Frantisek Rehak: Die frühere Nachwuchshoffnung von Slavia Prag verzückt die Fans des HC Thurgau

In seiner zweiten Saison mit dem HC Thurgau ist Rapperswils Leihgabe Frantisek Rehak mehr denn je ein Glücksfall für die Mannschaft von Trainer Stephan Mair. Vor dem Auswärtsspiel heute Mittwoch gegen den EHC Kloten führt der 20-jährige Tscheche die teaminterne Skorerliste an.

Matthias Hafen
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Mit erst 20 Jahren schon Topskorer: Frantisek Rehak trägt massgeblich zum erfolgreichen Saisonstart des HC Thurgau bei.

Mit erst 20 Jahren schon Topskorer: Frantisek Rehak trägt massgeblich zum erfolgreichen Saisonstart des HC Thurgau bei.

Mario Gaccioli

Es brauchte Mut, als Frantisek Rehak mit 14 Jahren in die Schweiz zog. Ohne seine Eltern aber mit seinem gleichaltrigen Kollegen Jan «Honza» Kvapil machte sich der Teenager auf, um seiner Eishockeykarriere Schub zu verleihen. Im Ohr hatte er «Cesta», 2014 der grosse Nummer-eins-Hit in Tschechien, im Gepäck nicht viel mehr als seine Schlittschuhe und im Kopf der grosse Traum einer internationalen Karriere. Rehak sprach kein Wort Deutsch, als er in Davos ankam. In den Bündner Bergen, wo sie Eishockeytalente wie ihn für die Nachwuchsabteilung suchten.

Die Eltern hatten ihrem Sohn Frantisek den Entscheid überlassen, ob er sein Elternhaus mit 14 Jahren verlassen wolle. Rehak ging das Abenteuer ein. Er sagt:

«Ich wollte die Welt erkunden, Sprachen lernen und sah das als super Lebensschule.»

Den Eltern ist er für ihre offene Haltung dankbar.

Heute, mit 20 Jahren, sagt Frantisek Rehak, er könne sich vorstellen, wieder nach Tschechien zu ziehen. Aber nicht vor 40 und höchstens, um seine Karriere ausklingen zu lassen. Dabei hätte der Stürmer aus Kolin, einer 30000-Einwohner-Stadt an der Elbe, eine Autostunde östlich von Prag, wohl auch in seiner Heimat Karriere gemacht. Nach seinen ersten drei Jahren auf den Schlittschuhen zogen die Rehaks nach Prag und Frantisek wurde als Neunjähriger beim Traditionsklub Slavia aufgenommen.

Der Lehrling beginnt zu zaubern

Wenn Frantisek Rehak heute Mittwoch um 19.45 Uhr in Kloten für den HC Thurgau aufläuft, dann fehlt einiges vom internationalen Renommee, das Slavia Prag umgibt. Dennoch fühlt sich der 20-jährige Tscheche am richtigen Ort. Hierhergefunden hat er von Davos via Rapperswil-Jona, Kloten und nochmals Rapperswil. In seinem zweiten Jahr als Leihspieler für den HC Thurgau macht Rehak eine bemerkenswerte Entwicklung durch. Er ist mit drei Toren und sechs Assists aus sechs Partien der Topskorer des Teams, führt das Powerplay des HCT an und drückt dem Spiel dermassen den Stempel auf, als wäre er einer der beiden Ausländer im Team.

Genau genommen ist Rehak einer von sechs Ausländern im Kader des HC Thurgau, hat aber wie Bernhard Fechtig, Patrick Spannring und Adam Rundqvist eine Schweizer Lizenz. Und sowieso steht der Stürmer bei Thurgaus NLA- Partnerklub Rapperswil-Jona unter Vertrag. Anders als noch vor einem Jahr wollen die St.Galler Rehak heuer aber längerfristig bei Thurgau lassen. So, dass er auch stets in Weinfelden trainiert. «Im ersten Moment war ich enttäuscht, als ich wieder zu Thurgau geschickt wurde», sagt Rehak, der sich als erstes grosses Ziel in der National League durchsetzen will. Doch habe er die Vorzüge beim Swiss-League-Klub schnell erkannt. Beim HCT erhält er das volle Vertrauen des Trainers, bekommt pro Partie 15 Minuten Eiszeit oder mehr und spielt eine tragende Rolle. «Das bringt mir natürlich mehr, als wenn ich in Rapperswil-Jona vereinzelt Einsätze in der vierten Linie habe», sagt der junge Tscheche.

Wie Rehak zu seinem Spitznamen Brad Pitt kam

Dass Rehak bis auf Widerruf voll und ganz zu Thurgaus Team gehört, erklärt die positive Entwicklung des Leihspielers. Mit seinen Sturmpartnern Rundqvist und Jan Mosimann harmoniert er bestens. «Es ist für alle ein Vorteil, wenn er die ganze Zeit bei uns ist und nicht immer die Mannschaft wechselt», sagt Trainer Stephan Mair. Und Rehak fügt an: «Ich habe noch nie in einer so tollen Truppe gespielt.» Rapperswils Leihspieler blüht auch in der Kabine auf, selbst wenn er dort als ruhiger Typ gilt. Dennoch ist der 20-Jährige für viele Spässe zu haben. Im Team wird er nur noch Brad Pitt genannt, weil der Sender MySports vor dem heutigen Fernsehspiel in Kloten einen grossen Filmbeitrag über Rehak produziert hat. Seinen neuen Status hat er sich hart erarbeitet. Trainer Mair sagt:

«Sein Fleiss und sein Wissensdurst beeindrucken mich.»

So lege der Stürmer im Training oft Extraschichten ein. Auch Bescheidenheit gehört zu den Tugenden des tschechischen Talents. «Überall wo ich bisher war, habe ich in der vierten Linie begonnen und mich in die erste oder zweite Linie vorgearbeitet», sagt Rehak. Damit habe er keine Probleme.

Ein Traum würde für Thurgaus Topskorer in Erfüllung gehen, wenn er dereinst für Tschechiens A-Nationalteam berücksichtigt wird. Auch die NHL schwirrt im Hinterkopf umher. Denn Rehak weiss, dass sein Abenteuer erst begonnen hat.