Frauenfeld und Hinterthurgau
Finanzielle Sorgen und übereifrige Adoptionsanfragen: Die Auswirkungen der Pandemie auf lokale Tierheime

Keine Ferientiere und Interessenten, die sich zu wenig Gedanken über die Anschaffung eines Tieres machen: Die lokalen Tierheime haben während der Coronapandemie einige Herausforderungen zu meistern.

Viola Stäheli
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Ein Büsi im Katzenheim Chatzechörbli in Frauenfeld.

Ein Büsi im Katzenheim Chatzechörbli in Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Laut und eindringlich ist das Miauen. «Der ist ein kleiner Tyrann», sagt Esther Rellstab und schaut schmunzelnd zum weiss-rot getigerten Kater in der hinteren Ecke im Innenraum des Katzenheims Chatzechörbli in Frauenfeld. Der Kater mit dem klagenden Miauen ist nur vorübergehend im «Chatzechörbli», nebst ihm sind noch zwei weitere Katzen Feriengäste. Rellstab sagt:

«Seit Januar hatte ich bis auf die jetzigen drei Katzen fast keine Ferientiere mehr. Normalerweise habe ich über Weihnachten und Neujahr immer etwa zehn bis 15 Katzen in Obhut.»
Esther Rellstab betreibt das Katzenheim Chatzechörbli in Frauenfeld.

Esther Rellstab betreibt das Katzenheim Chatzechörbli in Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Viele Tierbesitzer sind in diesem Jahr aufgrund der Coronapandemie zu Hause geblieben, es bestand kein Bedarf, den Liebling fremdbetreuen zu lassen. Das bringt für Betreiber von Tierheimen grosse Sorgen mit sich: Ferientiere finanzieren die Heimatlosen mit.

«Konkret bedeutet das, dass ich derzeit keine heimatlosen Katzen aufnehmen kann, bei denen eine kostspielige Pflege und ein langer Aufenthalt im Katzenheim zu erwarten ist», sagt Rellstab, «und wenn die Ferientiere auch im nächsten Jahr ausbleiben, könnte das eine Katastrophe sein, insbesondere für ebendiese Tiere.»

Die meisten Ferienplätze bleiben unbesetzt

Dieses Problem ist auch im Tierheim Wängi bekannt. In diesem finden Katzen, Hunde, Vögel und auch Kleintiere wie Hasen und Meerschweinchen ein vorübergehendes Zuhause. «Auch bei uns läuft die Finanzierung in erster Linie über Ferientiere», sagt Nadia Müller.

Das Tierheim Wängi ist über die Feiertage normalerweise ausgelastet. Diesmal bleiben aber die meisten Ferienplätze unbesetzt. «Die Tierheime müssen derzeit einen langen Atem haben. Für viele ist das Ausbleiben der Ferientiere ein grosses Problem. Man muss wissen, dass es keine Ferienplätze mehr geben wird und auch heimatlose und beschlagnahmte Tiere nirgends mehr unterkommen, wenn Tierheime schliessen müssen.»

Heimatlose und beschlagnahmte Tiere kommen nirgends mehr unter, wenn Tierheime schliessen müssen.

Heimatlose und beschlagnahmte Tiere kommen nirgends mehr unter, wenn Tierheime schliessen müssen.

Bild: Reto Martin

Mehr Adoptionsanfragen als vor der Pandemie

Die ausbleibenden Ferientiere sind aber nur ein Begleitumstand der Coronapandemie, den die Tierheime zu spüren bekommen. Bereits während des Lockdowns im Frühjahr zeigte sich, dass sich Tieradoptionsanfragen generell häuften. «Nach wie vor erhalte auch ich mehr Anfragen als vor der Pandemie», sagt Margrit Geissler. Sie leitet das private Hundeheim Tiergarten in Pfyn.

«Oft wird mir gesagt, dass man jetzt im Homeoffice sei und sich nun gerne einen Hund anschaffen würde», sagt Geissler. Bei einer solchen Anfrage werde sie vorsichtig:

«Es stellt sich immer die Frage, was passiert, wenn nicht mehr im Homeoffice gearbeitet werden kann. Der Hund muss trotzdem weiterhin betreut werden.»

Nur wenn langfristig im Homeoffice gearbeitet oder das Arbeitspensum reduziert werden kann, ist es sinnvoll, einen Hund zu adoptieren. Ansonsten bleibt dieser übrig und landet letztlich wieder im Tierheim.

«Oft wurde ich auch bereits angefragt, ob es möglich wäre, einen Hund auf Zeit zu haben – also quasi einen Hund zu leihen», sagt Geissler. Das sei keine gute Idee, der Hund gewöhne sich an sein neues Umfeld und müsse dann wieder zurück, was eine grosse Belastung ist. Vielmehr solle man sich bei Nachbarn oder Freunden erkundigen, ob da jemand froh wäre, wenn man hin und wieder mit deren Hund spazieren geht.

Ein Coronahund, der im September zurückkam

Einen «Coronahund», wie Geissler diesen mit einem Augenzwinkern nennt, gab es allerdings: «Es handelt sich um einen kleinen Hund, der ein Problemfall ist: Er schnappt Gäste. Ihm wurde eine ebensolche Pflegestelle angeboten. Da die Option bestand, dass der Hund bleiben könnte, wagten wir den Versuch», sagt Geissler. Leider hat es aber nicht gepasst und der Hund ist im September in den Tiergarten zurückgekehrt.

Während der Pandemie sind weniger Tiere entlaufen.

Während der Pandemie sind weniger Tiere entlaufen.

Bild: Reto Martin

Es gibt aber auch Gutes, zu berichten: «In diesem Jahr sind weniger Tiere als entlaufen gemeldet worden», sagt Monika Frei, Präsidentin des Tierschutzvereins Frauenfeld. Nur wenige Besitzer sind in diesem Jahr längere Zeit weg gewesen. «Die meisten Tiere entlaufen während der Ferien», sagt Frei. Aber dieses Jahr sind auch sie in ihrem Zuhause geblieben.