Facebookaufruf rettet Rehkitze in Berg

An Auffahrt suchten 60 Freiwillige in den hohen Grasweiden nach Rehkitzen. So konnten sie vor der Mähmaschine gerettet werden.

Petra Gruber
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Eines der drei geretteten Rehkitze. (Bild: Petra Gruber)

Eines der drei geretteten Rehkitze. (Bild: Petra Gruber)

Ein Facebook-Aufruf führte rund 60 Freiwillige an Auffahrt zusammen. Ihr Ziel: Die Rettung von Rehkitzen, die sich im hohen Gras verstecken. «Meine Frau hatte die Idee mit dem Facebook-Aufruf», sagt Hansruedi Gubler, Förster und Betriebsleiter vom Forstrevier Mittelthurgau.

Es kamen jung und alt, kleine Kinder, grosse Männer, alle mit dem Ziel, die Rehkitz vor dem elenden Tod durch den Grasmäher zu bewahren. Die Aktion war gut organisiert, drei Gruppen suchten mehrere Wiesenflächen ab.

Wehrlose Jungtiere verharren im Gras

Eine Gruppe ist mit Jäger Günter Thoma unterwegs. «Wenn die Rehkitz klein sind, sind sie drei Wochen geruchlos und somit vor Raubtieren geschützt, wenn die Mutter das Kitz im hohen Gras ablegt.» erklärt er. «Leider sind sie auch total wehrlos, wenn eine Maschine auf das Versteck zurollt. Sie rennen nicht weg, sondern machen sich ganz klein und bleiben liegen.»

Für jeden Bauer ein Horror, aber es sei halt unmöglich, die Wiesen vorher alleine abzusuchen.

«Ein angefahrenes Kitz schreit und ist ein erbärmlicher Anblick, der einem das Herz bricht, kein Bauer oder Jäger wünscht sich so etwas.»

Die fast dreissig Helfer stellen sich am Waldrand auf, verbunden mit einem Seil, damit der Abstand eingehalten werden kann. So durchstreifen sie das Gras. Nach einer halben Stunde kommt der Ruf «Kitz». Es ist eines, das schon etwas grösser ist und ein paar Meter davonrennt und sich im Gras duckt.

Nächstes Jahr noch einmal

Es wird in den nahe gelegenen Wald getragen. Dabei schreit das Kleine nach seiner Mutter, die gleich über die Wiese gerannt kommt. «Die Rehkitz bleiben im Wald mit der Mutter und der Bauer kann nun in aller Ruhe das Gras schneiden», sagt Günter Thoma.

Im Verlauf des Morgens findet die Gruppe drei Rehkitz. Insgesamt konnten in den fast vier Stunden zwölf Rehkitz gerettet werden.

Im nächsten Jahr soll die Reh-Rettung mit Freiwilligen wieder durchgeführt werden. Vorsorglich wurde eine Whatsapp-Gruppe gegründet, um schneller auf die Leute zugreifen zu können. Denn der Aufwand, da sind sich die Organisatoren und die Freiwilligen einig, hat sich gelohnt.

Drohnen retten in Innerrhoden bereits 59 Rehkitze

In Appenzell Innerrhoden sind während der Heusaison vier Drohen im Einsatz. Sie können im hohen Gras versteckte Tiere orten. Der Erfolg übertrifft die Erwartungen: Innert weniger Tage wurden bereits 59 Rehkitze rechtzeitig entdeckt.