Finanziell war der Wurm drin: Weinfelder Spielgruppe DaZelwurm für fremdsprachige Kinder schliesst

Damit fremdsprachige Kinder besser integriert sind, hat vor vier Jahren die Spielgruppe DaZelwurm den Betrieb aufgenommen. Doch nun schliesst sie. Das hat mehrere Gründe.

Sabrina Bächi
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Ab dem Sommer gibt es keine Spielgruppe mehr, in der fremdsprachige Kinder separat unterrichtet werden.

Ab dem Sommer gibt es keine Spielgruppe mehr, in der fremdsprachige Kinder separat unterrichtet werden.

(Bild: Donato Caspari)

Im Moment gibt es noch Leben im alten Feuerwehrdepot an der Bankstrasse. Zumindest sind einige Fenster noch verziert und weisen darauf hin, dass normalerweise Spielgruppe dort stattfindet. Aber eine aussergewöhnliche. An der Bankstrasse ist nämlich die Spielgruppe DaZelwurm zu Hause.

Dieses Wortspiel leitet sich von der Abkürzung DaZ, also Deutsch als Zweitsprache, ab. In den DaZelwurm gehen nur Kinder, die Deutsch nicht als Muttersprache haben. Mit viel Feingefühl und Initiative hat vor vier Jahren ein Mutter-Tochter-Gespann den DaZelwurm gegründet und geführt. Vor einem Jahr wurde er umstrukturiert und Angela Testa wurde Präsidentin.

Vor allem die Finanzierung machte dem DaZelwurm zu schaffen. «Deshalb mussten wir uns neuorientieren», sagt Angela Testa. Die DaZelwurm-Präsidentin setzte sich mit den anderen beiden Weinfelder Spielgruppen und Vertretern der Stadt zusammen. Das Ergebnis: Der DaZelwurm schliesst im Sommer. Der Verein wird aufgelöst.

Fremdsprachige Kinder müssen auch die Gepflogenheiten lernen

Was zunächst nach einer schlechten Lösung klingt, ist nur ein Teil der Geschichte. Denn alle Beteiligten sind sich einig: Für fremdsprachige Kinder ist der Umgang mit der deutschen Sprache sehr wichtig – und dies so früh als möglich. Testa sagt:

Angela Testa, Präsidentin DaZelwurm Weinfelden

Angela Testa, Präsidentin DaZelwurm Weinfelden

(Bild: PD)
«Kinder, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben, können nicht nur unsere Sprache nicht, sie sind auch anders sozialisiert.»

Im DaZelwurm lernen die Kinder deshalb auch, wie man spielt, dass man sich mit Handzeichen melden muss oder etwa im Kreis still sitzt. «So werden sie optimal auf den Kindergarten vorbereitet.»

Zudem erleichtere es die Sprache auch, im Kindergarten schneller Freunde zu finden und besser integriert zu sein.

Stadt finanziert die Sprachförderung

«Es ist erwiesen, dass ein investierter Franken nirgends so viel bringt, wie in der frühen Förderung», sagt Roger Häfner-Neubauer, Leiter der Einwohnerdienste. Zusammen mit Stadträtin Ursi Senn-Bieri hat er sich um das Fortbestehen eines DaZ-Angebots für Spielgruppenkinder eingesetzt. Schliesslich hätten die Spielgruppen selbst eine Lösung vorgeschlagen.

Alle Kinder, ob deutschsprachig oder nicht, gehen in die gleiche Spielgruppe. Zusätzlich wird aber eine ausgebildete DaZ-Lehrperson vor Ort sein und fremdsprachige Kinder spielerisch in deutscher Sprache unterrichten. Diese Lehrperson wird von der Stadt finanziert.

Am besten zwei Mal die Woche in die Spielgruppe

Es wird entsprechend von einem separativen zu einem integrativen Lernumfeld gewechselt. «Das heisst, statt die fremdsprachigen Kinder separat in die Spielgruppe zu schicken, gehen sie bereits als Dreijährige mit ihren künftigen Gspändli in die Spielgruppe», erklärt Angela Testa das Vorgehen.

Damit die Kinder genügend oft mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen, ist vorgesehen, dass diese zweimal wöchentlich in der Spielgruppe sind. Das hänge jedoch von den Anmeldungen ab. Roger Häfner-Neubauer meint aber:

Roger Häfner-Neubauer, Leiter Einwohnerdienste Weinfelden

Roger Häfner-Neubauer, Leiter Einwohnerdienste Weinfelden

(Bild: Mario Testa)
«Das DaZ-Projekt auf Stufe Spielgruppe ist für die Stadt sehr wichtig. Denn es geht um Chancengerechtigkeit in der Sprache und um soziales Lernen.»

Erste Rückmeldungen aus dem Kindergarten zeigten nämlich, dass der DaZelwurm als Erfolg bezeichnet werden kann. Und wie läuft das mit dem Schweizerdeutsch? «Die DaZ-Lehrperson spricht nur Hochdeutsch, die Spielgruppenleiterin dafür nur im Dialekt», erläutert Angela Testa.