Thurgauer Fitness-Center verärgert Kunden: Trotz Lockdown-Schliessung müssen die Nutzer fürs Abo zahlen

Clever Fit Kreuzlingen schreibt die Lockdown-Zeit nur jenen Mitgliedern gut, die das Jahresabo erneuern. Der Geschäftsführer begründet dieses Vorgehen mit höherer Gewalt.

Martina Eggenberger
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Im Mai konnte das neue Fitnessstudio Clever Fit im Kreuzlinger Einkaufszentrum Seepark eröffnen.

Im Mai konnte das neue Fitnessstudio Clever Fit im Kreuzlinger Einkaufszentrum Seepark eröffnen.

Bild: Andrea Stalder
(Kreuzlingen, 17. August 2020)

Die Betreiber des Fitnesscenters Clever Fit im Einkaufszentrum Seepark hatten Pech. Fast zeitgleich mit dem geplanten Eröffnungstermin des neuen Studios verhängte der Bund aus Seuchenschutzgründen die Schliessung. So kam es, dass einige Kreuzlinger Sportbegeisterte in Besitz eines Abonnements waren, dieses aber erst ab 11. Mai nutzen konnten. Dafür kann Clever Fit nichts.

Was dann aber für Unstimmigkeiten sorgte, war die Kommunikation der Konsequenz des Lockdowns. «Anfangs sagte man mir, mein Abo werde automatisch um die Lockdown-Zeit verlängert», berichtet eine Kundin. Dann krebste das Fitnesscenter zurück. Eine zweimonatige Gutschrift bekommt nur noch, wer das Jahresabo verlängert. Das verärgerte Mitglied sagt:

«Auf dieses Angebot werde ich verzichten.»

Clever Fit bietet seinen Mitgliedern noch zwei andere Varianten an. Erstens den «solidarischen» Verzicht auf jeglichen Ausgleich und zweitens eine zweimonatige Gutschrift für befreundete Neumitglieder.

Geschäftsführer spricht von höherer Gewalt

Clever Fit spricht von einem «freiwilligen und fairen» Angebot seinerseits. Der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Ramsauer verweist darauf, dass es sich bei der behördlichen Anordnung zur Schliessung um höhere Gewalt handle. In solchen Fällen seien Schadensersatzansprüche eigentlich ausgeschlossen.

Die Massnahmen des Bundes hätten für viele Anbieter eine schwierige Zeit bedeutet. Die Corona-Aktion des Studios werde von den Kunden «wohlwollend» angenommen. Wie viele Mitglieder in Kreuzlingen betroffen sind, verrät Clever Fit nicht.

Kulanz

Andere Studios geben Zeitgutschrift

Die Fitnessanbieter auf dem Platz Kreuzlingen kommen ihren Mitgliedern ganz unterschiedlich weit entgegen, was die nicht genutzten Lockdown-Wochen betrifft. Die beiden grossen Ketten Bodystation und Activ Fitness zeigen sich äusserst grosszügig. Bei Bodystation haben alle Mitglieder eine E-Mail mit der Information erhalten, dass sie eine kostenlose Zeitgutschrift erhalten werden – obwohl das Center dies gemäss seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen gar nicht müsste, wie es von den Verantwortlichen heisst. Weil der Group-Fitness-Bereich noch länger als der Geräte-Bereich von den Coronamassnahmen betroffen war, gibt es für die Mitglieder, die Gruppenkurse belegen, sogar noch einen Monat oben drauf. «Wir wollen zufriedene Kunden», betont man bei Bodystation.
Bei Activ Fitness wird ebenfalls automatisch die gesamte Lockdown-Zeit gutgeschrieben. Sprecherin Lilly Sulzbacher sagt: «Und dazu schenken wir unseren Kunden noch sieben zusätzliche Tage, für die Geduld und die Treue.» Angehörige von Risikogruppen erhielten sogar noch weitere 21 gratis Tage. «Die Kunden können ja nichts dafür, dass sie nicht ins Training kommen konnten.»
In einer etwas anderen finanziellen Situation wie die schweizweit aktiven Grossanbieter sind Familienunternehmen wie das Küpfer’s Gym. Chefin Vreni Küpfer erklärt, sie habe ihren Kunden drei Möglichkeiten zur Wahl angeboten. Wer will, kann sich mit dem Studio solidarisch zeigen und auf eine Forderung verzichten. Ein Kompromiss ist eine Zeitgutschrift von vier Wochen. Man könne aber auch auf den vertragsrechtlich zustehenden sieben Wochen Ausgleich bestehen. Vreni Küpfer betont: «Es ist erstaunlich und es freut uns sehr, dass sich ganz viele für die Solidaritätsvariante, die uns Arbeitsplätze sichert, entschieden haben. Ich verstehe aber selbstverständlich auch, wenn das jemand nicht möchte.»