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Fernsehjournalistin Henriette Engbersen hat einen holländischem Pass und outet sich an der Bundesfeier in Romanshorn als ‹«fast kitschige Patriotin»

Die Romanshornerin hat die Schweiz in England noch mehr lieben gelernt. Auch wegen einer WC-Reparatur.
Markus Schoch
Henriette Engbersen im Gespräch mit dem Romanshorner Stadtpräsidenten Roger Martin. (Bild: Reto Martin)

Henriette Engbersen im Gespräch mit dem Romanshorner Stadtpräsidenten Roger Martin. (Bild: Reto Martin)

Sie ist zwar keine Schweizerin, sondern Holländerin. Und trotzdem hat Henriette Engbersen das Land noch mehr lieben gelernt, in das sie mit ihren Eltern 1982 gekommen ist, seit sie als Korrespondentin des Schweizer Fernsehens in London lebt. Man lerne Dinge erst dann richtig schätzen, wenn man weg sei und sie nicht mehr habe, sagte die Romanshornerin an der Bundesfeier am Donnerstagvormittag in der voll besetzten katholischen Kirche. «Ich bin zur fast kitschigen Patriotin geworden», bekannte die Fernsehjournalistin.

So habe sie in England erkannt, wie grossartig das duale Bildungssystem der Schweiz sei, «dem wir Sorgen tragen müssen». In Grossbritannien gebe es praktisch keine Lehrstellen. Wer es im Leben zu etwas bringen wolle, müsse studieren. Doch das sei teuer, und längst nicht alle könnten sich die Uni leisten. «Es existiert deshalb keine Chancengleichheit wie in der Schweiz.» Der Graben zwischen Arm und Reich sei tief.

Ein Lob den Handwerkern

Handwerker hätten in ihrer neuen Heimat kein hohes Ansehen. Und so würden sie auch ihre Arbeit machen. Als das WC in ihrer Wohnung kaputt gewesen sei, habe sie den Klempner dreimal gerufen.

«Es ist jedes Mal nur schlimmer geworden.»

Schliesslich habe sie es aufgegeben. In der Schweiz werfe sie jetzt jedem Handwerker ein Lächeln zu, wenn ihr einer begegne.

Doch es sei nicht alles schlecht auf der Insel. Es gebe auch Menschen, an denen sich die Schweizer ein Vorbild nehmen könnten. An einem Bürgermeister in einer kleinen Landgemeinde beispielsweise, der sich vom Sparprogramm der Zentralregierung nicht unterkriegen lassen habe. Mit freiwilligen Helfern zusammen habe er es geschafft, dass in seinem Ort weiter ein Bus fährt, die Post einen Schalter hat und die Bibliothek noch immer offen ist. «Dieser Bürgermeister war eine Inspiration für mich», sagte Engbersen.

Werden wir zum Wilhelm Tell im Quartier

Genau solche Menschen brauche es, auch in Romanshorn, sagte Stadtpräsident Roger Martin in seinem ersten öffentlichen Auftritt. «Werden wir zum Wilhelm Tell im Quartier, zum Winkelried im Wohnblock.» Die Welt im Grossen und im Kleinen verändere sich nur zum Guten, wenn jeder und jede in seinem unmittelbaren Umfeld damit beginne und seinen Teil dazu beitrage.

Daran zu erinnern, sei für ihn der tiefere Sinn des 1. Augustes.

«Es geht um Gemeinschaft, Zusammenhalt und Identität.»

Froh und dankbar sei er deshalb unter anderem, dass sich der Musikverein einmal mehr bereit erklärt habe, die Feier musikalisch zu umrahmen. Und viele andere im Hintergrund geholfen hätten.

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