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Fotoausstellung in Weinfelden: Die Welt hinter der Linse

Im Theaterhaus Thurgau ist die Ausstellung «Fotografieren macht Schule» zu sehen. Es sind Bilder von Lehrern, die mit dem Buch Monica Beurers ihren Schülern den richtigen Umgang mit der Kamera zeigen.
Sabrina Bächi
Monica Beurer ist Fotografin und betrachtet die Welt durch ihren Zauberrahmen. (Bild: Andrea Stalder)

Monica Beurer ist Fotografin und betrachtet die Welt durch ihren Zauberrahmen. (Bild: Andrea Stalder)

«Stuhl – wie siehst du aus?» Das fragt sich Monica Beurer, wenn sie einen so simplen Alltagsgegenstand fotografieren will. «Fotografieren ist kommunizieren», sagt sie. Kommunizieren mit dem Gegenüber, mit dem Gegenstand. Es geht darüber hinaus, einfach nur einen schönen Moment festzuhalten. Es ist eine Philosophie. Eine kritische Art, sich mit der Umgebung und mit sich selbst auseinanderzusetzen. Nichts ist falsch beim Fotografieren und alles möglich. Eine unbegrenzte und unglaublich fantasievolle Welt, die Monica Beurer Kindern mit auf den Weg geben möchte.

Dafür hat die ehemalige Primarlehrerin und Fotografin selbst ein Lehrbuch entwickelt. Sie schult Lehrpersonen darin, dieses Lehrmittel auch im Unterricht einzusetzen. Die Lehrer müssen die Aufgaben zuerst selbst lösen und erfahren so, wo die Schwierigkeiten stecken und was die wichtigen Punkte sind, die es den Kindern zu vermitteln gilt. Die Fotos, die in dem Kurs entstanden sind, gibt es nun in einer Ausstellung zu bewundern. Diese kann noch bis zum 21. Juli im Theaterhaus an der Lagerstrasse besichtigt werden.

Den Zauberrahmen immer mit dabei

Prävisualisieren. Das A und O bei der Bildauswahl. «Wenn man Zeigefinger und Daumen beider Hände aufeinanderlegt, hat man immer seinen eigenen kleinen Zauberrahmen dabei, um den perfekten Bildausschnitt zu finden», erklärt Monica Beurer. Das Motiv in der Mitte – langweilig. Etwas mehr vom Raum zeigen, den richtigen Fokus, die Optik wählen, das sei Fotografieren. Das Lehrmittel richtet sich an Kinder zwischen zehn und 14 Jahren. Zu jedem Thema gibt es Erklärungen und Aufgaben. «Sehr einfach ist das Fotografieren mit einem Kaleidoskop vor der Linse.»

Diese Bilder sehen verwinkelt und surreal aus. «Das gelingt jedem Kind und fördert die Motivation.» Zum Thema Optik zeigt die Ausstellung Bilder, bei denen in eine Christbaumkugel fotografiert wurde. Der Blick in die Kugel entspricht der Fisch- augenoptik. Oder bei den Luminogrammen geht es um die Teamarbeit. «Die Aufgabenstellung prägt auch die Einstellung der Fotografen», erklärt Beurer. Wenn man etwas mit der Farbe Gelb suche, dann scheine auf einmal alles Gelb zu sein.

Oder, wenn das Foto über die Wirklichkeit hinausgehe. Etwa ein Apfel mit einer Schraube als Stiel. «Beides ist real, aber in der Kombination wird es eben surreal.» Das sei nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie die Bildsprache das kritische Denken und die Auseinandersetzung mit der Welt fördert. «Das ist auch der Grund, weshalb Fotografieren in der Schule ein so wichtiges Thema ist», sagt sie.

Jedes Foto löst ein Gefühl aus

Seit den 1990er Jahren bis 2006 unterrichtete sie an der heutigen Pädagogischen Hochschule in Zürich und vermittelte dort die Wichtigkeit der Bildsprache den künftigen Lehrpersonen. Über 14 Jahre hat sie nach einem Lehrmittel für die Schule gesucht, bis sie herausfand, dass sie selbst eines machen muss. 2006 kam das Lehrmittel Fotografieren macht Schule auf den Markt. Das Lehrmittel soll eine altersgerechte Umsetzung ermöglichen, das sei zentral. «Es soll Spass machen.»

Nicht zuletzt sei die Fotografie auch etwas ganz Unmittelbares. «Jedes einzelne Foto löst etwas in einem selbst aus und dieses Gefühl ist richtig. Auch wenn es vielleicht nicht dasselbe ist, wie jenes des Nachbarn», erklärt die Fotografin. Es geht darum, die Welt für sich selbst zu entdecken. Und mit der Welt in einen Dialog zu treten. Den Stuhl zu fragen «Wie siehst du aus? Was sagst du mir?» und diesen Standpunkt schliesslich in das Foto zu packen.

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