Ex-Präsidentin will Nachfolger stürzen: Kampfwahl ums Präsidium der evangelischen Kirche Kreuzlingen

Susanne Dschulnigg und Thomas Leuch bekamen an der Podiumsveranstaltung vom Donnerstagabend keine Gelegenheit zum Disput.

Martina Eggenberger Lenz
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Die Kandidaten für die Vorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen (v.l.): Walter Studer, Susanne Dschulnigg , Heinz Lanz, Anke Rieche, Ron Neely und Thomas Leuch. Auf dem Bild fehlen Michael Scheuss, Bettina-Simone Härle und Burghard Von Sondern.

Die Kandidaten für die Vorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen (v.l.): Walter Studer, Susanne Dschulnigg , Heinz Lanz, Anke Rieche, Ron Neely und Thomas Leuch. Auf dem Bild fehlen Michael Scheuss, Bettina-Simone Härle und Burghard Von Sondern.

(Bild: Reto Martin)

An dieser Podiumsveranstaltung wurde die Konfrontation vermieden. Am Donnerstagabend lud die Evangelische Kirchgemeinde Kreuzlingen zur Präsentation der Kandidaten für die Vorsteherschaft ein. Von acht Mitgliedern treten drei zurück. Vier bisherige und drei neue Personen kandidieren, ein Sitz bleibt vakant.

Die Ausgangslage für die Bewerber ist also erfolgversprechend. Spannend wird es bei der Frage, wer das Präsidium bekleiden soll: der amtierende Präsident Thomas Leuch oder seine Vorgängerin Susanne Dschulnigg. Moderator Christian Lohr forderte gleich zu Beginn der Veranstaltung eine «anständige Diskussion» und stellte beiden nur wenige Fragen. Dementsprechend hatten die Kontrahenten auch kaum Möglichkeiten, sich zu profilieren.

Kommunikation war zuletzt ein Knackpunkt

Thomas Leuch bekam die Möglichkeit zu einem Rückblick auf seine vier Präsidiumsjahre. Er zählte auf, was im personellen Bereich alles gelaufen war und sagte, dass man die Struktur und Kultur der Kirchgemeinde «anschaue». Aufgrund der Arbeitsbelastung sei die Entwicklung der Gemeinde etwas zu kurz gekommen. Susanne Dschulnigg kritisierte die aus ihrer Sicht mangelhafte Informationspolitik des Präsidenten. Die Kirchgemeinde brauche eine starke Führung.

Sie erwähnte das erarbeitete theologische Leitbild, das zum «Papier» verkommen und aus dem ein ihr wichtiger Satz zum Recht auf sexuelle Selbstfindung gestrichen worden sei. Leuch erklärte hierzu, die Vorsteherschaft habe mit dem Leitbild nichts zu tun gehabt. Dieses stamme aus der Feder der Theologen. «Bei uns wird aber sicher niemand ausgeschlossen.»

Während die Ex-Präsidentin erklärte, das Kirchgemeindehaus sei ein Thema, das angegangen werden müsse, blieb Leuch diesbezüglich vage. Er sprach lediglich davon, dass sich die Kirche «im Zentrum entfalten» und die Begegnung fördern müsse. Dschulnigg hingegen betonte, die Kirche müsse sich als Teil der Gesellschaft aktiv um alle Milieus kümmern und «zu den Leuten» gehen. Leuch meinte, die Kirchgemeinde stecke zwischen Aufbruch und Resignation. Es sei schwierig, alle Arbeitsbereiche miteinander zu verbinden.

Kritiker will Verantwortung übernehmen

Für die Vorsteherschaft kandidieren Heinz Lanz, Michael Scheuss, Anke Rieche und Ron Neely wieder. Letztere zwei sind erst seit einem halben Jahr im Amt. Neu mitwirken wollen Bettina-Simone Härle und Burghard Von Sondern. Härle war krankheitsbedingt abwesend. Von Sondern sagte, die Kirche müsse zu den Leuten, aber auch umgekehrt. Deshalb brauche es ein Gebäude für Begegnungen.

Neu kandidiert auch einer der grössten Kritiker der Behörde, Walter Studer. Er betonte, die Kirche müsse mehr neue Kommunikationskanäle nutzen. Zudem wolle er in Menschen investieren, nicht in Steine. Er übernehme Verantwortung nach seinem Nein zur Sanierung des Kirchgemeindehauses.

Die Wahlen finden am 15. März statt. Wählen kann man brieflich oder an der Wahlurne nach dem Sonntagsgottesdienst.

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