Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Fotografin erlebt den Hiläri in Märstetten als einzige Frau


Am Hiläri-Bürgertrunk war TZ-Fotografin Andrea Stalder als einzige Frau mit dabei. Sie berichtet über Applaus und darüber, dass sie plötzlich zum Fotosujet der Männer wurde.
Sabrina Bächi
TZ-Fotografin Andrea Stalder. (Bild: Reto Martin)

TZ-Fotografin Andrea Stalder. (Bild: Reto Martin)

Andrea Stalder, wie war es als Frau am Bürgertrunk?

Es war sehr speziell. Ich war mir nicht bewusst, dass es für die Männer so eine grosse Sache ist, wenn eine Fotografin auftaucht. Zu Beginn konnte ich mich nicht bewegen, sofort haben alle geschaut. Ich wurde mehrfach fotografiert, was mich sehr irritierte. Dann hat der Bürgerpräsident erklärt, wer ich bin und mich als geschlechtsneutral bezeichnet. Danach war ich wie akzeptiert.

Haben Sie sich auch Sprüche anhören müssen?

Da ich als geschlechtsneutral galt, wurde ich «es» genannt. «Schau, da ist es», oder «es macht ein Foto», haben viele gesagt. Andere fanden, dass ich in meinen Lebenslauf schreiben könne, dass ich am Bürgertrunk gewesen sei. Es gab auch solche, die es gar nicht lustig fanden und damit drohten, das TZ-Abonnement zu künden, weil ich da war.

Weshalb waren Sie irritiert, dass Sie fotografiert wurden?

Ich bin es gewohnt, hinter der Kamera zu stehen. Für mich war es ein Auftrag wie jeder andere. Das haben die Männer ganz anders gesehen. Für sie war ich nur eine Frau. Ich bin es nicht gewohnt, so stark auf mein Geschlecht reduziert zu werden – das habe ich unterschätzt. Aber ich bin vom Typ her nicht zimperlich und konnte gut damit umgehen.

Hat Sie an diesem Abend etwas gestört?

Die Sprüche gegen die Frauen in den Produktionen auf der Bühne. Viele davon waren lustig gemeint. Aber es gab auch einige, die sehr zynisch waren, und das finde ich schade. Denn die Frauen können sich gegen Vorwürfe nicht einmal wehren.

Gab es positive Momente?

Ja, Regierungsrat Walter Schönholzer, der mit mir angestossen und mir das Du angeboten hat. Dass ich so ein Aufreger war, finde ich irgendwie auch herzig.

Was war der komischste Moment?

Als ich rausging, habe ich in den Saal gewunken. Da hat einer nach dem anderen angefangen zu klatschen, bis die ganze Halle applaudierte. Das war sehr eigenartig und speziell – so etwas ist mir noch nie passiert.

Wie erklären Sie sich den Applaus?

Schwierig zu sagen. Einige waren sicher froh, dass ich endlich weg war. Andere fanden vielleicht, dass es auch Mut braucht.

Was ist Ihre Meinung zu dieser Männerveranstaltung?

Ich habe nichts gegen solche Anlässe. Auch blöde Sprüche mag es mal leiden, aber manche waren etwas beleidigend. Das ist schade, denn so wird ein Frauenbild weitergegeben, welches nicht mehr in die heutige Zeit gehört. Zudem haben die Frauen ja gar nichts vom Hiläri, ausser den verkaterten Männern. Aber ich mache ja auch Mädelsabend und gehe mit meinen Kolleginnen einen trinken, wenn ich will. Leben und leben lassen, meine ich. Aber bitte mit Respekt auf beiden Seiten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.