Fledermäuse kehren in den Kreuzlinger Seeburgpark zurück

Eine besondere Art ist dort noch nicht lange wieder heimisch. Wolf-Dieter Burkhard hat im Rahmen der städtischen Reihe «Natur entdecken» rund ein Dutzend Interessierte mit den Insektenjägern bekannt gemacht. Seit etwa zehn Jahren untersucht das Max-Planck-Institut in Radolfzell die Population im Seeburgpark.

Inka Grabowsky
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Fledermausexperte Wolf-Dieter Burkhard zeigt Baumhöhlen.

Fledermausexperte Wolf-Dieter Burkhard zeigt Baumhöhlen.

Inka Grabowsky

«Als ich 1983 angefangen habe, mich für Fledermäuse zu interessieren, war vieles noch unbekannt», sagt Wolf-Dieter Burkhard, der im Rahmen der städtischen Reihe «Natur entdecken» rund ein Dutzend Interessierte mit den Insektenjägern bekannt macht. Vor 30 Jahren habe der Fledermausschutz im Seeburgpark begonnen, so der 77-Jährige. Damals waren bei der Abholzung einer morschen Weide Tiere im Winterschlaf entdeckt worden. «Danach haben wir die ersten 15 Kästen in die Bäume gehängt.»

Zunächst entdeckten die Tierschützer mit der Rauhautfledermaus und dem Grossen Abendsegler zwei der gängigen Arten. Inzwischen ist bekannt, dass 22 der 30 in der Schweiz bekannten Arten im Thurgau heimisch sind.

60 Kästen mit hölzerner Veranda

Seit etwa zehn Jahren untersucht das Max-Planck-Institut in Radolfzell die Population im Seeburgpark wissenschaftlich. Deshalb sind die mittlerweile 60 Kästen mit einer hölzernen Veranda ausgestattet. Darin verbirgt sich Technik, die Gewicht oder Anzahl der Tiere misst. «Durch Sender wissen wir, wie sie ihren Sommer verbringen. Sie fliegen zu ihren Jagdgründen an Nord- und Ostsee. Erst wenn es dort zu kalt wird, kehren sie an den Bodensee zurück, wo noch Beute zu machen ist.»

In diesem Jahr ist der Zeitplan etwas verschoben. Es braucht diverse Anläufe, bis Burkhard eine Rauhautfledermaus in einem der Kästen findet. Ein Männchen, das früher als die Weibchen in den Park gekommen ist, um eine Höhle zu besetzen und Hof zu halten.

«Die Männchen führen akrobatische Flugübungen auf, setzen Duftdrüsen ein und zirpen, um die Weibchen zu beeindrucken.»

Anders als bei ihren Namensvettern, den Mäusen, ist die Reproduktionsrate bei den Flattertieren gering. Ein, höchstens zwei Junge bekommt eine Fledermaus ab ihrem zweiten Lebensjahr. Und bei weitem nicht jedes Tier übersteht Wanderungen und Winterschlaf. «Dafür werden sie alt.»

Während des Winterschlafs passen Fledermäuse ihre Temperatur an

Umso beeindruckender, wenn man sich die körperlichen Leistungen anschaut. Während des Winterschlafs passt die Fledermaus ihre Temperatur der Umgebung an. Bei vier bis sieben Grad schlägt ihr Herz nur 10- bis 20-mal die Minute. Wenn sie aber auf 38 Grad Betriebstemperatur aufheizt, kommt es bis zu tausend Schläge pro Minute.

Das raubt Energie: Jede Nacht frisst die Fledermaus einen Drittel ihres Körpergewichts. «Jede der etwa tausend Wasserfledermäuse, die bei St. Ulrich hausen, vertilgt pro Nacht 3 bis 4000 Insekten. Allein diese Kolonie räumt einiges ab», sagt Burkhard.