Amriswiler Erzählstunden sind noch immer beliebt

Seit zwei Jahrzehnten sorgt das Team des Ortsmuseums für spannende Erzählstunden zur Geschichte der Stadt. Die Besucher kamen am Museumssonntag in den Genuss einer unterhaltsamen Jubiläumsfeier.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Besucher und Mitwirkende stossen auf die vergangenen 20 Jahre an. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Besucher und Mitwirkende stossen auf die vergangenen 20 Jahre an. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

«Wir machen das Fenster auf zur Vergangenheit», sagte Ortsmuseumspräsident Eugen Fahrni vor 20 Jahren. Im Jahre 1999, als die Bevölkerung das 1200-jährige Bestehen des Ortes Amriswil feierte, trug das Team des Ortsmuseums mit mehreren Anlässen zum Gelingen bei. Unter anderem luden die Museumsleute – damals am Samstagvormittag–Amriswilerinnen und Amriswiler ein, die aus ihrem Leben und von ihren Erfahrungen erzählten. Am Museumssonntag wurde das 20-Jahr-Jubliäum der Erzählstunden im Ortsmuseum Amriswil gefeiert – mit Erzählungen von anno dazumal und einem Glas spritzigen Cocktail.

«Der Erzähler sass jeweils in einem grossen Fauteuil hinter einem Fenster, das zu Beginn der Erzählstunde geöffnet wurde», erklärt Eugen Fahrni. Die Erzählungen, für die das Fenster zur Vergangenheit geöffnet wurde, sind vor 20 Jahren auf Band aufgenommen und kürzlich digitalisiert worden. Einige Sequenzen von damaligen Erzählerinnen und Erzählern wurden am Sonntagnachmittag abgespielt. Sie entlockten dem Publikum immer wieder ein Lachen, und manche Erinnerungen wurden geweckt.

Erinnerung an Traktor mit Holzvergaser

Der erste Erzähler vor 20 Jahren war Altgemeindeammann Ernst Bühler. Der Amriswiler erzählte, dass seine Generation grosse technische Entwicklungen miterlebt hatte. Er erinnerte sich an seine Kindheit – aufgewachsen in einem Dorf, in dem es gerade mal einen Traktor gab. Dieser wurde noch mit einem Holzvergaser betrieben, denn Diesel war zu dieser Zeit kaum zu bekommen. Es sei völlig unvorstellbar gewesen, je eine Kommunikation via Computer per E-Mail zu führen.

Unter den Besuchern war auch Esther Laib-Schoop anwesend – eine der Erzählerinnen von damals. Sie sprach vor 20 Jahren unter anderem von der Kriegszeit, als der Frauenverein Suppe für Benachteiligte gekocht hatte.

Fast 200 Erzählstunden

1999 waren es insgesamt 41 Erzählerinnen und Erzähler – bis zum heutigen Tag gab es 193 Erzählungen. Seit Anfang mit dabei sind Ortsmuseumsmitglied Vreni Aepli und Ortsmuseumspräsident Eugen Fahrni.

Auf die Frage, was sich in all den Jahren an den Erzählstunden verändert hat, sagte Eugen Fahrni: «Früher waren es meistens persönliche Erzählungen. Heute werden vor allem Geschichten zur Geschichte von Amriswil und der Umgebung vorgetragen, zu denen die Erzähler auch selbst geforscht und recherchiert haben.» Die Erzählungen finden inzwischen jeweils am ersten Sonntag im Monat statt. Eines ist unverändert geblieben: Die Erzählstunden erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit.