Frauen im Zentrum: Dorfführung bringt die Geschichte der Weinfelder Frauen ans Licht - doch die Männer interessiert das nicht

Am Donnerstag führt Vreni Brenner auf Frauenspuren durch Weinfelden. Mit dabei: ihre Nachfolgerin Malou Zürcher. Doch ein Problem bleibt: Der Dorfrundgang «Auf Frauenspuren» lockt nur wenig Männer an.

Sabrina Bächi
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Frauen wie die Fotografin Martha Gubler vom Gublerhaus lernen die Teilnehmer auf dem Rundgang «Auf Frauenspuren» kennen.

Frauen wie die Fotografin Martha Gubler vom Gublerhaus lernen die Teilnehmer auf dem Rundgang «Auf Frauenspuren» kennen.

Bild: PD/Führungsteam Weinfelden

Weinfelden ist männlich. Wie so viele Städte lebt sie von der Geschichte grosser Männer, die Einzigartiges für ihr Vaterland, den Kanton oder für Weinfelden leisteten. Die Schulhäuser trugen bis vor kurzem ausschliesslich ihre Namen, ebenso die Strassen. Was die Frauen jener Zeit leisteten, bleibt verborgen, ging mit ihrem Tod vergessen oder wurde erst gar nicht wahrgenommen.

Viel Recherchearbeit ist nötig

In den Annalen sind ihre Taten nicht festgehalten, ebenso wenig weiss das Internet über sie Bescheid. «Geschichten über Frauen zu finden ist anspruchsvoll und bedeutet viel Recherchearbeit», sagt Vreni Brenner. Die Weinfelderin weiss, wovon sie spricht, denn sie ist die Dorfführerin auf Frauenspuren in der Stadt.

Wer mit ihr auf einen Rundgang geht, der erfährt etwas über Model, Meyerhans oder Bornhauser – aber nicht über die Männer, sondern über die Frauen.

Brenner führt die Interessierten an die Schauplätze, an denen die Frauen wirkten. Doch die Zuhörer sind meist des gleichen Geschlechts wie jene, von denen sie erzählt, nämlich Frauen.

Geschichte der Frauen ist geprägt vom Alltag

«Eher selten kommen Männer an meine Führungen», sagt Brenner. Es mache fast den Anschein, als ob die Geschichte der Frauen für die Männer nicht interessant sei. «Wer über Geschichten von Männern berichtet, weiss meist etwas Konkretes zu erzählen. Die Geschichte der Frauen ist mehr vom Alltag geprägt. Was aber nicht heisst, dass es weniger spannend ist», sagt die 72-Jährige.

Vielleicht sei der Name der Führung auch unglücklich gewählt, mutmasst Brenner. Die Schwellenangst der Männer sei wohl zu hoch, an einer Frauenführung teilzunehmen, das sei schade.

Vreni Brenner, Dorfführerin

Vreni Brenner, Dorfführerin

Bild: PD
«Die Führung wirkt offensichtlich zu wenig männlich.»

Brenner jedenfalls setzt sich sehr dafür ein, dass die starken Frauen Weinfeldens nicht vergessen gehen. Es ist ein Projekt, das vor über zehn Jahren von fünf Frauen gestartet wurde. Brenner ist die Letzte, welche die Führungen noch anbietet. «Es braucht halt auch Zeit.»

Eine Weinfelderin durch und durch

Malou Zürcher, angehende Dorfführerin

Malou Zürcher, angehende Dorfführerin

Bild: PD

Doch nun scheint eine Nachfolgerin gefunden. Malou Zürcher hat sich bereiterklärt, sich als Führerin zu betätigen. «Ich finde es sehr wichtig, dass dieses Projekt der Stadt erhalten bleibt», sagt Zürcher. Geschichte habe sie immer interessiert «und ich bin Weinfelderin durch und durch». Deshalb sei es für sie klar gewesen, sich als Dorfführerin zu engagieren, sagt die 31-Jährige.

Sie sei offen dafür, den Führungen einen neuen Impuls zu geben, das Angebot breiter zu streuen und bekannter zu machen. «Ich finde es schön, dass jemand jünger mit im Boot ist», sagt Vreni Brenner. Beide erhoffen sich eine Ergänzung in der Zusammenarbeit.

Diesen Donnerstag können Interessierte ab 18.30 Uhr beim Rathausbrunnen für zehn Franken auf Tour durch die Schauplätze weiblichen Wirkens.