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«Es gab einen Chlapf und dann war Totenstille»: Vor 40 Jahren stürzte der Bussnanger Ganggelisteg ein

Am 3. Juli 1979 krachte der frisch renovierte Ganggelisteg bei Bussnang zusammen. Ein Fest zu dessen Renovierung gab es trotzdem - auch wenn der Steg noch im Thurbett lag.
Sabrina Bächi
Der Ganggelisteg lag nach dem Einsturz im Thurbett. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)

Der Ganggelisteg lag nach dem Einsturz im Thurbett. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)

Er ist die Golden-Gate Bridge von Bussnang: der Ganggelisteg. 1881/82 für rund 12000 Franken erbaut und von Beginn an bekannt für seine Schaukelfähigkeit, bietet der 1,2 Meter breite Steg über die Thur seither eine schnelle Verbindung zwischen Bussnang und Weinfelden.

Fast hundert Jahre blieb er so, bis das Sicherheitsrisiko Mitte der 1970er-Jahre zu gross wurde und eine Sanierung des Stegs beschlossen wurde. Obwohl der Steg seit Erbauung der Gemeinde Bussnang gehörte und sie entsprechend alle Sanierungen selbst hätte zahlen müssen, beteiligte sich Weinfelden am Renovierungsprojekt. Auch der Kanton war mit an Bord und der Heimatschutz attestierte «der einzigen Hängebrücke im Kanton» eine besondere Sehenswürdigkeit.

Das Sicherheitsrisiko war Ende der 1970er Jahre zu gross, sodass man nicht mehr auf dem Ganggelisteg schaukeln durfte. (Bild: PD/Albin De Boni)Das Sicherheitsrisiko war Ende der 1970er Jahre zu gross, sodass man nicht mehr auf dem Ganggelisteg schaukeln durfte. (Bild: PD/Albin De Boni)
Der Ganggelisteg liegt zerstört im Thurbett. Der Steg stürzte am 3. Juli 1979 ein. (Bild: PD/Albin De Boni)Der Ganggelisteg liegt zerstört im Thurbett. Der Steg stürzte am 3. Juli 1979 ein. (Bild: PD/Albin De Boni)
GanggelistegÜbersicht über den eingestürzten Steg (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)Ganggelisteg
Übersicht über den eingestürzten Steg (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)
GanggelistegPylonkopf über «Stahlgewirr». (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)Ganggelisteg
Pylonkopf über «Stahlgewirr». (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)
GanggelistegBruchstelle des Widerlagers. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)Ganggelisteg
Bruchstelle des Widerlagers. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)
GanggelistegBruchstelle des Widerlagers. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)Ganggelisteg
Bruchstelle des Widerlagers. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)
GanggelistegLage des Pylonenfusses nach dem Einsturz. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)Ganggelisteg
Lage des Pylonenfusses nach dem Einsturz. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)
GanggelistegGebrochenes Widerlager. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)Ganggelisteg
Gebrochenes Widerlager. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)
GanggelistegBrücke «hängt »an den Seilen. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)Ganggelisteg
Brücke «hängt »an den Seilen. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)
GanggelistegUmgekippter Pylon, auf Brücke liegend. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)Ganggelisteg
Umgekippter Pylon, auf Brücke liegend. (Bild: PD/Gemeindearchiv Bussnang)
(Bild: PD/Albin De Boni)(Bild: PD/Albin De Boni)
(Bild: PD/Albin De Boni)(Bild: PD/Albin De Boni)
Der Bussnanger Pfeiler ist komplett eingebrochen. (Bild: PD/Albin De Boni)Der Bussnanger Pfeiler ist komplett eingebrochen. (Bild: PD/Albin De Boni)
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Totalschaden: Bilder des eingestürzten Ganggelistegs in Bussnang

Für 200000 Franken sollte der Steg also renoviert werden. Alles lief bestens und bereits wurde im Dorf ein grosses Fest zur Einweihung des Stegs geplant.

