Es ist Zeit geworden: Die Uhr der Amriswiler Katholiken geht nun wieder richtig

Fast zwei Monate stand die Uhr der katholischen Kirche Amriswil still. Am Dienstagmorgen erfolgte endlich die finale Reparatur.

Manuel Nagel
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In fast 30 Metern Höhe schraubt Monteur Thomas Leutwiler den Minutenzeiger auf der Südseite des Kirchturms an. Die Uhr der katholischen Kirche zeigt nun wieder die richtige Zeit.

In fast 30 Metern Höhe schraubt Monteur Thomas Leutwiler den Minutenzeiger auf der Südseite des Kirchturms an. Die Uhr der katholischen Kirche zeigt nun wieder die richtige Zeit.

(Bild: Manuel Nagel)

Wer vom Seiteneingang der katholischen Kirche bis hoch in den Glockenturm will, muss 135 Stufen erklimmen. Die allerletzte der Treppen hat es in sich, ist noch etwas steiler als jene zuvor.

Urs Hungerbühler erklimmt sie ungefähr einmal im Monat, wenn er zum Rechten schaut. Nachdem Sturmtief Petra am 3.Februar über Amriswil zog, musste der Bauverwalter der katholischen Kirchgemeinde St.Stefan ebenfalls in den Turm hoch – und die Uhr abstellen. Der untere Teil des Minutenzeigers war abgerissen worden und im Innern war ein Zahnrad beschädigt. Fortan stand die Uhr still und die Glocken blieben stumm. Mehr als zweieinhalb Monate dauerte dieses Schweigen an, denn aufgrund der Corona Schutzmassnahmen des Bundes konnten die Monteure der auf Kirchturmtechnik spezialisierten Aargauer Firma den neuen Zeiger nicht anbringen.

Nun war es am Dienstagvormittag endlich so weit: Die Südseite des Kirchturms sollte ihre beiden Zeiger wieder zurückerhalten, sodass die Amriswiler Katholiken nicht mehr bei den Protestanten die Zeit ablesen müssen.

Als um acht Uhr morgens der Kranwagen mit der Hebebühne vorfuhr, da hatte Monteur Thomas Leutwiler bereits das erste Mal die 135 Stufen hinter sich gelassen und werkelte an der Stange herum, an der die Zeiger befestigen werden sollten. Diese ist über ein Gelenk und einer anderen Stange mit dem Uhrwerk ein paar Treppen weiter unten verbunden.

Vorarbeit im Glockenturm: Thomas Leutwiler justiert die Stange, an der die Zeiger aussen montiert sind.

Vorarbeit im Glockenturm: Thomas Leutwiler justiert die Stange, an der die Zeiger aussen montiert sind.

(Bild: Manuel Nagel)

Um Viertel vor neun war inwendig alles vorbereitet, um von aussen die mannshohen Zeiger anzubringen. «Um die 30 Kilogramm», antwortete Leutwiler auf die Frage nach dem Gewicht der schwarzen Ungetüme, als er sie auf den Rand Hebebühne legte. Aber ein Zeiger sei ihm bei der Montage noch nie heruntergefallen, sagte er lachend.

Das war auch beim Auftrag in Amriswil nicht der Fall, alles ging glatt in fast 30 Metern Höhe, obwohl es dort oben doch ziemlich gewindet hatte.

Derweil verfolgten unten einige Schaulustige das Szenario. Nebst Urs Hungerbühler war noch ein weiteres Mitglied der Kirchenvorsteherschaft anwesend: Jasmine Chischè schaute mit ihren Kindern vorbei, die ganz fasziniert ihre Köpfe gegen den Himmel richteten.

Kurz vor halb zehn waren die Zeiger montiert und zur Sicherheit noch leicht angeschraubt, und Thomas Leutwiler musste nun die Uhr nur noch in Gang setzen – und zum letzten Mal an diesem Vormittag die 135 Stufen hochsteigen.