Erster Fall
Toter Schwan am Seerhein gefunden – die Vogelgrippe erreicht den Bodensee

Erster Fall von Vogelgrippe im Landkreis Konstanz nachgewiesen. Am Seerhein wurde ein toter Schwan gefunden.

Vera Pache
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Durch das derzeit grassierende Vogelgrippevirus sind vor allem Wild- und Wasservögel gefährdet.

Durch das derzeit grassierende Vogelgrippevirus sind vor allem Wild- und Wasservögel gefährdet.

Bild: Reto Martin (Altnau, 28.12.2017

Ein toter Schwan liegt am Ufer des Seerheins in Konstanz. Der weisse Vogel ist aber nicht erfroren, verhungert oder einem Raubtier zum Opfer gefallen. Gestorben ist der Vogel im Landkreis Konstanz an der aviären Influenza, besser bekannt als Geflügelpest oder Vogelgrippe.

Das Tier wurde in der vergangenen Woche tot am Seerhein in Konstanz gefunden. Laboruntersuchungen haben jetzt bestätigt, dass der Schwan mit dem Subtyp H5 der Geflügelpest infiziert war. «Das Risiko weiterer Geflügelpestausbrüche bei Wildvögeln ist damit im Land weiterhin als hoch einzustufen», heisst es in einer Pressemitteilung vom Landwirtschaftsministerium in Stuttgart.

Gefährlich für Wild- und Wasservögel

Die Geflügelpest ist eine Krankheit, die durch Viren ausgelöst wird. «Betroffen sind vor allem Wasservögel und Aasfresser», sagt Wolfgang Fiedler, Wissenschaftler am Max Planck Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell. Aasfresser infizieren sich, wenn sie einen infizierten, toten Vogel fressen. Manche Vögel sterben sofort. Problematisch sind jedoch die Tiere, die nicht sterben und das Virus weitertragen. Manchmal über weite Strecken. Wolfgang Fiedler:

«Die aktuelle Variante ist nur für Vögel gefährlich, vor allem für Wild- und Wasservögel»

Anders als bei dem Virus-Typ in den Jahren 2005/2006 – damals war eine Variante der Geflügelpest im Umlauf, die auch für Menschen ansteckend war. Dieses Jahr seien zum Beispiel viele Wildgänse, Enten oder Möwen betroffen. Auch Nutzgeflügel ist gefährdet. Vor allem vermuten Forschende, dass das Virus – wenn es etwa in einer Geflügelhaltung ausbricht – mutieren und aggressiver werden kann.

Landwirtschaftsministerium mahnt zur Vorsicht

«Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter werden aufgerufen, ihre Tiere bestmöglich vor einem Seucheneintrag über Wildvögel zu schützen», heisst es in der aktuellen Pressemitteilung vom Landwirtschaftsministerium. Soweit es möglich sei, sollten die Tiere im Stall oder unter Schutzvorrichtungen gehalten werden, um Kontakte zwischen Geflügel und Wildvögeln zu vermeiden.

Wenn Futter oder Stroh offen gelagert wird, könnte es ausserdem passieren, dass ein infizierter Wildvogel Kot hinterlässt und damit auch das Virus. Deswegen werden Geflügel- und Vogelhalter auch hier zur Vorsicht aufgerufen.

Wer im Garten einen Futterplatz für Amseln, Meisen und andere Vögel hat, braucht sich übrigens nicht zu sorgen, sagt Wolfgang Fiedler:

«Bei all diesen kleinen Vögeln scheint die Vogelgrippe keine Rolle zu spielen.»

Im Sommer waren erste Vogelgrippe-Fälle im Grenzgebiet zu Kasachstan aufgetreten. Zu dem Zeitpunkt sei es bereits klar gewesen, dass das Virus früher oder später auch an den Bodensee kommen würde. «Eine Ente kann diese Strecke in zwei bis drei Tagen fliegen», sagt Fiedler, «Enten fliegen problemlos 1000 Kilometer am Tag.»

Mit den Zugvögeln wird das Virus weitergetragen, vor allem im Winter. Um diese Jahreszeit ist es üblich, dass Wasservögel aus Finnland oder aus Sibirien – wenn es dort bitterkalt wird – in mildere Gebiete nach Süden und Westen ziehen. In Norddeutschland konnten Experten Ende Oktober erste Fälle der Vogelgrippe nachweisen. Ende Dezember wurde das Virus bei einem schwer erkrankten Mäusebussard in Donaueschingen festgestellt und jetzt bei dem toten Schwan in Konstanz.

Tote Vögel besser nicht anfassen

Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich weiter verbreitet, wird als hoch eingestuft. Deswegen rufen die Behörden dazu auf, tote Vögel zu melden. Vor allem solche Vögel, bei denen nicht offensichtlich ist, woran sie gestorben sind. Die Gemeinden im Landkreis Konstanz sind dann dafür zuständig, einen gemeldeten, toten Vogel einzusammeln und zum Veterinäramt zu bringen. «Die Vögel werden dann betupfert», erklärt Stefanie Fuhrmann vom Veterinäramt am Landratsamt. Ähnlich wie bei den Coronatests wird mit einem Wattestäbchen ein Abstrich im Schnabel, beziehungsweise Rachen des Tieres gemacht. Ein zweiter Abstrich in der Kloake, also im Hinterteil. Die Mitarbeitenden vom Veterinäramt schicken die Wattestäbchen dann an das Chemische Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg. Dort wird ein PCR-Test gemacht. Nach ein bis zwei Tagen hat das Veterinäramt dann ein Ergebnis. Beim toten Schwan vom Seerhein war es positiv.

Auch wenn das aktuelle Virus für Menschen nicht gefährlich ist: Wolfgang Fiedler rät, wer einen toten Vogel findet, sollte ihn nur anfassen, wenn es unbedingt sein muss. Und dann auch nur mit Handschuhen. Anschliessendes Händewaschen sei Pflicht.

Nicht auf Menschen übertragbar

Das Friedrich-Löffler-Institut, das Bundesinstitut für Tiergesundheit schreibt, dass es bei den aktuellen H5-Viren keine Hinweise darauf gibt, dass sie den Menschen infizieren können. Es handelt sich also nicht um zoonotische Viren. Mit den für den Menschen gefährlichen H5N1-Viren, die in den Jahren 2006/2007 auch in Europa auftraten, sind die aktuellen H5-Viren nur weitläufig verwandt. (vp)