Frauenfeld
50 Jahre Frauenstimmrecht: Ein Grund zur Freude – und eine gute Gelegenheit, sich doch noch ein wenig zu schämen

Mit der Ausstellung «8 Frauen im Schaufenster» werden ab 28. Mai in der Frauenfelder Altstadt in acht Schaufenstern acht Frauen postum für ihr Wirken geehrt. Beim Lesen und Betrachten werden sich manche fragen: Warum eigentlich erst 50 Jahre Frauenstimmrecht?

Hans Suter
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Zoe Waltenspül koordiniert die Anlässe zu «50 Jahre Frauenstimmrecht im Thurgau» und schreibt eine Arbeit darüber.

Zoe Waltenspül koordiniert die Anlässe zu «50 Jahre Frauenstimmrecht im Thurgau» und schreibt eine Arbeit darüber.

Bild: Donato Caspari

Wenn am Freitag, 28. Mai, laut Prognose die Sonne lacht, wird man sich in Frauenfeld besonders freuen: Um 16 Uhr eröffnen das Thurgauer Frauenarchiv und die Frauenzentrale Thurgau beim Schloss die Ausstellung «8 Frauen im Schaufenster». Nach der Begrüssung und einem Kurzreferat der Historikerin Heidi Witzig geht es in Gruppen zu je zehn bis zwanzig Personen auf verschiedenen Parcours durch die Stadt. Von Porträt zu Porträt, das von einer Zeitzeugin näher beleuchtet wird.

In den acht Schaufenstern begegnen die Menschen von heute acht Porträts von Frauen, die sich massgeblich für die Rechte der Frauen und damit für einen besseren Thurgau eingesetzt haben. Kurz mit dem Handy den QR-Code scannen – und schon erscheinen die Informationen auf dem Display. Dabei begegnet man der Gründerin des Thurgauischen Verbands für das Frauenstimmrecht, der Gründerin der heutigen Frauenzentrale, der ersten zugelassenen Thurgauer Anwältin und der Initiantin für bäuerliche Weiterbildung ebenso wie der ersten Thurgauer Kantonsrätin, einer der ersten Ärztinnen, einer Fair-Trade-Mitinitiantin und der ersten Nationalrätin aus dem Thurgau. Die Ausstellung dauert bis Ende August.

1. Ludomila Scheiwiler-von Schreyder 1888 – 1980

  • Initiantin des 1927 gegründeten Thurgauischen Verbands für Frauenstimmrecht, der sich jahrzehntelang trotz teils vehementer Anfeindungen im Kanton für Frauenrechte einsetzte. Referentin: Verena Müller

2. Anna Walder 1894 – 1986

  • Erste und langjährige Leiterin der Thurgauischen Zentralstelle für weibliche Berufsberatung und 1926 Gründerin des Bundes Thurgauischer Frauenvereine (später Frauenzentrale). Referentin: Christine Christ

3. Dora Labhart-Roeder 1897 – 1992

  • Erste zugelassene Anwältin im Thurgau, Gründerin des Thurgauischen Gemeinnützigen Frauenvereins. Erstritt sich 1923 vor Bundesgericht das Recht, vor Gericht praktizieren zu dürfen. Referentin: Nina Zirfass

4. Frieda Rüdin-Meili 1901 – 1987

  • Initiantin und Präsidentin der Frauenkommission des Thurgauer Landwirtschaftlichen Kantonalverbands; vernetzte ab 1929 die Bäuerinnen im Kanton und ermöglichte ihnen Weiterbildung. Referentin: Mona Baumgartner

5. Martina Hälg-Stamm 1914 – 2011

  • 1972 die erste und noch immer einzige in den Grossen Rat des Kantons Thurgau gewählte Frau, wo sie sich konsequent für diverse politische Frauenanliegen einsetzte. Referentin: Vreni Schawalder

6. Ella Gonzenbach-Oettli 1923 – 2008

  • Eine der ersten Ärztinnen am Kantonsspital Frauenfeld; sie vereinte bereits in den 1960er-Jahren Beruf und Familienpflichten und engagierte sich in Vereinen und Kirche gemeinnützig. Referentin: Margrit Früh

7. Ursula Brunner-Storz 1925 – 2017

  • In den 1970er-Jahren Mitinitiantin der schweizweiten Fair-Trade-Bewegung am Beispiel der Bananen. Obwohl eine bürgerliche Politikerin, war sie auch aktiv in der Friedensbewegung. Referentin: Elisabeth Lamprecht

8. Menga Danuser 1951 – 2011

  • Ab 1976 erste Nationalrätin des Kantons Thurgau, nachdem sie bereits in den Gemeinderat Frauenfeld und mit 25 Jahren in den Thurgauer Grossen Rat gewählt worden war. Referentin: Susanne Dschulnigg

www.frauenarchiv.ch, www.frauenzentrale-tg.ch, www.hommage2021.ch.