Fragen zur Sozialversicherung, zum Handy und zum Umzug ins Heim: Pro Senectute berät seit 30 Jahren in Kreuzlingen

Rund 1000 Personen kommen jährlich in den Genuss einer Dienstleistung der Beratungsstelle, Tendenz steigend. 

Martina Eggenberger Lenz
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Die Pro Senectute Beratungsstelle Kreuzlingen gibt es seit 30 Jahren. Im Bild: Markus Brüllmann, Stiftungspräsident Urs Haubensak, Teamleiter Raimund Disch und Geschäftsführer Raphael Herzog,

Die Pro Senectute Beratungsstelle Kreuzlingen gibt es seit 30 Jahren. Im Bild: Markus Brüllmann, Stiftungspräsident Urs Haubensak, Teamleiter Raimund Disch und Geschäftsführer Raphael Herzog,

Bild: Donato Caspari

Bald ein Fünftel der Bevölkerung in der Stadt Kreuzlingen ist älter als 55, Tendenz steigend. Gleichzeitig ist das Ansehen der älteren Menschen in der Gesellschaft schlechter denn je, wie Urs Haubensak, der Stiftungspräsident von Pro Senectute Thurgau, feststellt.

Klassische Familien gibt es immer weniger, dafür viele Single-Haushalte, auch bei den Senioren. Die gesellschaftlichen Veränderungen spiegeln sich in der Arbeit der Pro Senectute. Seit 30 Jahren ist die Organisation mit einem Büro in der Stadt vor Ort.

In den 90er-Jahren war der Billettautomat das Problem

Raimund Disch ist das Gesicht der Beratungsstelle. Er schaut zurück auf die Anfänge. Pro Senectute war da noch verantwortlich für den Mahlzeitendienst, hat Vorträge organisiert und Seniorenferien angeboten. «Einer der Renner war damals schon die Pensionierungsvorbereitung. Das ist bis heute so geblieben.» Allerdings sei das Angebot der Pro Senectute vor 30 Jahren noch nicht so bekannt gewesen.

In den 90er-Jahren kam das Thema Alzheimer auf und beschäftigte Fachleute wie Angehörige. Es ging aber auch darum, den Leuten zu erklären, wie der Billetautomat der SBB funktioniert. Musikalische Senioren gründen ein Orchester, das es bis heute gibt, und der Mittagstisch wird etabliert. In den Nullerjahren sind Handy und Internet aktuell. Die Senioren wollen die Entwicklung mitmachen und lernen, wie das geht.

Oft geht es ums Geld

Immer komplizierter wird es auch mit den Finanzen. Es wird Hilfe bei der Steuererklärung in Anspruch genommen. Geld ist immer noch ein sehr wichtiges Gesprächsthema in den bis zu 400 Beratungen, die in Kreuzlingen jährlich durchgeführt werden. Vor allem Fragen zu Sozialversicherungen, zum Beispiel Ergänzungsleistungen, werden da geklärt. Aber auch die individuelle Finanzhilfe wird angefragt. «Zum Beispiel, wenn jemand den Umzug ins Heim aus eigener Kraft nicht bewerkstelligen kann», erzählt Raimund Disch.

Insgesamt erreicht Pro Senectute Kreuzlingen mit allen Dienstleistungen gegen 1000 Personen. Noch immer arbeitet die Stiftung mit vielen Freiwilligen zusammen. Raphael Herzog, der Geschäftsführer von Pro Senectute Thurgau, betont, wie wichtig die Nähe zu den Gemeinden und die Zusammenarbeit mit allen Playern im Altersbereich ist.

In Zukunft wird noch mehr gecoacht

Stadtrat Markus Brüllmann bezeichnet das Angebot von Pro Senectute als «wertvolle Ergänzung». Die Stadt habe sich auf die Fahne geschrieben, die Altersarbeit nachhaltig zu verbessern. Im öffentlichen Raum soll ein Platz für soziale Kontakte geschaffen werden. Und auch die steigenden Wohnungspreise seien für ältere Menschen ein Problem.

Raimund Disch beschäftigen aktuell vor allem zwei Themen: «Ich habe Respekt vor den zunehmenden Demenz-Fällen und auch vor versteckten Depressionen.» Mit neuen Angeboten wie dem Coaching zur Lebensgestaltung nach der Pensionierung und dem ambulant begleiteten Wohnen richtet sich die Beratungsstelle auf die Zukunft aus. Auch die soziale Isolation ist eine Herausforderung. «Fakt ist: Wir haben immer mehr komplexe Fälle.»

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