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Ralph Näfs Familien-Wohnmobil dient im Weltcup als Teambus

Der frühere Weltklasse-Mountainbiker Ralph Näf hat auch als sportlicher Leiter und Teambesitzer hohe Ziele. Um an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zu reüssieren, hilft der Thurgauer, wo er nur kann.
Urs Huwyler
Ralph Näf (rechts) und Physiotherapeut Tobias Hollenstein schleppen am Rande des Weltcups in Albstadt Ersatzräder und Rollen. (Bild: Urs Huwyler)

Ralph Näf (rechts) und Physiotherapeut Tobias Hollenstein schleppen am Rande des Weltcups in Albstadt Ersatzräder und Rollen. (Bild: Urs Huwyler)

Der Fokus der Schweizer Zuschauer richtete sich im Weltcup-Rennen vom vergangenen Wochenende nicht nur auf die Stars Nino Schurter und Jolanda Neff. Auch Ralph Näf stand wieder einmal im Fokus – nicht mehr als Fahrer, sondern als Teambesitzer. Die Anspannung war dem mehrfachen Weltmeister und Olympioniken im deutschen Albstadt, nur zwei Autostunden von seinem Wohnort Happerswil entfernt, anzusehen. Nach den Erfolgen in den Vorbereitungsrennen musste sich sein Team «Thömus/RN Racing» erstmals in einem Weltcup auf europäischem Boden bewähren.

Es resultierten die Ränge vier durch die 22-jährige, ehemalige Junioren-Weltmeisterin Alessandra Keller sowie Platz sechs durch den Olympia-Sechsten Matthias Flückiger, dessen älterer Bruder Lukas als Achter ebenfalls in die ersten zehn Top fuhr. Eliminator-Weltmeisterin Kathrin Stirne­mann musste nach einem Sturz mit gebrochenem Rahmen aufgeben. «Wir dürfen zufrieden sein», resümierte Ralph Näf, «wir haben uns gegenüber dem Weltcup-Auftakt in Südafrika gesteigert».

«Ich habe meinen Fahrern versprochen, das Projekt bis zu Olympia 2020 durchzuziehen»

Matthias Flückiger lag sogar in Führung, ehe ihn ein Reifendefekt zurückwarf. Alessandra Keller büsste auf der letzten Runde zwei Ränge ein. Ein noch besseres Ergebnis wäre also durchaus möglich gewesen. «Albstadt hat gezeigt, welches Potenzial in der Gruppe steckt», sagt der sportliche Leiter und Besitzer des Teams «Thömus/RN Racing». Das sei für den weiteren Saisonverlauf wichtig, weil motivierend, so der Thurgauer.

Im Herbst 2017 schien es, als müssten sich seine Fahrer auf Team-Suche begeben. Stöckli und Radon hatten sich nach nur einem Jahr zurückgezogen. Doch der gelernte Maurer Näf kämpfte sich schon als Aktiver durch, schaffte es ohne Lobby an die Weltspitze. 2008 selektionierte ihn Swiss Olympic als WM-Zweiten und WM-Dritten während der Selektionsphase nicht für die Olympischen Spiele in Peking. Eine Woche danach gewann er die Olympia-Revanche. Der dreifache Familienvater ist sich gewohnt, nicht auf andere zu hoffen, sondern die Dinge selber anzupacken.

«Ich habe meinen Fahrern 2016 versprochen, das Projekt bis zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 durchzuziehen», sagte Näf jeweils, wenn er auf die unsichere Zukunft angesprochen wurde. Trotz schwieriger Sponsorensuche lehnten seine Athleten lukrative Angebote anderer Sportgruppen ab, wollten trotz Lohneinbussen mit dem Ostschweizer weiter zusammenarbeiten. Die Athleten finanzieren sich teilweise selbst, um bei «Thömus/RN Racing» fahren zu können. Daneben interessierten sich in- und ausländische Topleute für einen Wechsel zum Team des Thurgauers. Näf hätte locker zehn Fahrer zum Selbstkostenpreis verpflichten können. Aber dann hätten deutlich mehr Sponsoren einsteigen müssen.

Familiäre Atmosphäre innerhalb des Teams behagt den Athleten

«Für eine neue Mannschaft ist es schwierig, Geldgeber zu finden», erkannte Ralph Näf schon in den beiden Jahren zuvor. Obwohl der Mountainbike-Sport boome und drei Weltmeister sowie ein WM-Zweiter bei ihm unter Vertrag stünden. Im Berner Bike-Hersteller «Thömus» fand der Hobby-Motocross-Fahrer schliesslich einen Schweizer Partner. Die Buchstaben «RN» im Team-Namen stehen für «Ralph Näf Racing GmbH». Der Happerswiler ist nicht nur sportlicher Leiter, sondern auch Besitzer des Teams.

Mit einem kleinen Budget das Maximum herausholen: So lautet die Vorgabe. Um Kosten zu sparen, chauffiert Näf den familieneigenen Camper als Team-Fahrzeug, schleppt Ersatzräder, plant und organisiert. Seine Ehefrau Conny kocht, den Physiotherapeuten Tobias Hollenstein von der Orthopädie St. Gallen kennt er aus dem Micarna-Team, und bei Bedarf springt – wie in Albstadt – der frühere Profi Martin Gujan als Mechaniker ein. Es ist auch die familiäre Atmosphäre, die den Athleten behagt.

Heim-WM soll Sponsoren anlocken

An der Heim-Weltmeisterschaft vom 5. bis 9. September in der Lenzerheide gehören Matthias Flückiger und bei den U23 Alessandra Keller von Thömus/RN-Racing-Team zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter. Doch Teambesitzer Ralph Näf hofft nicht nur auf den sportlichen Erfolg. «Die WM ist für uns auch im Hinblick der Erschliessung neuer Geldquellen wichtig», sagt der Thurgauer. «Vielleicht zeigt der eine oder andere Sponsor Interesse. Er würde sich in einem funktionierenden Team mit Perspektiven engagieren.» Dabei gehe es nicht zwingend nur um sechsstellige Summen. (uhu)

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