Fredy Gansner macht ein Museum da, wo früher Fuhrwerke Pause machten

Fredy Gansner hat in seinem ehemaligen Pferdestall in Rothenhausen ein kleines Museum aufgebaut. Darin zeigt er bis zu 240 Jahre alte Gegenstände aus Landwirtschaft, Handwerk und Haushalt.

Mario Testa
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Bei seinem Hof Sonnegg hielten früher alle Pferdekutschen auf ihrem Weg zwischen Wil und Konstanz. Die Kutschen gibt es längst nicht mehr, aber den Pferdestall schon. «Hier wurden jeweils die Pferde der Fuhrwerke ausgewechselt», sagt Fredy Gansner und öffnet die Tür. Von den Pferdeboxen ist nichts mehr zu sehen.

Stattdessen zieren nun diverse Gegenstände den Raum, den der 76-jährige Bauer in den vergangenen Monaten umgebaut hat. «Hier stand zuvor der Öltank für unsere Heizung. Seit wir vor zwei Jahren auf eine Gasheizung umgestiegen sind, brauchen wir den nicht mehr. Also habe ich Platz geschaffen hier drin für ein kleines Museum.»

In seinem Museum können die Besucher in die Vergangenheit abtauchen. Nebst diversen Werkzeugen und landwirtschaftlichen Geräten der vergangenen 240 Jahre, gibt es auch Haushaltsgeräte und alte Bilder zu sehen.

«Unser Hof stammt aus dem späten 18. Jahrhundert und da haben sich entsprechend viele alten Sachen in all den Speichern und Zimmern angesammelt»

sagt Gansner. «Nachdem ich den Raum hier ausgeräumt, alles neu gemauert und gemalt hatte, habe ich angefangen, all die alten Dinge hier drin auszustellen.»

Bauernkollegen steuern Ausstellungsstücke bei

Die Sammlung wurde grösser und grösser. «Ich bin immer noch als Milchwäger unterwegs und habe den Bauern vom Museum erzählt. Sie haben mir viele alte Sachen mitgegeben», sagt Gansner. Zu den Trouvaillen seiner Sammlung gehört eine Wurstmaschine aus dem Jahr 1873, eine Motorsäge aus dem Jahr 1931 oder eine Griffelschachtel von 1780. Eine Platte mit einem Gedicht hängt an der Wand.

Gedicht «Du Bauer!»

Du bist der Knecht in Gottes Segen.
Er leiht den Acker, weckt die Saat; Er schenkt dir Sonne, Wind und Regen, lenkt Schritt und Hand nach weisem Rat;
Bleib fleissig, ehrlich, treu und stolz; Du bist der Heimat bestes Holz.

An der Wand hängen Jochs, mit denen früher Ochsen und Pferde vor die Wagen und Landmaschinen gespannt wurden, Sensen oder Steigeisen.

«Ich komme ursprünglich aus dem Prättigau. Wenn man da im Morgentau auf den steilen Wiesen unterwegs war, brauchte man solche Steigeisen, um nicht abzurutschen und den Berg hinunter zu stürzen»

erklärt Gansner. In den Nebenraum, den ehemaligen Hühnerstall, hat er einen Tisch gestellt, die Wände mit Täfer aus dem ehemaligen Gasthaus Post verkleidet und Bilder aufgehängt. «In diesem Stübli habe ich schon gemütliche Abende mit Kollegen verbracht.»

Persönliche Führungen und ein Kaffee

Öffnungszeiten hat das kleine Museum in Rothenhausen an der Mettlenstrasse 11 keine. «Wenn Leute vorbeikommen und ich da bin, zeige ich es sehr gerne. Ich möchte mich aber nicht zeitlich binden», sagt Gansner. «Aber ich bin ja häufig hier auf dem Hof anzutreffen.»
Zeit hat Gansner nun auch wieder mehr.

Der hübsch gestaltete Café-Zirkuswagen von Fredy Gansner. (Bild: Mario Testa)

Der hübsch gestaltete Café-Zirkuswagen von Fredy Gansner. (Bild: Mario Testa)

Den ganzen Oktober hindurch hat er in einem alten Zirkus-Wagen ein Znüni-Café geführt. «Es kamen sehr viele Gäste vorbei und es gab gute Gespräche», sagt Gansner. Geld wollte er von seinen Gästen für die Getränke und Backwaren keine. «Sie durften jedoch spenden für das Hilfsprojekt der Schweizer Allianz Mission in Maltam, Kamerun, wo Helene Müller aus Schönholzerswilen mitwirkt und ich selbst auch schon drei Monate lang tätig war», sagt er. «Die Gäste waren sehr grosszügig.»

WERTBÜHL: Ein Kameruner namens Fredy

Fredy Gansner hat einen erfolgreichen Afrika-Einsatz hinter sich. Auch der Frauenfelder Beat Keller engagiert sich für Menschen. Am Herbstfrühstück referierten sie über ihre Arbeit.
Monika Wick