Ermatinger Ferienhaus in Luzein: Genossenschaft übernimmt den Betrieb

Die evangelische Kirchgemeinde verkauft die Liegenschaft «Cresta». Ausserdem reduziert sie die Anzahl ihrer Behördenmitglieder.

Margrith Pfister-Kübler
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Blick in die Kirche Ermatingen.

Blick in die Kirche Ermatingen.

Reto Martin

«Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist», so zitierte Pfarrer Marc Mettler aus dem Philipperbrief zur Eröffnung der Versammlung von Evangelisch Ermatingen. Ganz in diesem Sinne führte ad interim Kirchenpräsidentin Ines Keller durch die Kirchenversammlung, zu der von 1566 Kirchbürgern 48 gekommen sind.

Es sei gleich vorweg gesagt: Ines Keller tritt bei den Gesamterneuerungswahlen im nächsten Mai nicht mehr an; sie geht in Mutterschaftsurlaub. Oliver Schmid hat seinen Rücktritt bereits dieses Jahres eingereicht, auch Steve Schulz tritt zurück.

Weniger ist manchmal mehr

Dieser Entwicklung trug der Antrag auf die Änderung der Gemeindeordnung Rechnung, die Anzahl der Mitglieder der Kirchenvorsteherschaft von sieben bis zehn neu auf fünf bis sieben zu ändern. Der Antrag wurde einstimmig genehmigt, ebenso wie der Antrag, für die Amtsperiode 2020 bis 2024 nur fünf Mitglieder zu wählen.

Das Budget 2020 mit einem Steuerfuss von 15 Prozent rechnet mit einem Defizit von 28000 Franken, dies bei einem Ertrag von 1,22 Millionen und einem Aufwand von 1,25 Millionen Franken. «Durch das angesparte Eigenkapital können wir das geplante Defizit gut verkraften», sagte die Kirchenpflegerin Caroline Hoffmann-Baro. Einstimmig wurde das Budget für das nächste Jahr genehmigt.

Das der Kirchgemeinde gehörende Ferienhaus Cresta in Luzein (GR) beschäftigt die Kirchbürger seit längerer Zeit. Das heute 403-jährige, denkmalgeschützte Haus konnte vor 55 Jahren zu einem Preis von 80000 Franken erworben werden, wie Marco Dübendorfer, ehemaliges Mitglied der Kirchenvorsteherschaft, erläuterte. Es müssten rund 400000 Franken investiert werden, um die Bausubstanz erhalten zu können. Das Ferienheim ist schlecht ausgelastet. Die Einnahmen decken knapp die laufenden Kosten.

Firma kauft, Genossenschaft betreibt

Im Jahr 2017 hat die Versammlung die Finanzierung von Renovationen klar abgelehnt. Um «Cresta» in eine gute Zukunft zu überführen, wurden viele Ideen gekoppelt und ein Konzept erarbeitet, wie das Haus zum Buchwert an die neu zu gründende Cresta GmbH zu verkaufen. Diese GmbH verpflichtet sich, die Liegenschaft der Genossenschaft Cresta zu vermieten, welche das Ferienheim künftig betreiben wird. Der Verkaufspreis liegt bei gerundeten 652500 Franken.

Die Genossenschaft ist für Betrieb und Unterhalt zuständig und rekrutiert Mitglieder, die Genossenschaftsscheine für 500 Franken erwerben können. Für die Finanzierung der GmbH sind maximal fünf Eigentümer vorgesehen, die sich mit je 140000 Franken langfristig engagieren. Die GmbH vermietet das Haus zu Selbstkosten an die Genossenschaft. Aufgrund des Gesetzes über das bäuerliche Land- und Bodenrecht darf das Land nicht verkauft werden. Das Pachtland muss deshalb abgetrennt werden und verbleibt bei der Kirchgemeinde.

Mit 44 Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde dem Verkauf des Ferienheims Cresta an die neu zu gründende Cresta GmbH zugestimmt. Diese GmbH verpflichtet sich statuarisch, die Liegenschaft einer ebenfalls neu zu gründenden Genossenschaft Cresta zu vermieten, welche das Ferienheim künftig betreibt.

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