Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Familiengärten in Arbon ganz verschwinden

Die Schrebergärten weichen kontinuierlich Überbauungen. Bis Ende 2019 müssen auch die Gärten an der Grabenstrasse geräumt werden. 

Eva Wenaweser
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Die Gärten an der Grabenstrasse müssen bis Ende Dezember geräumt werden.

Die Gärten an der Grabenstrasse müssen bis Ende Dezember geräumt werden.

Bild: Eva Wenaweser 

Immer mehr Schrebergärten verschwinden. Auch in Arbon wird wieder eine Parzelle geräumt, und zwar die an der Grabenstrasse. Heinz Gygax, Präsident des Vereins Schrebergärten Arbon, sagt:

«Ich bin mir bewusst, dass auch unser Verein bald betroffen sein könnte.»

Dieser Fall betreffe einen aber nicht. Denn: «Diese Gärten sind nicht in unserem Verein drin», sagt Gygax.

Insgesamt nutzen die Mitglieder des Vereins drei Areale: Das in der Nähe der ARA Steinach, jenes auf dem Lärchenareal und noch eins beim Pfadiheim. Laut Gygax ist nur das letzte über des Baurechts für weitere Jahre gesichert.

«Die beiden erstgenannten Areale können wir sozusagen nur auf Abruf nutzen.»

Gerade beim Lärchenareal sei der Verein auf die Entscheidung der Bürgergemeinde angewiesen. «Auf der Parzelle neben der ARA sind wir bereit zu verschwinden.» Der Energiepark sei bereits vergrössert worden, was die eigene Gartenfläche verkleinert habe. «Und irgendwann werden die Gärten dort ganz verschwinden», sagt Gygax.

Der Grund: Das immer knappere Land

Das Land in der Schweiz wird knapper, laut Gygax kein Geheimnis. Um also Bauland zu gewinnen, gäbe es zwei Möglichkeiten:

«Entweder man ändert die Landwirtschaftszonen, damit man dort auch bauen kann, oder man hebt die Schrebergärten auf.»

Leider sei es ein Fakt, dass die Schrebergärten nicht mehr so im Trend seien. «Wenn die ältere Schweizer Generation die Gärten nicht mehr führt, dann gibt es kaum mehr junge Schweizer, die diese weiter bewirtschaften.» Mittlerweile seien es vorwiegend Immigranten, die nachrücken wollten. «Sie sind sich gewohnt, sich bis zu einem gewissen Teil selbst zu versorgen.» Das ist laut Gygax eine gute Sache und wichtig für die Integration. Doch der Prozess der Stadterweiterung laufe bereits überall – auch in Arbon.

«Daher ist es leider nur eine Frage der Zeit, bis auch alle unserer Schrebergärten überbaut sind.»

Und Ersatz für den Verlust der Familiengärten zu finden sei sehr schwierig, sagt Gygax.

Was mit dem Land passiert, ist noch unklar

Die Gärten an der Grabenstrasse gehören der Arbonia AG. Pressesprecherin Fabienne Zürcher sagt auf Anfrage: «Wir haben die Gärten in den 80ern den Mitarbeitern von Forster Kühltechnik unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Heute haben wir keinen Überblick mehr darüber, wer die Gärten nutzt.» Da sich die Schrebergärten bereits in einer Wohnzone befänden, sei hier keine Umzonung mehr nötig.

«Momentan ist die 22000 Quadratmeter grosse Fläche, zu der auch die Schrebergärten gehören, für die Arbonia AG ein gutes Renditeobjekt.»

Daher habe man die Pächter gebeten, die Gärten bis 31. Dezember zu räumen. «Das unter anderem mittels Plakat.»  

Laut Zürcher steht die Arbonia AG im Gespräch mit der Stadt. «Es soll festgelegt werden, wie man das Gebiet am besten entwickeln kann.» Es handle sich um eine schöne Lage, praktisch direkt am See. «Daher könnten wir uns gut vorstellen, das Land später wieder zu vermieten oder irgendwann gar zu verkaufen», sagt Zürcher

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