Feuer für Frauenpower: Weinfelderinnen gründen Gruppe für mehr Frauen in der Politik

Sechs Weinfelder Politikerinnen haben eine überparteiliche Gruppe gegründet, um das Interesse von Frauen für die Lokalpolitik zu wecken.

Sabrina Bächi
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Die überparteiliche Gruppe von Weinfelder Politikerinnen: Dominique Bornhauser (FDP), Anna Kradolfer (GLP), Claudia Bieg (SP), Stadträtin Ursi Senn (SP), Elsi Bärlocher (SVP), Nicole Van Rooijen (CVP)

Die überparteiliche Gruppe von Weinfelder Politikerinnen: Dominique Bornhauser (FDP), Anna Kradolfer (GLP), Claudia Bieg (SP), Stadträtin Ursi Senn (SP), Elsi Bärlocher (SVP), Nicole Van Rooijen (CVP)

Bild: Andrea Stalder
(Weinfelden 30. September 2020)

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Was vielfach als Floskel abgedroschen klingen mag, trifft hier ins Schwarze – und ist gewollt. Die sechs Weinfelder Frauen Nicole Van Rooijen, Elsi Bärlocher, Ursi Senn, Anna Kradolfer, Dominique Bornhauser und Claudia Bieg sind unterschiedlichen Alters, haben unterschiedliche Berufe und gehören unterschiedlichen Parteien an.

Aber eines haben sie gemeinsam: Das Feuer. Es brennt für die Sache der Frauen. Ganz egal, welche politischen Ansichten sie vertreten, es ist ihr gemeinsames Anliegen, sich für mehr Frauen in der Politik zu engagieren. Claudia Bieg (SP) sagt:

«Angefangen hat alles mit den Parlamentswahlen im März 2019.»

Sie habe ihren Augen nicht trauen können, als sie sah, wie wenig Frauen gewählt wurden, sagt die amtierende Stadtparlamentspräsidentin. Für sie und auch die anderen fünf war klar: «daran müssen wir etwas ändern.»

Motivation zur politischen Arbeit

So entstand die Gruppe «Frauen für Weinfelden». Ihr Ziel ist es, den Frauenanteil in Behörden und Vorständen zu erhöhen. «Es geht aber nicht darum, dass man dann gleich ein Präsidium übernehmen muss», sagt Elsi Bärlocher (SVP). Vielmehr hoffen sie, Frauen für die politische Arbeit zu motivieren und ihr Interesse zu wecken.

Erreichen wollen sie dies mittels Durchführung verschiedener Anlässe. «Es sollen ungezwungene Anlässe sein, an denen übrigens auch Männer herzlich willkommen sind», sagt Stadträtin Ursi Senn (SP). Als erstes haben die sechs Weinfelderinnen einen Kick-off-Event geplant. Dominique Bornhauser (FDP) sagt:

«Danach gibt es in regelmässigen Abständen weitere Anlässe.»

Diese Veranstaltungsreihe haben die Weinfelderinnen «Wir reden mit» getauft. Die Doppeldeutigkeit soll erstens das politische Engagement betonen und zweitens darauf aufmerksam machen, dass jeweils ein Gast vor Ort ist, mit dem diskutiert werden kann.

Für das Projekt «Frauen für Weinfelden» haben die Politikerinnen bisher viele Gespräche geführt, sechs Sitzungen abgehalten und sich mit der Frauenförder-Organisation «Helvetia ruft» ausgetauscht. «Dieses Treffen war sehr wertvoll», sagt Bieg. Sie hätten ihr Konzept anschliessend noch klarer formulieren können und viele Ideen erhalten. Seit Kurzem sind sie nun auch auf Facebook präsent, Instagram soll folgen. «Wir kommen mit der geballten Ladung», sagt Bärlocher. Denn sie meinen es ernst.

Sechs Frauen gründen ein überparteiliches Komitee um mehr Frauen in die Politik zu bringen.

Sechs Frauen gründen ein überparteiliches Komitee um mehr Frauen in die Politik zu bringen.

Bild: Andrea Stalder

Frauen auf dem Ersatzplatz

Alle kennen nämlich das Problem, dass sich Frauen nicht getrauen, politisch tätig zu sein oder gar für das Parlament zu kandidieren. «Nach den Parlamentswahlen hat sich gezeigt, dass fast überall auf dem ersten Ersatzplatz eine Frau steht», sagt Nicole Van Rooijen (CVP).

Deshalb sei es von Vorteil, dass sie als Gruppe so breit aufgestellt seien. Von 25 bis 67 geht die Altersspanne, alle Parteien sind vertreten. Die Weinfelder Frauen sollen reinwachsen, sich überlegen, wo sie sich wohl fühlen, mit welcher Partei sie sich identifizieren können.

Und vielleicht, so die Hoffnung, brennt das Feuer bald auch in anderen Herzen. Aber der Weg sei noch weit. «Es ist ein Marathonlauf, dass wissen wir», sagt Van Rooijen. «Es ist ein grundsätzliches Problem in der Gesellschaft, dass Frauen politisch zu wenig aktiv sind», sagt Anna Kradolfer (GLP). Doch das Miteinander in der Gruppe gebe ihnen viel Motivation und nähre das Feuer, andere Frauen zu motivieren.

Startschuss mit einem Kinoabend

Der Film soll zeigen was Frauen bewirken können

Als Kick-off-Event haben die sechs Frauen am 20. Oktober einen Kinoabend im Liberty Cinema Weinfelden geplant. Gezeigt wird der Film «Die Berufung», der das Leben der kürzlich verstorbenen Richterin aus den USA, Ruth Bader Ginsburg, beleuchtet. Es soll ein inspirierender Film sein, der aufzeigt, was Frauen in der Gesellschaft bewirken können, erläutern die sechs Weinfelderinnen die Filmwahl.

Der Anlass beginnt um 19.30 Uhr mit einem Apéro, die Teilnahme kostet fünf Franken. Der erste Anlass aus der Veranstaltungsreihe «Wir reden mit» findet im November statt. Als Gäste laden die Politikerinnen Frauen und Männer ein. Eine Zusage gibt es bereits: Verena Wüthrich-Peter von der Infostelle Frau und Arbeit.