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Es wird eng für Oberthurgauer Firmen: «Es schmerzt, zuschauen zu müssen, wenn Arbeitsplätze abwandern»

Der Oberthurgauer Industriestadt schmilzt das Industrieland weg. Das kostet Arbeitsplätze und erfüllt den Arbeitgeberpräsidenten mit Sorge. Für die Stadt ist es nicht leicht, Gegensteuer zu geben. Es gibt Einschränkungen.
Max Eichenberger
Nicht für alle Nutzungen geeignet: Land zwischen Corporate Center und Forster-Küchenzentrum (Bild: Max Eichenberger)

Nicht für alle Nutzungen geeignet: Land zwischen Corporate Center und Forster-Küchenzentrum (Bild: Max Eichenberger)

Dennis Reichardt ist kein Mann der lauten Töne. Wenn den Präsidenten der Arbeitgebervereinigung Arbon und Umgebung (AVA) etwas umtreibt, verschafft er sich argumentativ Gehör. Das tut der Geschäftsführer der Klimamacher AG öfters in letzter Zeit im halböffentlichen Rahmen und bei Veranstaltungen.

Er macht sich ernsthaft Sorgen um den Industriestandort Arbon. «Es schmerzt, zuschauen zu müssen, wenn Arbeitsplätze abwandern.» Das hat nicht nur mit dem Geschäftsgang, Übernahmen, Markteinflüssen oder damit zu tun, dass Unternehmen ihr Portefeuille anpassen und sich neu aufstellen. Reichardt ortet auch strukturelle Gründe und Erschwernisse für eine Entwicklung, die lokal bedingt sind.

Arbon entwickelt sich rasant zur Wohnstadt

Dennis Reichardt (Bild: PD)

Dennis Reichardt (Bild: PD)

«In der Stadt, die durch die Industrie gross geworden ist, gibt es kaum mehr geeignetes Industrieland. Ein Problem ist zudem, dass die Stadt keine eigenen Landreserven hat, die sie verfügbar machen könnte.» Nicht verborgen bleibt Reichardt, wie sich Arbon nicht nur schleichend, sondern rasant zur Wohnstadt entwickelt.

Dies begünstigt durch den Markt, der Investoren für Wohnimmobilien in die Hand spielt. Und steuernd eingreifen kann die Stadt da nur beschränkt: «Es ist eine Gegebenheit, dass unser Stadtgebiet räumlich begrenzt ist», sagt Stadtpräsident Andreas Balg.

Zudem gebe es raumplanerische Vorgaben, im Innern des Siedlungsgebietes zu verdichten. Trotzdem: «In der laufenden Ortsplanrevision versuchen wir sicherzustellen, dass es in allen Zonenarten genug, aber auch nicht zu viel hat, um Entwicklungen zu ermöglichen.»

Dennis Reichardt: «Dem Stadtrat waren die Hände gebunden»

Wegen des Einzonungsmoratoriums habe man in den letzten Jahren «gar nichts machen können», bedauert AVA-Präsident Dennis Reichardt. Und kann da der Stadtregierung nicht einmal einen Vorwurf machen: «Dem Stadtrat waren die Hände gebunden.» Versäumnisse habe es allenfalls früher gegeben, dass man die Schere zwischen Wohnen und Arbeitsplätzen aufgehen liess: «Dieses Verhältnis hat sich im Laufe der Zeit stark verändert», stellt Reichardt fest.

Droht nach V-Zug eine weitere Aussiedlung?

Auf dem Platz Arbon seien in den letzten Jahren Industriearbeitsplätze verloren gegangen. Viele durch Umstrukturierungen. Aber da, wo sich Entwicklungen hätten ergeben können, habe es an Land oder Flexibilität gemangelt, moniert Reichardt.

So werde etwa die V-Zug, die 2013 die Forster-Kühlschrankfabrikation übernommen hat, nach Sulgen ziehen und dort ihre Produktion aufbauen. Eine weitere namhafte Unternehmung suche intensiv nach geeignetem Industrieland, werde in Arbon aber nicht fündig, weiss Reinhardt.

«Wir sind am Hebeln»

«Wir haben einen Flächenbedarf von 10000 Quadratmetern und gewisse Ansprüche an das Land», sagt der Geschäftsführer, der namentlich mit der Firma nicht öffentlich genannt werden möchte, um Optionen und Evaluationsmöglichkeiten nicht zu schmälern. «Wir sind am Hebeln.»

Land, das zwischen Wohnquartieren liegt, sei suboptimal und eher für stilles Gewerbe geeignet denn für industrielle Nutzung. Da wären Einsprachen programmiert, sieht sich der Geschäftsführer bei seiner Suche eingeschränkt – und relativiert damit die Brutto-Flächenzahlen.

«Wir haben in Arbon zwar Möglichkeiten für eine Entwicklung, allein 60000 Quadratmeter zwischen dem AFG Corporate Center und dem Forster-Küchenzentrum in Frasnacht», sagt Balg. Aber auch der frühere kantonale Wirtschaftsförderer weiss: «Die perfekte Parzelle mit optimaler Erschliessung und Grösse, dabei erst noch günstig, die gibt es selten einfach so.» Zudem gebe es Landflächen, die für gewerblich-industrielle Nutzung vorgesehen sind, «gehortet werden und nicht auf dem Markt sind».

Landkreditkonto mit mehr Mitteln ausstatten

Die grösste Herausforderung sieht Balg in den raumplanerischen Tendenzen, nach innen verdichten und das Bauland eingrenzen zu müssen. Das schränke den Spielraum ein. Und entweder ist die Topografie nicht für alle Bedürfnisse geeignet wie in Steineloh/Frasnacht. «Oder dann ist das Land zu teuer.

Den Preis herunterhandeln kann aber die Stadt nicht», so Balg. V-Zug sei kein Druck gemacht worden, klar sei aber, dass das Gebiet «Breitehof II», zwischen Bahnlinie und See, dereinst eher zu Wohnzwecken und allenfalls gewerblich denn industriell genutzt werde. Froh ist Balg, dass V-Zug zumindest im Thurgau bleibt.

«Klar wollen wir nicht, dass Firmen aus Arbon wegziehen», betont der Stadtpräsident. Darum werde als eine Massnahme die öffentliche Liste der verfügbaren Büro- und Gewerbeflächen laufend aktualisiert. Was Reichardt schon lange und FDP-Parlamentarier jetzt in einer Motion fordern, nämlich das Landkreditkonto von drei auf zehn Millionen Franken aufzustocken, findet beim Stadtrat Gehör.

Andreas Balg: «Die Zeit ist jetzt reif»

«Die Zeit ist jetzt reif dafür, weil wir nun wieder mit positiven Rechnungsabschlüssen aufwarten können», sagt Balg. «Am Montag hat der Stadtrat den Vorstoss diskutiert. Im Grundsatz ist er für die Erhöhung des Landkreditkontos. Bezüglich Höhe will er einen Spielraum offenlassen.» Es könnten gar mehr als zehn Millionen sein.

Das müsse in einem Gesamtpaket mit dem Reglement abgestimmt werden. Darin könnte etwa umschrieben sein, dass die Äufnung nur über positive Jahresabschlüsse möglich ist oder ein Erwerb von Objekten nicht zu einer weiteren Verschuldung führen dürfe.

Nicht alle strategischen Käufe sind so günstig wie der des Hamels, weiss Balg. Ihm zufolge wird der Stadtrat eine positive Stellungnahme zur Motion abgeben, «die Beantwortung wird dann aber Sache des neuen Stadtrates sein».

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