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Freiheit ist dem Arboner Johann Heinrich Mayr wichtiger als Geld

Er zog aus, die Welt zu erkunden. Als Geschäftsreisender hat er sich den Nimbus eines Abenteurers geschaffen. Und er gilt als Vorreiter des Reisejournalismus.
Max Eichenberger
Auf den Spuren von Johann Heinrich Mayr: Historiker Kurt Bünzli, Theatermacher Oliver Kühn. Bild: Max Eichenberger

Auf den Spuren von Johann Heinrich Mayr: Historiker Kurt Bünzli, Theatermacher Oliver Kühn. Bild: Max Eichenberger

Seine Biografie liest sich wie ein spannendes Geschichts- und Abenteuerbuch. Der akribisch verfasste Lebensbericht von Johann Heinrich Mayr, dem vor 250 Jahren geborenen Spross eines Kaufmanns, Textilfabrikanten in der Bleiche, Naturschwärmer und Weltreisenden, zieht über hundert Besucher im vollen Landenbergsaal in den Bann. Monumentale 3500 Seiten in deutscher Kurrentschrift hat der Historiker Kurt Bünzli, ein gebürtiger Arboner, transkibiert. Von ihm herausgegeben liegt ein dreibändiges Werk («Meine Lebenswanderung») vor. Mit Theatermacher Oliver Kühn, der Mayr seine Stimme leiht, gibt er auf Einladung der Museumsgesellschaft einen intimen Einblick in das Leben des unternehmungslustigen Individualisten.

Lieber Wald und Flur als Büro-Zwangsarbeit

In privilegierten Verhältnissen aufgewachsen, tritt Johann Heinrich Mayr später in die Fussstapfen des Vaters, übernimmt den Betrieb und führt diesen äusserst erfolgreich. Er bleibt aber im Geiste ein freiheitlicher Vagabund, der lieber in den Wäldern herumstreift als im Büro das Kassabuch führt. Mayr avanciert zu einem der reichsten Thurgauer. Doch aus Geld macht er sich nichts. Das Umherschlendern an einem schönen Morgen, ein Buch in der Tasche, Kästners Schriften, «Werther», überhaupt der Heisshunger auf Literatur: Das biete ihm «mehr Genuss als alles Gold», notiert er. Und: «Was soll der Erwerb einer Sache, die für mich keinen Wert hat?» Widerwillen zeigt er schon als Jüngling «gegen alles, was Lernen ist». Der übellaunige Magister mit dem struppigen Toupée, den ihm der Vater zwecks Erziehung beistellt, geht ihm auf den Keks. «Was sollte ich Latein lernen, da ich doch auf Deutsch noch kaum Brot fordern konnte!» Der Vater schickt den jungen Johann Heinrich nach Lörrach, ins Welschland, schliesslich nach Aarau. Von ihm nimmt er danach kaufmännische Unterweisungen entgegen. Das behagt ihm nicht sonderlich. Der junge Mayr empfindet die Bürotätigkeit als «Zwangsarbeit». Und doch übernimmt er nach dem Tod des Vaters neben Färberei und Bleicherei auch den Landwirtschaftsbetrieb.

Eine Seidendruckerei für Foulards

Mayr entpuppt sich als gewiefter, tüchtiger Geschäftsmann, als ideenreicher Designer, der mit seinen innovativen Textildrucken neue Märkte erschliesst. Der Betrieb blüht. Mayr beschäftigt über hundert Mitarbeiter, expandiert nach Thal, eröffnet im Elsass eine Seidendruckerei für Foulards. Er bereist halb Europa, erschliesst neue Exportmärkte. Damit verbindet er seine wahre Passion. «Die Hälfte seiner Biografie sind Reiseberichte», sagt Historiker Bünzli. Unterwegs ist Mayr am liebsten zu Fuss. 1810, mit 42 Jahren, zieht er sich überraschend aus dem Geschäft zurück, übergibt es Zöglingen, die er als seine Nachfolger aufgenommen hat. Fortan unternimmt er grosse Reisen unter anderem durch den Nahen Osten und in die Bergwelt, die Mayrs Nimbus als Weltenbummler und Abenteurer festigen. Er flieht vor der Pest in Konstantinopel, schreibt detailreiche Reiseberichte und malt Aquarelle. Verheiraten lässt er sich nie; er verbleibe im Zustand, wie er es wünsche, notiert Mayr einmal. Wegen einer Krankheit, die seine Atmung beeinträchtigt, sieht er sich ausser Stande, eine standesgemässe Ehe zu führen. Auch ein späterer Versuch des befreundeten Schriftstellers David Hess, ihm eine Gesellschafterin aufzudrängen, schlägt grandios fehl. So gern er es wolle: Die Freiheit und die Unabhängigkeit gehe ihm über alles. Der Abenteurer von der Bleiche erlebt als Zeitgenosse politische Umwälzungen, die Hungersnot – und: das Aufblühen seines Heimatstädtchens Arbon.

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