Frauenpower im Weinfelder Stadtparlament

Das erste Stadtparlament hat sich konstituiert und gleich zwei Parlamentarierinnen an die Spitze gewählt. Insgesamt vier Kommissionen haben die Politiker ebenfalls gewählt.

Sabrina Bächi
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Die frischgewählte Vizepräsidentin Claudia Bieg und die neue höchste Weinfelderin Alexandra Beck. (Bild: Reto Martin)

Die frischgewählte Vizepräsidentin Claudia Bieg und die neue höchste Weinfelderin Alexandra Beck. (Bild: Reto Martin)

Es war die Sitzung der ersten Male und der Wahlen. Etwas unbeholfen kommt es einigen Parlamentariern über die Lippen, dass Weinfelden als Stadt nun einen Stadtrat und ein Stadtparlament besitzt. Trotz einiger ersten Machtkämpfe hat sich das Parlament am Donnerstagabend konstituiert.

Bezeichnend: Die Frauen, trotz klarer Minderheit, geben im Weinfelder Parlament den Ton an. Auf Elsi Bärlocher (SVP) folgt mit Alexandra Beck aus der CVP eine weitere Frau und die siebte Präsidentin in der Geschichte des Weinfelders Parlaments. Ebenso in Frauenhand bleibt das Vizepräsidium, welches nun SP-Frau Claudia Bieg inne hat.

In ihrer Ansprache als Präsidentin betont Beck denn auch das Thema Frau: «Ich freue mich, dass trotz wenig Frauen in der Politik, bei drei von vier Stadtparlamenten im Kanton eine Frau Präsidentin ist.» Sie stehe für ein Miteinander, die Zusammenarbeit und wolle den von ihrer Vorgängerin ins Leben gerufene Anlass «Ein offenes Ohr für sie» weiterführen. «Wir alle sind Weinfelden», dafür politisiere sie, sagt die frischgebackene höchste Weinfelderin.

Die ehemalige Parlamentspräsidentin Elsi Bärlocher (SVP), die neue Stadtparlamentspräsidentin Alexandra Beck (CVP) und die neue Vizepräsidentin Claudia Bieg (SP). (Bild: Sabrina Bächi)

Die ehemalige Parlamentspräsidentin Elsi Bärlocher (SVP), die neue Stadtparlamentspräsidentin Alexandra Beck (CVP) und die neue Vizepräsidentin Claudia Bieg (SP). (Bild: Sabrina Bächi)

Geheime Abstimmung gewünscht

Dann schreitet die Präsidentin zu den weiteren Wahlen. Insgesamt vier Kommissionen und deren Präsidenten müssen nun gewählt werden. Die Wahlvorschläge haben die Parlamentarier schriftlich erhalten. Fast überall sind so viele Kandidaten wie Sitze zu finden. Einer raschen Wahl stünde eigentlich nichts im Weg.

Doch bereits zeigen sich kleine Machtkämpfe. Während die Geschäftsprüfungskommission einstimmig gewählt wird, steht bei dessen Präsidium eine Kampfwahl statt. Martin Müller (GP) sowie Stefan Wolfer (SVP) wollen den Vorsitz. Mit 16 Stimmen gewinnt Wolfer die Wahl knapp. Bei der Einbürgerungskommission tritt der neue Parlamentarier Peter Fretz (GLP) zum ersten Mal ans Mikrofon.

Er wünscht sich eine geheime Abstimmung. Seine Begründung: «Da so eine Kommission viel Macht hat, sollten keine Personen mit extremen Haltungen deren Mitglieder sein.» Darüber aufgebracht äussert sich SVP-Ortspräsident Manuel Strupler. «Wenn schon kritisiert wird, dann soll man wenigstens offen sagen, gegen wen», moniert er.

Das Resultat zeigt es deutlich. Max Brunner (SVP) erhält nur 19 von 27 möglichen Stimmen. Ebenfalls eine extreme Haltung scheinen einige Parlamentarier dem Grünen Reto Frei zu attestieren. Er erhält 22 Stimmen. Die anderen fünf Mitglieder werden mit 26 respektive 27 Stimmen gewählt.

Bedenken wegen Parteizugehörigkeit

Für eine weitere Überraschung sorgt Martin Müller (GP). «Ich schätzte Thomas Bornhauser und seine Arbeit für die Gemeinde, aber ich wähle ihn trotzdem nicht zum Vizestadtpräsidenten», sagt er. Hauptsächlich die Parteizugehörigkeit, welche dieselbe ist, wie beim Stadtpräsidenten, stösst im sauer auf.

Dagegen wehrt sich wiederum Manuel Strupler. «Er hat nicht mehr Macht durch dieses Amt, aber es ist eine Anerkennung für seine Arbeit.» Bornhauser wird mit 23 Ja-Stimmen gewählt. Alle neu gewählten Kommissionen sind ab Mittag auf der Homepage der Stadt zu finden.