«Es geht immerhin um 10 Millionen»: Romanshorner Stimmbürger versteht das Desinteresse an der Pensionskassen-Vorlage nicht.

Gerade mal zwei Stimmbürger waren am Infoabend zur Aufhebung der Pensionskasse der Stadt Romanshorn – einer äusserte sich kritisch.

Annina Flaig
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Der Fährhafen in Romanshorn.

Der Fährhafen in Romanshorn.

Reto Martin

Peter Imhof hat die Brille aufgesetzt und auf seinen Knien die Unterlagen zurechtgelegt. Die Vorlage ist ihm wichtig. Das merkt man. Er hat Leserbriefe gegen die Aufhebung der städtischen Pensionskasse geschrieben. Und er nutzt jede Plattform, die sich ihm bietet. Doch diejenige am Informationsanlass vom Montag ist extrem klein. Nebst ihm sitzen lediglich zwei weitere Männer im Publikum der Aula des Schulhauses Rebsamen. Einer der beiden ist nicht einmal Stimmbürger in Romanshorn.

Stadtpräsident Martin diskutiert mit dem Gegner

«Das wird ein familiärer Anlass», sagt Stadtpräsident Roger Martin. Aufgrund des geringen Interesses entscheidet er zusammen mit Peter Eberle, Verwaltungsratspräsident der Pensionskasse der Stadt Romanshorn und Stephan Wyss, Experte für berufliche Vorsorge bei der Prevanto AG, die vorgesehene Präsentation zu kürzen.

Dafür bleibt viel Raum für Diskussionen mit dem anwesenden kritischen Stimmbürger Peter Imhof, der beruflich als Pensionskassenberater bei Allvisa arbeitet. Dieser stellt irgendwann fest:

Peter Imhof, kritischer Stimmbürger aus Romanshorn.

Peter Imhof, kritischer Stimmbürger aus Romanshorn.

PD
«Ich bin offenbar der einzige, der diese Lösung öffentlich kritisiert.»

Die Ruhe und das Desinteresse im Vorfeld dieser Abstimmung seien ihm suspekt. «Es geht immerhin um 10 Millionen. Wenn wir die ausgeben, ist die Stadt pleite», sagt er. So gross ist ungefähr das Loch in der städtischen Pensionskasse – die sogenannte Unterdeckung.

«Klar ist das unschön», sagt Roger Martin. Ihm gefalle es auch nicht, dass er jetzt die Aufgabe habe, das städtische Vermögen runterzufahren. Er sagt aber auch:

«Es ist höchste Zeit, diese lange Leidensgeschichte zu beenden.»
Roger Martin, Stadtpräsident von Romanshorn.

Roger Martin, Stadtpräsident von Romanshorn.

Reto Martin

Weiterzumachen, auch mit den von Imhof vorgeschlagenen Massnahmen, ist nach Ansicht von Wyss extrem risikoreich. «Der Erfolg solcher Sanierungen ist in jedem Fall ungewiss.» Er sage es der Stimmbevölkerung mit seinem ganzen Experten-Herzen: «Beissen Sie in diesen sauren Apfel.»

Wyss zeigt auf, weshalb er den Anschluss an die Pensionskasse Thurgau per 1. Januar 2021 vorschlägt. Die Sanierungsbemühungen in der Vergangenheit hätten nicht gefruchtet. Nicht nur die Unterdeckung sei ein Problem, sondern auch die Teilkapitalisierung und die ungünstige Struktur mit einem hohen Rentneranteil. Die Offerte der Pensionskasse Thurgau sei nicht nur fair, sondern auch eine Chance, die so wahrscheinlich nicht wieder kommen werde.

Über die Vorlage stimmen die Romanshorner am 27. September ab. Weitere Infos in der Botschaft sowie hier.