Es gibt kein Zurück: Alt Bundesrat Christoph Blocher referiert an der Arboner Bundesfeier

Die örtliche SVP hat das Polit-Schwergewicht engagiert. Dies entgegen dem Willen des organisierenden Vereins. Jetzt glättet die Interpartei die Wogen.

Tanja von Arx
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Schon 2011 war Blocher zu Gast im Städtli, damals im Seeparksaal. Heuer wird er es wieder sein. (Bild: Reto Martin)

Schon 2011 war Blocher zu Gast im Städtli, damals im Seeparksaal. Heuer wird er es wieder sein. (Bild: Reto Martin)

Eine Peinlichkeit sondergleichen sollte möglichst vermieden werden. Ebenso ein Gesichtsverlust. Wie kürzlich bekannt wurde, hat die SVP Arbon alt Bundesrat Christoph Blocher als Festredner für die Bundesfeier engagiert. Allerdings entgegen den Vorstellungen des Vereins «1. August Arbon», der seit letztem Jahr die Feierlichkeiten ausrichtet - die Organisatoren wünschen sich primär ein familiäres Fest ohne politische Referenten, insbesondere ohne politische Schwergewichte (unsere Zeitung berichtete).

Wie einer Medienmitteilung von gestern zu entnehmen ist, hat man nun eine «einvernehmliche Lösung» gefunden. Offenbar dank der Interpartei, die notgedrungen auf den Plan gerufen wurde. Auf Nachfrage sagt Interpartei-Präsident Bernhard Bertelmann: «Wir sind eingesprungen, weil es darum ging, eine überparteiliche Lösung zu finden.» Traditionsgemäss sei es so, dass jede Partei im jährlichen Turnus einen Redner stelle. Neben der SVP namentlich die EVP, CVP, FDP, SP, XMV und die Grünen. Vergangenes Jahr engagierte denn die EVP Schriftstellerin Andrea Gerster.

Laut Communiqué hatte die SVP «keine Kenntnis vom Konzept»

Die EVP hatte indes laut Mitteilung keine Kenntnis vom Vereinskonzept. Und: «Die SVP hatte von der neuen Ausrichtung ebenfalls keine Kenntnis.». Cyrill Stadler vom Verein «1. August Arbon» sagt auf Nachfrage: «In einer Kurz-und-knapp-Übung ist vor einem Jahr alles ziemlich schnell gegangen.» Nach einer Kürzung der finanziellen Mittel seitens der Stadt habe man die Nationalfeier quasi vom einen auf den andern Tag stemmen müssen (siehe Kasten). «Nochmals schneller ging es dann mit der Auswahl des Festredners.» Vereinspräsident Roland Widmer habe der SVP Anfang Jahr signalisiert, dass Blocher nicht die beste Lösung sei. «Seine Prominenz ist Garant für einen grossen Publikumsaufmarsch, und es besteht die Gefahr, dass die Feier eher eine SVP-Veranstaltung für die Ostschweiz wird statt eine für die Gäste und Bewohner von Arbon.» Angekündigt worden sei Blocher «öffentlich ohne Absprache» und der Verein «vor vollendete Tatsachen» gestellt.

Dilemma wegen parlamentarischer Budgetkürzung

Die Arboner Bundesfeier hat infolge Budgetkürzung einen finanziellen Engpass erfahren. 2017 strich das Parlament einen Posten für öffentliche Anlässe um 17000 Franken, darunter 6000 bis 8000 Franken für die 1.-August-Feier, welche der Verein Arbon Tourismus jeweils ausrichtete. Ratlos stand der Verein anschliessend da, in letzter Sekunde sprang der Hafenmeister ein und stemmte das Fest. Immerhin erbrachte der Werkhof nach wie vor unentgeltliche Leistungen, die vor allem in Zusammenhang mit der Infrastruktur von Bedeutung waren. Ausserdem bot der Stadtrat eine Defizitgarantie von 5000 Franken. Vergangenes Jahr gründeten Roland Widmer, Cyrill Stadler, Reto Lütschg und Rico Baettig dann den Verein «1. August Arbon», und die EVP engagierte immer noch traditionsgemäss im Partei-Turnus Schriftstellerin Andrea Gerster als Festrednerin. (tva)

Wie dem auch sei, jetzt habe man sich in der Mitte gefunden, sagt Stadler. Denn sowohl für den Verein als auch für die SVP und für die Interpartei ist klar: Einen eingeladenen Redner wieder auszuladen ist unhöflich. Und zwar unabhängig davon, um wen es sich handelt. Der Verein will sich indessen heuer von der Organisation zurückziehen und erst 2020 wieder übernehmen. Die diesjährige Feier wird die örtliche SVP stemmen.

Cyrill Stadler, Gründer «Verein 1. August Arbon». (Bild: Andrea Stalder)

Cyrill Stadler, Gründer «Verein 1. August Arbon». (Bild: Andrea Stalder)

Stadler sagt, dass der Verein «1. August Arbon» beim alternierenden Festredner gestellt von einer Ortspartei bleiben möchte. Der Vorstand solle allerdings ein Mitspracherecht bei der Auswahl haben. «Wir wollen nicht zurück zu den traditionellen Feiern und am Familienprogramm mit Lampionumzug, Musik und Feuerwerk festhalten.»

SVP und Stadt stemmen die Kosten

Bleibt die Frage offen: Wer stemmt die Kosten, und wie hoch sind diese? Mit Blocher als Festredner stehen nicht zuletzt Sicherheitsvorkehrungen an. SVP-Arbon-Präsident Konrad Brühwiler sagt auf Anfrage: «Die 7000 Franken, die der Verein jährlich von der Stadt für die Ausrichtung erhält, kommen dieses Jahr unserer Partei zu.» Stadtpräsident Dominik Diezi sei darüber schon im Bild. «Wir führen unseren Auftrag aus.» Brühwiler betont: «Wir richten eine Feier für die Stadt Arbon aus, nicht eine für die SVP.» In Zusammenhang mit der Unkenntnis vom Sachverhalt sagt Brühwiler: «Von Seiten des Vereins gibt es einige Widersprüche, etwa stand nirgends in den Unterlagen zum Konzept, dass keine politischen Reden erwünscht seien.» Brühwiler erachtet es indes als Verantwortung der Parteien, dass solche auch in Zukunft möglich seien. Besonders, da die jene in der Vergangenheit an Gewicht verloren hätten. «Dass man keine polarisierende Person stellen könne, stand denn auch nicht drin.»

Konrad Brühwiler, Präsident SVP Arbon. (Bild: Reto Martin)

Konrad Brühwiler, Präsident SVP Arbon. (Bild: Reto Martin)

So oder so, die Interpartei schliesst das Communiqué mit den Worten, dass sie nach den bisherigen Gesprächen optimistisch sei eine langfristige und gute Lösung für die Zukunft gefunden zu haben. Und dass der konstruktive Dialog «weitergeführt» werden könne.

Arboner Bundesfeier: Hängepartie um Headliner Blocher

Die Sache ist unangenehm: Mit der Ankündigung von Christoph Blocher als Bundesfeier-Redner hat die SVP den organisierenden Verein düpiert. Das Ringen um eine Lösung sprengt Fristen und die Beteiligten sind wortkarg.
Max Eichenberger