EVP lädt zu Filmabend über Prostitution ein

Die Besucher waren erschüttert.

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Eva Messmer gibt Auskunft zum Thema.

Eva Messmer gibt Auskunft zum Thema.

PD

(red.) Tiefe Betroffenheit zeigten die 40 Gäste in der Aula das Schulhauses Rebsamen in Romanshorn am Mittwoch. Was mit «Filmabend Nefarious» überschrieben war, entpuppte sich als erschütternden Einblick in die moderne, menschenverachtende Sklaverei der Sexindustrie. «Dass es so schlimm ist und so verheerende Ausmasse hat, hätte ich nie gedacht», sagten mehrere Besucher. «Man» weiss, dass in Osteuropa Waisenkinder in die Prostitution gelockt und gezwungen werden. Thailand und Kambodscha sind bekannt für den Sex-Tourismus. Dass es aber nicht in erster Linie die Armut ist, die dazu führt, dass Mädchen missbraucht werden, sondern dass es in verschiedenen Gebieten «normal» geworden ist, dass Eltern ihre Mädchen verkaufen, um sich den teureren Fernseher kaufen zu können, bewegte alle.

Und gleichzeitig blieben Grundsätze von Schweden hängen:

«Solange Prostitution akzeptiert wird, ist keine echte Gleichberechtigung möglich. Denn durch die Prostitution wird akzeptiert, dass Frauen in existenzieller Art und Weise der Willen gebrochen, die Ehre geraubt wird, sie Menschen zweiter Klasse sind.»

Genau das geschieht direkt vor unserer Haustüre, wie Eva Messmer als Gründerin von «Blossom» und ihr Team im Anschluss an den Film berichteten: «Mit unserem seelsorgerlichen Besuchsdienst in Bordellen und Clubs des Kantons Thurgau erreichen wir zur Zeit etwa 150 Frauen, vielleicht zwei davon sind Schweizerinnen. Etwa einmal im Jahr gelingt es, eine Frau beim Ausstieg aus der Prostitution zu begleiten. In der Regel gehen wir vorbei, versuchen die Frauen echt wahrzunehmen und bringen ihnen ein kleines Geschenk mit einer persönlichen Note.» Sie begegnen zum Teil Frauen, die zugedröhnt sind, weil sie sonst ihre «Arbeit» nicht aushalten würden.

Ernüchtert berichtete EVP-Kantonsrätin Doris Günter, die den Abend moderierte, wie wenig Reaktionen sie erfährt in ihrem Umfeld. «In der Schweiz ist man beinahe stolz auf die mehr oder weniger legale Arbeit der Sexarbeiterinnen.» (red)