüber nach. Ernsthaft.