Eufonist Linus Tschopp ist so erfolgreich, wie kein anderer Thurgauer vor ihm

Der 19-Jährige aus Sulgen hat das Finale des «Prix Musique» erreicht. Es ist die Krönung junger Blasmusiktalente.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Linus Tschopp mit seinem Eufonium auf dem elterlichen Bauernhof in Sulgen.

Linus Tschopp mit seinem Eufonium auf dem elterlichen Bauernhof in Sulgen.

Bild: Yvonne Aldrovandi

«Gerechnet habe ich nicht damit, aber gehofft», sagt Linus Tschopp mit einem dankbaren Lächeln. Dem 19-Jährigen ist gelungen, wovon viele Solisten nur träumen können – es ist die Krönung junger Blasmusiktalente. Linus Tschopp aus Sulgen hat mit seinem Selbstwahlstück, vorgetragen auf seinem Eufonium, das diesjährige Finale des «Prix Musique» erreicht. Diese ausserordentliche Leistung ist zuvor noch keinem Thurgauer Instrumentalisten gelungen. In sein zeitintensives Hobby steckt der Zimmermannslehrling viel Herzblut und Leidenschaft.

Für den Sieg hat es ihm nicht ganz gereicht. Linus Tschopp ist dennoch zufrieden mit dem Ergebnis – schliesslich erreichen nur fünf Musiker das Finale. Das Preisgeld von 300 Franken sei ein willkommener Zustupf für seine Klavierbegleitung – diese muss jeder Teilnehmende selber finanzieren.

Aus der Ostschweiz jeweils nur ein bis drei Teilnehmer

Tschopp erzählt vom Wettbewerbstag in Aarau: «Am 15. August fanden dort gleichentags die Vorrunde wie auch das Finale des ‹Prix Musique› statt.» Aufgrund der Coronapandemie sei der Wettbewerbsablauf allerdings angepasst worden. Denn normalerweise finden Vorrunde und Final nicht an demselben Tag und an zwei verschiedenen Austragungsorten statt. «Diesmal wurde auch ohne Orchesterbegleitung gespielt. Ursprünglich wäre das Finalkonzert 2020 mit dem Symphonischen Blasorchester des Schweizer Armeespiels in Lausanne geplant gewesen. Nun ist das Finalkonzert 2021 in Lausanne vorgesehen.»

Der «Prix Musique» ist die wichtigste Auszeichnung für junge Solistinnen und Solisten in der Schweiz. Linus Tschopp erklärt:

«Es ist eigentlich der Wettbewerb der Gewinner.»

Durch die erfolgreiche Finalteilnahme am Ostschweizer Solisten- und Ensemblewettbewerb in der Kategorie Blechblasinstrumente in Sirnach vor einem Jahr, konnte sich Linus Tschopp für die Teilnahme am «Prix Musique» qualifizieren. Denn dieser steht nur Siegern von regionalen und kantonalen Solistenwettbewerben offen, an denen in der Regel insgesamt etwa 5000 junge Musikanten teilnehmen. Das Instrumentarium der Teilnehmenden reicht von verschiedenen Blas- bis hin zu Schlaginstrumenten, sogenannte Perkussionsinstrumente. Für die Teilnahme am «Prix Musique» – organisiert vom Schweizer Blasmusikverband und vom Kompetenzzentrum Militärmusik – werden insgesamt etwa 20 Teilnehmende aus der ganzen Schweiz nominiert. «Aus der Region Ostschweiz sind es jeweils ein bis drei Teilnehmer», bemerkt der Sulger.

Der Nervositätspegel stieg merklich an

Linus Tschopp hat mit seinem Musiklehrer Fredi Sonderegger aus Scherzingen im vergangenen Herbst das Vortragsstück ausgesucht. Entschieden hat er sich für «Concert Variations» des Amerikaners Jan Bach – für Eufonium und Piano. «Mit dem Selbstwahlstück wollte ich etwas Neues lernen – aber auch etwas spielen, worin ich meine eigenen Stärken sehe», sagt Tschopp. In wöchentlichen intensiven Musikstunden hat das Blasmusiktalent das Solo erarbeitet und parallel dazu mit einer Pianistin geübt. Denn in der Qualifikationsrunde werden die Vorträge der Bläser auf einem Flügel begleitet.

Grundsätzlich ist Linus Tschopp vor solchen Auftritten nicht nervös. Der Nervositätspegel sei jedoch vor der Vorführung in Aarau merklich angestiegen. Doch dieser habe sich beim Vorspielen schnell gelegt.

«Ich habe mich voll und ganz auf das Musikstück konzentriert, das 16 Minuten gedauert hat.»

Linus Tschopp konnte die Jury überzeugen, die aus ausgewiesenen Fachleuten aus dem In- und Ausland besteht.

Und woher kommt die Freude und Begeisterung an der Blasmusik? «Zum einen begeistern mich die Emotionen beim Musizieren. Zum anderen sind das Spiel im Orchester und die damit verbundenen Erlebnisse eine grosse Freude. Dazu spielen meine Mutter und meine drei Brüder in der Musikgesellschaft Sulgen. Meine Mutter Barbara spielt Klarinette, Damian Posaune, Silvan Waldhorn und Dionys Trompete.» Linus Tschopp ist mit seinem Eufonium ebenfalls Aktivmitglied der Musikgesellschaft Sulgen sowie der Liberty Brass Band Ostschweiz und der Jugendmusik Kreuzlingen. Wöchentlich seien es für ihn rund zehn bis 15 Stunden Probenaufwand.

Im nächsten Sommer wird Tschopp seine vierjährige Ausbildung als Zimmermann abschliessen. Der Musiker sagt:

«Mein Ziel ist es, anschliessend im Rekrutenspiel der Schweizerischen Militärmusik während 18 Wochen ausgebildet zu werden.»

Die Blasmusik werde ihn ganz bestimmt auch künftig immer begleiten und er wolle dieses Hobby weiterhin auf anspruchsvollem Niveau ausüben, aber wohl kaum auf professioneller Ebene. Linus Tschopp schaut auf die Uhr und macht sich auf den Weg. Eine Musikprobe steht auf dem Programm.