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Eskalation auf einem Kreuzlinger Veloweg: Ein Schwedenkuss landet vor Gericht

Mit einem Rempler hatte alles angefangen. Wüste Beleidigungen und eine Kopfnuss folgten. Über zwei Jahre später trafen sich die beiden Kontrahenten nun vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen wieder.
Urs Brüschweiler
Streitzone Veloweg: Fussgänger und Velofahrer kommen sich öfters in die Haare. (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)

Streitzone Veloweg: Fussgänger und Velofahrer kommen sich öfters in die Haare. (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)

Wieder und wieder schauten die drei Richter hinter verschlossenen Türen das Video an. Lange dauerte es, bis sie das Gesehene richtig einschätzen konnten und ein Urteil dazu gefällt hatten. Die Überwachungskameras beim Avec-Shop am Kreuzlinger Hafenbahnhof hatten den letzten Teil der Geschehnisse am Vormittag des 26. September 2016 aufgezeichnet. Auf jeden Fall gab der Vorsitzende den beiden Kontrahenten am Ende der Verhandlung mit auf den Weg:

«Um diesen Streit zu klären, hätten Sie sicher nicht vor Gericht ziehen müssen.»

Aus dem Nichts heraus war der Konflikt entstanden. Ein 54-jähriger Deutscher fuhr mit dem Velo auf dem Radweg der Seetalstrasse entlang. Nahe der Bushaltestelle stand mit einem Kollegen beisammen auf dem Bordstein wartend der 37-jährige Schweizer, der nun als Beschuldigter vor Gericht stand.

Provokationen und üble Schimpftiraden

«Er ist sehr schnell gefahren, ich wollte noch Platz machen. Da hat er mich gerammt.» Eine Getränkedose, die er in der Hand hatte, fiel auf den Boden. Der Velofahrer sei einfach weitergefahren, berichtete der Mann dem Richter. Da sei er wütend geworden und habe ihm nachgeschrien. Das Wort «Missgeburt» sei gefallen, war in der Gerichtsverhandlung zu erfahren.

Aggressionen eskalierten

Der Velofahrer kehrte in der Folge um, rief zurück und ging auf den Mann zu. Als sich die beiden Männer – offenbar beide lauthals und in aggressiver Stimmung – Auge in Auge gegenüberstanden, folgte der «Schwedenkuss». Der jüngere Mann stiess mit seiner Stirn an den Kopf seines Kontrahenten. Gemäss Staatsanwaltschaft erlitt dieser eine leicht blutende Schwellung an der Stirn. Provokationen und Beleidigungen hörten nicht auf.

Vermeintlicher Fluchtversuch mit Handy dokumentiert

Als der jüngere Mann die Strassenseite wechselte, glaubte der ältere an einen Fluchtversuch, hatte er doch bereits die Polizei alarmiert. Mit dem Handy fotografierte er ihn zur späteren Identifizierung. Bei seinem Gegenüber kam dies als weitere Provokation an. Er habe nur kurz auf der anderen Strassenseite melden wollen, dass sich seine Rückkehr verzögere, keineswegs sich der Polizei entziehen.

Noch ein Handgemenge

Auf jeden Fall kam es zu einem weiteren Handgemenge, in welchem der Beschuldigte mit der Hand ins Gesicht seines Opfers schlug. Dessen Brille fiel auf die Strasse und wurde zerkratzt. Das Gericht hatte am Dienstag nur die Klage des Älteren gegen den Jüngeren zu entscheiden. Andersherum hatte es ebenfalls eine Strafanzeige gegeben, welche aber von der Staatsanwaltschaft nicht an die Hand genommen, sprich nicht weiterverfolgt worden war.

Aus Strafe wird man klug

Es sei eine mehrfache Tätlichkeit gewesen und keine leichte Körperverletzung, entschied das Gericht. 500 Franken Busse, rund 400 Franken für die Brille und den Arztbesuch des Opfers sowie 3700 Franken Verfahrenskosten muss der Beschuldigte bezahlen. Auf eine Genugtuung machte der vorsitzende Richter dem Privatkläger wenig Hoffnung und ermahnte diesen noch:

«Eine Entschuldigung für den Rempler wäre angebracht gewesen.»

Er hoffe, beide hätten nun ihre Lehren gezogen aus dem Vorfall.

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