«Es scheint kein Bedürfnis nach Hilfe zu geben»: Nachbarschaftshilfe in Amlikon wird nicht beansprucht

Seit über einem Jahr bietet die Gemeinde Amlikon-Bissegg die Nachbarschaftshilfe an. Doch das Angebot wird kaum genutzt.

Deborah Hugentobler
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Jdy Meyerhans koordiniert die Nachbarschaftshilfe.

Jdy Meyerhans koordiniert die Nachbarschaftshilfe.

Bild: PD

Die Bereitschaft ist da, nur die Bezüger fehlen. Seit dem 1. Juli 2019 bietet die Gemeinde Amlikon-Bissegg die Nachbarschaftshilfe an. Seither sei es aber lediglich zu sechs Einsätzen gekommen.

«Es ist sehr ruhig. Auch seit der Pandemie stellen wir keinen Anstieg fest», sagt Koordinatorin Jdy Meyerhans. «Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich gemeldet, um zu helfen. Nur scheint es kein Bedürfnis nach Hilfe zu geben», sagt Meyerhans.

Die Idee stammt aus der Seniorenkommission um Gemeinderat Paul Sauter. «Wir sahen es als Chance für die Gemeinde. Zudem ist dies keine neue Erfindung, viele andere Gemeinden haben ein ähnliches Angebot», sagt Sauter. Jede Person, die Hilfe beansprucht, kann das Angebot nutzen. Die Dienstleistungen reichen von Gartenarbeit oder Fahrdienst bis hin zu einem einfachen Besuch.

Landleben Ursache für unbenutztes Angebot

Als Koordinatorin nimmt Jdy Meyerhans die Angebote und Nachfragen entgegen und vermittelt die Kontaktdaten. Die Nachbarschaftshilfe ist kostenlos. Dabei will die Gemeinde jedoch nicht mit anderen Organisationen, wie der Spitex konkurrieren.

Die Rückmeldungen der Amliker seien durchaus positiv, dies erkenne man auch an der Vielzahl freiwilliger Helfer. Meyerhans sagt, sie werde ausserdem immer wieder von Leuten aus der Gemeinde angesprochen, dass die Nachbarschaftshilfe «eine gute Sache» sei. Der Grund für das unbenutzte Angebot der Nachbarschaftshilfe stecke im Landleben, meinen sowohl Sauter als auch Meyerhans. Die Koordinatorin sagt:

«Ich bin wenig überrascht, dass die Nachbarschaftshilfe so wenig genutzt wird. Auf dem Land helfen sich die Familienmitglieder gegenseitig. Es herrscht ein starker Familienzusammenhalt.»

Ausserdem sei es eigentlich ein gutes Zeichen, wenn so wenig Hilfe beansprucht wird, sagt Meyerhans, die sich selbst jahrelang um andere Personen gekümmert hat.

Zukunft der Nachbarschaftshilfe

Gemeinderat Paul Sauter

Gemeinderat Paul Sauter

Bild: PD

Erst im neuen Jahr werde der Entscheid über die Weiterführung der Nachbarschaftshilfe fallen. «In einem nächsten Schritt werden wir das Angebot evaluieren. Dann werden wir entscheiden, wie oder ob es überhaupt mit der Nachbarschaftshilfe weitergeht», sagt Sauter.

Meyerhans will die Nachbarschaftshilfe trotz der wenigen Einsätze aufrechterhalten: «Das Angebot steht bereits. Die Koordination bedeutet für mich keinen grossen Aufwand und ich bin froh, wenn ich auch nur jemandem helfen kann.»