Es könnte für sie existenzbedrohend werden: Kreuzlingen gibt grossen Clubs Darlehen

Insbesondere die Vereine mit Angestellten leiden finanziell unter der Coronakrise. Deshalb hat die Stadt Sofortmassnahmen eingeleitet. Doch die Vereine bangen langfristig. Die SP will ihnen helfen.

Urs Brüschweiler
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Die Damen des HSC Kreuzlingen beim Meisterschaftsspiel in der Egelseehalle Kreuzlingen gegen Yellow Winterthur. Solche Events fehlen dem Club derzeit - auch finanziell.

Die Damen des HSC Kreuzlingen beim Meisterschaftsspiel in der Egelseehalle Kreuzlingen gegen Yellow Winterthur. Solche Events fehlen dem Club derzeit - auch finanziell.

(Bild: Mario Gaccioli - 29.2.2020)
«Die aktuelle Krise trifft auch viele Kreuzlinger Vereine massiv und gefährdet teilweise deren Existenz.»

Die SP Kreuzlingen wendet sich mit einer schriftlichen Anfrage an den Stadtrat. Ausfallende Veranstaltungen, wie Konzerte oder Meisterschaftsspiele führten zu schwindenden Einnahmen. Die Sozialdemokraten bitten die Stadtregierung nun, zu prüfen, ob finanzielle Unterstützungen möglich seien. Ein konkreter Vorschlag ist die einmalige Erhöhung der Jugendförderbeiträge von 40 auf 100 Franken pro Kopf für das Jahr 2020, sagt Gemeinderat Ruedi Herzog.

Ruedi HerzogSP-Gemeinderat Kreuzlingen

Ruedi Herzog
SP-Gemeinderat Kreuzlingen

(Bild: pd)
«Die Vereine sind wichtig für die Gesellschaft. Ihre Aktivitäten müssen irgendwann weitergehen können.»

Beim Stadtrat trifft das Anliegen der SP auf offene Ohren. Stadträtin Dorena Raggenbass erklärt, dass man bereits vor einigen Wochen entschieden habe, Sofortmassnahmen zu ergreifen. Konkret können Vereine ein Gesuch an den Stadtrat stellen. Vier der grossen Sportclubs der Stadt wurden bereits Darlehen im tiefen fünfstelligen Frankenbereich zugesprochen. Sie mussten dazu jedoch ihre finanzielle Situation offenlegen und auch darlegen, ob sie bereits von Hilfsgeldern des Kantons profitieren. Ob die Darlehen der Stadt einst zurückbezahlt werden müssen, werde man zu gegebener Zeit anschauen. Die Stadträtin sagt:

Dorena RaggenbassStadträtin Kreuzlingen

Dorena Raggenbass
Stadträtin Kreuzlingen

(Bild: Andrea Stalder)
«Akut betrifft es vorwiegend die Vereine, welche Mitarbeiter beschäftigen und somit auch hohe Fixkosten zu decken haben.»

Bei kleineren Vereinen sei das Problem nicht so dringend, entsprechend werde man hierzu auch die schriftliche Anfrage der SP beraten und beantworten.

Der Handballsportclub ist einer der Vereine, welche die Stadt bereits um Unterstützung gebeten haben. Präsident Patrick Müller sagt, die Coronamassnahmen rissen bis Ende August ein Loch von rund 150'000 Franken in die Vereinskasse.

«Wir haben früh gemerkt,
dass es brenzlig werden kann.»

Die Gehälter der Spieler und der Mitarbeiter der Geschäftsstelle seien zwar durch die Kurzarbeit abgedeckt. Jedoch habe man grosse Ausfälle durch das Fehlen von Spielen und Veranstaltungen. Besonders schwierig sei auch die Situation im Sponsoring. «Wir sind im Gespräch mit unseren Supportern, aber viele der Unternehmer wissen aktuell selber nicht, wie es bei ihnen weitergeht.» Die Soforthilfen von Stadt und Kanton seien zwar gut, aber «sie lösen unser langfristiges Problem noch nicht.»

Auch beim Symphonischen Blasorchester Kreuzlingen sieht man das Problem eher mittel- oder langfristig. Kurzfristig habe man beim Kanton um Finanzhilfe angefragt und könne den Dirigenten über Kurzarbeit grösstenteils finanzieren. Jedoch wären die abgesagten und zukünftigen Konzerte äusserst wichtig für das finanzielle Weiterbestehen des Orchesters, sagt Präsident Christian Schärer. Es fehle die Planungssicherheit, wann man wieder auftreten könne und ob dann auch wieder Besucher kämen. Und natürlich macht sich auch das SBO sorgen, ob die Sponsoren weiterhin die Treue halten können.

Die Symphonia Classic 2020 fallen aus. Genaus so wie die Reise nach Singapur und das Doppelkonzert in Lugano.

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(Bild: pd - 18.3.2019)
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