Ernst Bühler, ein Diener für die Gemeinschaft

Zum Gedenken an den ehemaligen Amriswiler Gemeindeammann und Grossratspräsidenten Ernst Bühler, der am 13. September verstorben ist.

Eugen Fahrni
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Ernst Bühler verstarb am Freitag, 13. September 2019, kurz nach seinem 87. Geburtstag. (Bild: Nana do Carmo; 14. April 2005)

Ernst Bühler verstarb am Freitag, 13. September 2019, kurz nach seinem 87. Geburtstag. (Bild: Nana do Carmo; 14. April 2005)

Aus allen Teilen des Kantons Thurgau, ja aus vielen Teilen der Schweiz waren zahlreiche Trauernde am Mittwoch nach Amriswil angereist, um vom verstorbenen Ernst Bühler Abschied zu nehmen. Sie alle trauern mit seiner Gattin Alice, seinen Kindern, Enkelkindern, Schwiegertöchtern und -söhnen und der Amriswiler Bevölkerung um den Verlust des beliebten ehemaligen Gemeindeammanns.

Unter den Trauernden waren auch zahlreiche Weggefährten aus Beruf, Politik, Schwing- und Turnsport. Gut betreut von seinen Angehörigen und dem Pflegepersonal im Alters- und Pflegeheim Amriswil APZ liessen seine Kräfte in den vergangenen Wochen und Monaten stetig nach, während die Verwirrtheit zunahm.

Erfolgreich und populär

Der Tod erlöste Ernst Bühler am Freitag, 13. September 2019 von seinen Leiden. Ernst Bühler war besonnen, ausgleichend und verantwortungsbewusst. Diese Charakterzüge haben den Verstorbenen zu einem erfolgreichen und beliebten Politiker gemacht, der nichts mehr wollte, als der Gemeinschaft dienen.

Dazu kommt, dass Ernst Bühler fast nicht Nein sagen konnte, wenn er für ein Mitwirken für die Gemeinschaft angefragt wurde. Das begann schon, als er in der Amriswiler Feuerwehr für das Amt des Kommandanten angefragt wurde und fand eine Fortsetzung 1973 für eine Kandidatur als Kantonsrat, dann als Vorsteher der Ortsgemeinde Amriswil, als Gemeindeammann der Munizipalgemeinde, danach als Gemeindeammann der Einheitsgemeinde Amriswil.

Thurgauer Parlamentspräsident

Schliesslich übernahm er auch das Präsidium des Grossen Rates, als er sozusagen zum «höchsten Thurgauer» gewählt wurde. Weiter berief ihn seine Partei, die Schweizerische Volkspartei, 1988 zum Präsidenten der Kantonalsektion.

Alle diese Aufgaben bewältigte Ernst Bühler mit Bravour, mit Sachverstand, mit Gespür für das Machbare und mit Respekt vor Andersdenkenden. Auch deshalb wurde er immer zum Mitwirken für die Gemeinschaft angefragt. Dabei blieb er sich immer treu: bescheiden, volksnah, bodenständig.

Sohn eines Schmieds aus Braunau

Geboren wurde Ernst Bühler am 3. September 1932 im thurgauischen Braunau. Er wuchs zusammen mit acht Geschwistern auf. Der Vater war von Beruf Schmied. In Braunau ging Ernst Bühler zur Primarschule, in Affeltrangen in die Sekundarschule.

Die enge Bindung zur Familie und zu den Eltern als gute Vorbilder führten ihn ebenfalls ins Schmiede-Handwerk. Im April 1948 zog die Familie Bühler aus Braunau weg nach Amriswil in den Ortsteil Köpplishaus, wo Ernsts Vater die dortige Schmiede übernehmen konnte.

Mit seinem Bruder Jakob führte Ernst die Schmiede weiter. Die beiden Berufsleute entwickelten die Werkstatt zu einem erfolgreichen Metallbau- und Landmaschinen-Unternehmen, das heute von Ernst Bühler junior geführt wird.

