Kommentar
Es gibt keine bessere Alternative zu den geplanten Hochhäusern in Arbon

Der Arboner Stadtrat ebnet dem Projekt Riva den Weg. Die HRS als Investorin ist damit aber noch nicht am Ziel. Vermutlich wird es eine Volksabstimmung geben. Die Diskussionen werden sich vor allem um den Ortsbildschutz drehen, was aber am Kern des Problems vorbeigeht.

Markus Schoch
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Visualisierung der geplanten Hochhäuser auf der «Metropol»-Parzelle.

Visualisierung der geplanten Hochhäuser auf der «Metropol»-Parzelle.

Bild: PD

Der Stadtrat hätte es an seiner Sitzung am Montag in der Hand gehabt, das Projekt für die beiden Hochhäuser in letzter Sekunde zu begraben. Er hat dem Druck gewisser Kreise zum Glück widerstanden. Es wäre schwer verständlich gewesen, wenn die Behörde die eigene Planung und die der Vorgänger im Amt ganz am Schluss nach fast zehn Jahren mit einem Handstreich für falsch und nichtig erklärt hätte. Die HRS als Investorin hat alle Auflagen der Stadt in Bezug auf öffentliche Nutzungen erfüllt und zuletzt bei den Hotelzimmern sogar noch nachgebessert. Die beiden Hochhäuser überzeugen auch städtebaulich, sagt die Jury des Architekturwettbewerbs. Der Stadtrat hatte keinen Grund, dieses Urteil in Frage zu stellen und zurückzukrebsen.

Das letzte Wort werden wahrscheinlich die Arboner an der Urne haben. Es ist anzunehmen, dass die Gegner das Referendum ergreifen und damit den Gestaltungsplan beziehungsweise indirekt das Projekt zur Abstimmung bringen. Die Diskussionen werden sich voraussichtlich vor allem darum drehen, ob die beiden Hochhäuser mit dem Ortsbildschutz vereinbar sind oder nicht. Der Stadtrat sieht in der Abwägung aller Interessen kein Problem, die Gegner umso mehr. Sie fordern vor dem Urnengang ein unabhängiges Gutachten einer nationalen Expertengruppe, das bestätigen soll, was für sie bereits Gewissheit ist: Das Projekt Riva darf nie und nimmer auf der «Metropol»-Parzelle realisiert werden.

Bei strenger Auslegung des Inventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) und isolierter Betrachtung der Sachlage ist das möglicherweise tatsächlich so. Die Fixierung aufs ISOS ist aber eine Sackgasse, weil das von ihm gezeichnete Idealbild wenig zu tun hat mit der Realität. Die zur Debatte stehende Parzelle ist ganz normales Bauland ohne irgendwelche Einschränkungen, was sie eigentlich gar nicht sein dürfte, wenn es nach ISOS geht. Und daran ändert sich auch nichts, wenn die Bevölkerung Nein zum Riva sagt. Die HRS wird das teuer erkaufte Grundstück überbauen, und wenn es nicht anders geht mit weniger Volumen in Regelbauweise, dafür ohne Hotelzimmer, Restaurant, Bar, Saal und öffentlich zugängliche Grünflächen. Arbon hätte in einem solchen Fall nichts gewonnen, sondern alles verloren. Diese Aussicht mag bedauerlich sein. Doch das Land gehört der HRS, und die Stadt ist am ganz kurzen Hebel, wenn dem Investor dereinst der Geduldsfaden reissen sollte, auch wenn diese Tatsache nicht alle wahrhaben wollen.

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