Ermatinger Hausbesitzer verbreitet Einbrecher-Video: «Es geht um mehr als das Diebesgut»

Als Diebe am Donnerstag in Ermatingen in sein Haus einbrechen, werden sie von einer Überwachungskamera gefilmt. Der Hausbesitzer verbreitet die Aufnahme im Netz und löst eine Welle der Solidarität aus. Bei der Kantonspolizei Thurgau ist man nicht restlos begeistert.

Oliver Kerrison
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Auf frischer Tat gefilmt: Einbrecher am Donnerstag in Ermatingen. (Bild: pd)

Auf frischer Tat gefilmt: Einbrecher am Donnerstag in Ermatingen. (Bild: pd)

Erst realisierte er gar nicht, was passiert ist. Als der Hausbesitzer am Donnerstagabend von der Arbeit heimkehrte, stösst er auf zerschlagene Fensterscheiben. Diebe hatten Schmuck, Uhren und Bargeld entwendet. Der Hausbesitzer alarmierte umgehend die Polizei und verliess das Haus, um die Spurensicherung nicht zu erschweren.

Mit dem Eintreffen der Polizei bemerkte der 48-Jährige, dass eine Überwachungskamera die Diebe im Blickfeld hatte. Zwar hätten sie die Kamera mitlaufen lassen, doch dank dem Bewegungsmelder sei die Tat via Smartphone aufgezeichnet worden. Für den Hausbesitzer seien die Aufnahmen verstörend und erleichternd gleichzeitig gewesen. «Es ist ein glücklicher Zufall, dass die Täter so deutlich zu erkennen sind», sagt er gegenüber Tagblatt Online.

Welle der Solidarität

Skrupel, die Videoaufnahme im Netz zu teilen, habe er als Bestohlener keine gehabt. «Die Persönlichkeitsrechte der Täters stehen meiner Meinung nach nicht über dem Recht von uns Geschädigten und der Bevölkerung», sagt er. Ihm sei es deshalb ein Anliegen gewesen, dass sich die Aufnahmen rasch verbreiten würden. Mit den mehreren hundert Usern, die das Video innert kürzester Zeit geteilt haben, hätte er aber nicht gerechnet. Drei konkrete Anhaltspunkte zu den Tätern, die ihm bisher zugeschickt wurden, habe er direkt der Kantonspolizei Thurgau weitergeleitet. «Jetzt sollen die Professionellen übernehmen», sagt der 48-Jährige.

Fahndung ist Sache der Polizei

Bei der Kantonspolizei Thurgau ist bis Sonntagabend ein erster Hinweis aus der Bevölkerung eingegangen. Wie heiss der Tipp sei, müsse nun geprüft werden. «Die Ermittlungsarbeiten laufen», sagt Mediensprecher Daniel Meili gegenüber Tagblatt. Auch Kriminaltechniker seien involviert. Man gehe davon aus, dass das Video authentisch ist. Dennoch betont Meili: «Die Verbreitung des Videos auf eigene Faust ist nicht optimal, weil die Fahndung Sache der Polizei ist.» Der Hausbesitzer habe aber grundsätzlich nicht verboten gehandelt.

«Ich glaube, ich habe verhältnismässig reagiert», sagt der Bestohlene. Sollte der Fall für ihn rechtliche Konsequenzen haben, könne er gewissermassen sogar leben damit. «Mir geht es nicht um das Diebesgut, sondern um die Sicherheit an sich», betont er. Die entwendete Überwachungskamera hat der Hausbesitzer inzwischen ersetzt. Für die Zukunft will er mit einer Direktleitung zur Polizei aufrüsten. 

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