Kurt Künzler, OK-Präsident des Ganggelisteg-Festes (Bild: Sabrina Bächi)

Kurt Künzler, OK-Präsident des Ganggelisteg-Festes (Bild: Sabrina Bächi)

Kurt Künzler amtete damals als OK-Präsident des «Ganggelistegfäschts» und erinnert sich noch gut an das Telefon des damaligen Gemeindeammann Heinrich Hablütztel. Am 3. Juli, kurz nach Mittag klingelte Künzlers Telefon:

«Heinrich Hablütztel sagte: Kurt, wir können das Fest nicht machen, der Ganggelisteg ist eingebrochen.»

Sofort hat Künzler das OK zusammengetrommelt und am gleichen Abend haben sie den Entschluss gefasst: «Wir führen das Fest trotzdem durch.» Denn organisiert war schon alles.

Bauarbeiter wollten Schräglage korrigieren

Der renovierte Steg war an besagtem 3. Juli 1979 schon fast fertig gebaut. «Der eine Pylon auf der Bussliger-Seite stand anscheinend schräg», erzählt Hubert Haag, ehemaliger Grundbuchverwalter in Bussnang und damaliger Festkassier.

Hubert Haag, Festkassier des Ganggelisteg-Festes. (Bild: Sabrina Bächi)

Hubert Haag, Festkassier des Ganggelisteg-Festes. (Bild: Sabrina Bächi)

Die Bauarbeiter wollten die Schräglage korrigieren und zogen mit einem Flaschenzug am Pylon, also an einem der beiden hohen Pfosten, an denen die Brücke aufgehängt ist. Haag erzählt:

«Ein Bauer, der dort in der Nähe arbeitete, erzählte mir, es habe einen riesen Chlapf gegeben und dann eine Totenstille geherrscht. Die Bauarbeiter waren wie erstarrt, denn die Brücke lag komplett zerstört im Thurbett. Die Erschaffer haben ihr eigenes Werk zerstört.»

Neubau statt Sanierung

Akten aus dem Gemeindearchiv zeigen, dass der Zusammenbruch von einem Fachexperten der ETH Zürich untersucht wurde. Dieser kommt zum Schluss, dass das Seil über den Pylonenkopf eingeklemmt sein müsse, was mit dem neu verwendeten Material Neoprene nicht möglich war. Zudem müssten Horizontalkräfte auf die Pylonen über eine entsprechende Abspannung aufgenommen werden.

Die Bauarbeiter hätten nicht an den Seilen ohne Montageverankerung ziehen dürfen, heisst es in dem Bericht. Der Experte kommt zum Schluss, dass «der bestehende Thursteg in nächster Zeit durch einen vollständigen Neubau ersetzt werden muss». Das hingegen geschah nicht so schnell und als das Ganggelistegfäscht Ende August und Anfang September gefeiert wurde, lag die Brücke immer noch im Thurbett.

Kaputter Ganggelisteg war eine Attraktion

«Viele Besucher haben darüber gelacht, aber es war eine Attraktion», sagt OK-Chef Kurt Künzler. Der Besucherstrom ging gar nicht zu Ende, das schreibt auch die Thurgauer Zeitung 1979: «Bald einmal hiess es denn auch <Ausverkauft> im 1500 Sitzplätze fassenden Zelt.»

Nebst der kaputten Brücke und dem Wetterglück, hätten auch Kliby und Caroline zu dem hohen Besucheraufmarsch beigetragen, sind sich Haag und Künzler einig. Doch das Angebot an Attraktivitäten war auch sonst gross: Helikopterrundflüge, Pfeilbogenschiessen oder Ponyreiten standen auf dem Programm.

Die Erinnerungen an den zusammengestürzten Ganggelisteg und an das Stegfest ohne Steg haben die beiden Männer positiv in Erinnerung. «Wir Bussliger waren ja nicht Schuld, wir konnten darüber lachen», sagt Hubert Haag.

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