Ernst Frei würde den Streit um die Gelder der Arboner Saurer Pensionskasse gerne ans Bundesgericht weiterziehen - Doch er braucht Hilfe

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Klange der ehemaligen Saurermitarbeiter vollumfänglich abgewiesen. Der ehemalige Leiter der Pensionskasse will aber weiterkämpfen .

Markus Schoch
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Bei Saurer in Arbon stehen Forderungen im Raum.

Bei Saurer in Arbon stehen Forderungen im Raum.

Patrick Luethy

Der bald 89-jährige Steinacher ist enttäuscht vom Bundesverwaltungsgericht. Dieses hat letzte Woche die Klage von ihm und weiteren ehemaligen Mitarbeitern von Saurer vollumfänglich abgewiesen. Diese werfen der Pensionskasse vor, die Rentner zwischen 1996 und 2017 um rund 200 Millionen Franken betrogen zu haben.

Das Bundesverwaltungsgericht habe sich in den letzten zweieinhalb Jahren gar nicht richtig mit dem Fall befasst, ärgert sich Ernst Frei.

«Es hat nur Pöstler gespielt und sich die Zahlen gar nie angeschaut.»

Stattdessen hätten sich die Richter einfach nur auf die Stiftungsaufsicht gestützt, gemäss deren Einschätzung immer alles korrekt verlaufen sei und kein Handlungsbedarf bestehe. Für Frei ein Hohn: Es sei naiv anzunehmen, die Stiftungsaufsicht als Kontrollorgan der Pensionskasse würde sich selber beschuldigen, einen Fehler gemacht zu haben. Nach Meinung von Frei macht es sich das Bundesverwaltungsgericht damit viel zu einfach.

Er würde den Fall deshalb gerne ans Bundesgericht weiterziehen. Sein Problem: Er kann sich nicht Zehntausende von Franken für einen Anwalt leisten, den er bräuchte, damit formal alles seine Richtigkeit hat. «Den Inhalt kann ich schon liefern. In der kurzen Zeit, die zur Verfügung steht, kann das ohnehin niemand anders.» Die Beschwerdefrist läuft noch bis Ende Monat.

Er leitete selber zehn Jahre die Pensionskasse

Frei beschäftigt sich nicht erst seit kurzem mit der Pensionskasse der Firma Saurer. Er leitete sie von 1985 bis 1995. Als erste Klagen kamen, einzelne Pensionäre käme zu kurz, vertiefte er sich in die Bilanzen und stellte fest, dass die Zahl der Versicherten von 2030 im Jahr 1996 auf 900 im Jahr 2017 sank und das Vermögen gleichzeitig von 224 auf fast 332 Millionen stieg. «Ursache für die auseinanderlaufende Entwicklung ist die zu tiefe Verzinsung des Rentendeckungskapitals und in der Folge zu tiefe Renten.» Rund 200 Millionen Franken hätten er und die anderen Saurer-Angestellten zugute, hat Frei ausgerechnet.

«Bis heute hat mir niemand erklären können, wie man mit einer so stark sinkenden Zahl von Versicherten so viel Geld verdienen kann.»

Frei hat wiederholt vorgeschlagen, dass die Pensionskasse den noch lebenden Rentnern wie seinerzeit beim Grounding der Swissair eine angemessene Nachzahlung macht und mit dem restlichen Geld von wahrscheinlich weit über 100 Millionen Franken eine Stiftung gegründet wird, die älteren Menschen aus der Region in Notlagen hilft. «Bis heute hat leider niemand auf diesen Vorschlag reagiert.» Allein wegen dieser Ignoranz ist Frei entschlossener denn je, weiter zu machen.

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