Es geht abwärts: Wegen Corona und der Steuergesetzrevision fehlen Millionen an Steuereinnahmen in Kreuzlingen

Die Steuergesetzrevision und Corona belasten das Budget der Stadt Kreuzlingen für 2021. Aber man will und kann dennoch investieren.

Urs Brüschweiler
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Stadtpräsident Thomas Niederberger.

Stadtpräsident Thomas Niederberger.

(Bild: Andrea Stalder)

Rote Zahlen ist man sich in Kreuzlingen nicht mehr gewohnt. Die letzte Dekade war für die Stadt finanzpolitisch erfolgreich. Jetzt schlägt der Trend um, wie man dem vom Stadtrat vorgelegten Budget für 2021 entnehmen kann. Er rechnet nämlich mit einem Defizit von 2,8 Millionen Franken.

Dass es abwärts geht, zeigt auch der Blick aufs laufende Jahr. Eine halbe Million Franken Minus war für 2020 budgetiert. Das Defizit wird aber wohl über drei Millionen Franken liegen, wie Finanzchef Thomas Knupp errechnet hat.

Vorwiegend zwei Gründe lassen die Einnahmen schwinden: die Unternehmenssteuerreform und die Coronapandemie. Erstere hat ab 2020 Ertragsausfälle bei den Steuern von juristischen Personen von jährlich rund zwei Millionen Franken zur Folge. Zweitere schlägt voraussichtlich auch in Millionenhöhe zu Buche bei den Steuereinnahmen.

Wie lange und wie heftig der Einbruch sein wird, sei momentan aber noch schwierig abzuschätzen, sagt Stadtpräsident Thomas Niederberger. Ebenso wie die Entwicklung der Sozialhilfekosten, bei denen man erwartet, dass sich die Coronakrise erst zeitlich verzögert auswirken wird. Auf der Ausgabenseite hat man die Pandemie im Übrigen im Griff. Rund eine Viertelmillion Franken habe die Stadt die Sonderaufgaben in Bezug auf Corona bislang gekostet.

Erste Sparmassnahmen sind bereits eingeflossen

Die Defizite in den kommenden Jahren seien aber kein Grund zur Panik, sagt der Stadtpräsident. Dank der Überschüsse der letzten Jahre habe man eine solide Eigenkapitalbasis erwirtschaftet. Und der Stadtrat und die Verwaltung haben sich bereits mit Sparmassnahmen beschäftigt. Kurzfristige Massnahmen in der Höhe von rund 200'000 Franken seien bereits ins vorliegende Budget eingeflossen.

«Wir versuchen, das Defizit möglichst lange möglichst tief zu halten.»

Das sagen Niederberger und Knupp. Doch trotz der Verzögerungstaktik werde der Zeitpunkt, an dem man über eine Steuererhöhung nachzudenken müsse, kurz- bis mittelfristig kommen. Denn es stehen nach wie vor grosse Investitionen vor der Tür, an denen man nicht rütteln will.

Im Finanzplan 2021 bis 2024 sind knapp 120 Millionen Franken eingestellt. Fürs kommende Jahr im Budget ist ein Mitteleinsatz von knapp 27 Millionen Franken geplant. Verschiedene Strassenprojekte und das Hallenbad Egelsee stechen als grösste Positionen heraus.

Eines der neuen Projekte im Investitionsbudget für 2021: ein Badesteg im Freibad Hörnli, der das ganze Jahr für die Bevölkerung zugänglich wäre.

Eines der neuen Projekte im Investitionsbudget für 2021: ein Badesteg im Freibad Hörnli, der das ganze Jahr für die Bevölkerung zugänglich wäre.

(Bild: PD)

Aber auch für neue Projekte soll mit dem Budget der Weg geebnet werden, etwa ein neuer Steg im Freibad Hörnli. Dieser soll dann auch im Winter der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Der bestehende Betonschlipf ist nicht behindertengängig und es bestehe Rutschgefahr. Die Umnutzung des alten Entsorgungshofs, die Erweiterung des Hafenmeistergebäudes und der Ersatz der Autodrehleiter der Feuerwehr sind weitere der grösseren neu vorgesehenen Investitionen für 2021, die insgesamt knapp zehn Millionen Franken kosten.

Am kommenden Donnerstag wird der Kreuzlinger Gemeinderat über das Budget der Stadt beraten.