Interview

Ernst Zülle zu seiner Abwahl: «Ich kandidiere sicher nicht mehr»

Der Kreuzlinger Stadtrat ist am Sonntag nicht wieder in den Grossen Rat gewählt worden. Er nimmt es gelassen.

Martina Eggenberger Lenz
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Ernst Zülle, abgewählter Kantonsrat.

Ernst Zülle, abgewählter Kantonsrat.

(Bild: Andrea Stalder)

Haben Sie damit gerechnet, dass es für Sie mit der Wiederwahl knapp werden könnte?

Womit ich gerechnet habe, ist, dass Sandra Stadler mich stimmenmässig überholt. Sie lag vor vier Jahren nur 100 Stimmen hinter mir. Nun hat sie einen super Wahlkampf gemacht, war sehr präsent. Hut ab! Ich habe ihr schon vor einiger Zeit gesagt: Wenn du mich überholst, dann mag ich dir den Sitz von Herzen gönnen.

Sind Sie enttäuscht darüber, dass es Ihnen nicht gereicht hat?

Ich bin enttäuscht, dass die CVP den Wackelsitz, der ihr vor vier Jahren dank einer Listenverbindung zufiel, nicht halten konnte, ja. Es wäre schön gewesen, wenn es für Sandra Stadler gereicht hätte.

Wie schlimm ist für Sie die Abwahl? Waren Sie gerne Mitglied des Grossen Rates?

Ich bin ja vor einem Jahr etwas überraschend nachgerückt. In der Zeit, in der ich dabei war, konnte ich einen Einblick gewinnen. Ich muss ganz ehrlich sagen: Es hat mir nicht alles gefallen. Zum Beispiel, dass einige Ratsmitglieder weiss ich was machen, statt zuzuhören. Im Nachhinein muss ich sagen, es wäre wohl besser gewesen, ich hätte das Nachrücken damals ausgeschlagen und direkt Sandra Stadler den Sitz überlassen. So hätte Sie als Bisherige ins Rennen steigen können.

Als Mitglied des Stadtrates waren Sie auch Vertreter der Stadt Kreuzlingen im Kantonsparlament. Konnten Sie sich in der kurzen Zeit für Kreuzlinger Anliegen einsetzen?

Ja, ich habe mich bei den Ladenöffnungszeiten gegen eine Einschränkung eingesetzt, zu Gunsten der Kreuzlinger Detaillisten. Oder als es darum ging, das Stellenetat im DBU zu erhöhen. Weil ich als Stadtrat sehe, wie mühsam es ist, dauernd vom Kanton vertröstet zu werden. Die Bearbeitungsdauer ist viel zu lang – sie brauchen das Personal. Und natürlich habe ich an vorderster Front gegen die Steuergesetzrevision gekämpft, weil ich weiss, wie schlecht diese für die Finanzen der Stadt ist.

Hat Sie dieses Engagement Stimmen gekostet?

Im bürgerlichen Lager sehr wahrscheinlich. Ich hätte eigentlich deutlich mehr Stimmen machen müssen. Das tönt jetzt alles ein bisschen so, als wären Sie nicht so betrübt über die Abwahl. Ich gewinne mehr Zeit für die Stadt und die Familie. Der Einblick in die Kantonalpolitik war wertvoll, ich werde die Debatten mit anderen Augen verfolgen. Was ich ausschliesse ist, dass ich in vier Jahren noch einmal kandidiere. Ich werde dann 64 sein. Aktive Politik im Rat soll im Erwerbsalter gemacht werden.

Wie schlimm ist es, dass die Kreuzlinger Exekutive nicht mehr im Rat vertreten ist?

Ich bedaure, dass Markus Brüllmann knapp nicht gewählt worden ist und dass Thomas Niederberger den Sprung nicht geschafft hat. Es ist störend, dass im Rat Personen sind, die nie einen Piep machen, während andere tatsächlich etwas zu sagen hätten. 

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