«Es geht uns etwas an, was in Brasilien passiert»: 50 junge Leute rütteln mit einem Lichtermarsch Kreuzlingen und Konstanz auf

Die Klimajugend macht keine Weihnachtspause sondern demonstriert am Freitagabend für den Regenwald.

Inka Grabowsky
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Giulia Padrun von Klimastreik Thurgau bastelte Laternen.

Giulia Padrun von Klimastreik Thurgau bastelte Laternen.

(Bild: Inka Grabowsky)

Am Kreuzlinger Hafen trafen sich am Freitagabend bei trübem Wetter rund fünfzig vorwiegend junge Leute, um am «Tag für den Regenwald» symbolisch mit Kerzen die brennenden Wälder Südamerikas durch die Strassen zu tragen. Klimastreik Thurgau hatte gemeinsam mit Fridays for Future aus Konstanz zur grenzüberschreitenden Demonstration aufgerufen.

Importiertes Rindfleisch, Palmöl und Gold

Eingefunden hatte sich auch Marco Walter von Pro Amazonia Konstanz.

«Es geht uns etwas an, was in Brasilien passiert. Wir müssen die Öffentlichkeit aufrütteln. Wer importiertes Rindfleisch isst, Palmöl verbraucht oder Gold zu Weihnachten verschenkt, trägt zur Zerstörung des Regenwaldes bei.»

Walter warb diesseits der Grenze für das Abschliessen von Klima-Patenschaften zwischen Städten in Europa und indigenen Stämmen im Amazonas-Gebiet. Konstanz wolle in den nächsten drei Jahren den Stamm der Borari mit je 10000 Euro unterstützen. Heidi-Hannah Hochstrasser aus Winterthur sagt:

«Es gibt immer mehr Menschen, die spüren, dass etwas geschehen muss.»

Karl-Heinz Amann aus Lengwil ergänzt: «Ich will mich positionieren und zu den Menschen im Regenwald bekennen.»

Lichter aus Blechdosen

Zu den Mitorganisatoren von Klimastreik Thurgau gehört Giulia Padrun aus Tobel-Affeltrangen, die in Kreuzlingen die PMS besucht. Sie hatte gemeinsam mit Kollegen Laternen aus leeren Blechdosen gebastelt, sodass jeder Teilnehmer mit seinem eigenen Licht auf die Tour gehen konnte.

Zuvor jedoch ergriff Naomi Brot aus dem Vorstand der Juso Thurgau das Wort. Sie hatte bei den Nationalratswahlen noch für die jungen Grünen kandidiert, zeigte sich nun aber enttäuscht von ihren ehemaligen Parteifreunden: «Die erste Forderung, die sie nach dem Grünrutsch gestellt haben, war die Erhöhung des Benzinpreises. Das trifft nicht die Konzerne, sondern die arbeitende Klasse. Wir müssen die Verursacher angreifen. Sie müssten enteignet werden, damit wir die demokratische Kontrolle über die Produktion gewinnen und sie ökologisch umbauen können.»

Grenzüberschreitender und singender Umzug

Trotz der kämpferischen Töne zogen die Teilnehmer friedlich unter dem Absingen von umgedichteten Weihnachtsliedern über die Grenze.
Inka Grabowsky

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