In seiner Familie und in dieser gewerblich-handwerklichen Umgebung entwickelte sich bei Ernst Bühler das Gefühl für Verantwortung, Leistungsbereitschaft, Sachverstand und Gemeinschaft. Ernst Bühler und Alice Rutishauser, letztere geboren und aufgewachsen in Frauenfeld, heirateten im Jahr 1957.

Errichtung der Alterssiedlung

Dem Ehepaar Bühler-Rutishauser wurden sieben Kinder geschenkt und sie führten im wörtlichen Sinne eine glückliche Ehe. In der Bevölkerung hatte Ernst Bühler das Charisma eines Gemeindevaters. In seinem Amt galt er als zielstrebig. So war es möglich, dass fast alle Abstimmungen in seiner Amtszeit positiv endeten.

Zu den grösseren Projekten, die das Gesicht Amriswils nachhaltig veränderten, gehörte der Bau der Alterssiedlung mit über 60 Wohnungen. Bedeutend war auch im Jahr 1979 die Verkehrssanierung und Neugestaltung des Marktplatzes, der damals als gefährlichste Strassenkreuzung im Kanton galt.

Positiv zu Ende geführt wurden in der Zeit von Ernst Bühler als Gemeindeammann auch die Eingemeindung und der Zusammenschluss zur Einheitsgemeinde Amriswil. Während seiner Ägide gelang es auch, einige Schiessanlagen aufzuheben und die Regionale Schiessanlage Almensberg (RSA) zu erstellen.

Unterstützung durch Familie und Verwaltung

Das sind nur einige markante Spuren, die bis heute im positiven Sinne nachwirken. Natürlich gäbe es noch viel mehr aufzuzählen. Doch das wäre wohl nicht im Sinne des Verstorbenen, der stets betonte, trotz positiven Erfolgen wolle er zurückhaltend sein und bescheiden bleiben.

Die Erfolge in seiner Zeit seien nie allein durch ihn erfolgt, erklärte er immer wieder. Seine Familie, insbesondere seine Gattin Alice, erwähnte er jeweils stets an erster Stelle. Dank ihrem Rückhalt und der Unterstützung durch viele Gutgesinnte sei es ihm möglich gewesen, sich voll und ganz für die Gemeinschaft einzusetzen.

Immer wieder erwähnte Ernst Bühler im Gespräch die beispielhafte und loyale Unterstützung der Verwaltung im Gemeindehaus. Ruhig, bestimmt, verständnisvoll und hilfsbereit sei die Tonart in der Verwaltung gewesen, sagte einst der ehemalige Gemeindeschreiber Martin Rüthemann.

Verdientes Ehrenbürgerrecht

Kurz nach seinem Rücktritt und seiner Pensionierung nach 22 Jahren als Gemeindeammann dankten ihm und seiner Frau Alice die Stimmbürger an der Gemeindeversammlung mit der verdienten Verleihung des Ehrenbürgerrechts.

Sein Nachfolger, Peter Kummer, begründete die Verleihung wie folgt: «Bescheiden und selbstbewusst ist Ernst Bühler stets seinen Weg gegangen, ohne jeweils den Kontakt zur Basis zu verlieren. Mit seiner Frau im Rücken, die bedingungslos, nicht aber ohne Kritik zu ihm hielt, ging er konsequent einen Weg, den er für Amriswil als den besten hielt.»

Typisch für den Geehrten war sein Dank für die Ehrung: «Die Leistungen waren nur möglich, weil die Amriswiler mir immer wieder das Vertrauen geschenkt und konkrete Projekte bewilligt haben. Die besondere Ehre fällt mir stellvertretend für alle zu, die mit mir immer wieder am selben Strick gezogen haben. Anerkennung verdienen auch die Gemeinderäte und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, die mich bei meiner Aufgabe unterstützt haben.»

Autor Eugen Fahrni war viele Jahre lang Redaktor in Amriswil und zudem auch Ernst Bühlers Vizegemeindeammann im Amriswiler Gemeinderat.