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Ermatingens Pappeln sind keine ewigen Wahrzeichen

Die Fällung der Pappeln auf der Hornwiese hatte im Dorf für Aufsehen gesorgt. Gartenbauer René Singer verteidigt das Vorgehen und gibt einen Einblick in die Geschichte der Bäume.
Urs Brüschweiler
Gemeinderat Thomas Ribi und Gartenbauer René Singer unter der neuen Hängeulme. (Bild: Reto Martin)

Gemeinderat Thomas Ribi und Gartenbauer René Singer unter der neuen Hängeulme. (Bild: Reto Martin)

René Singer kennt die Ermatinger Botanik. Beim Kaffee mit dem Gartenbauunternehmer erzählt er von einer Eiche im Stadtgarten. Dessen Samen stamme von einem Baum, der am Grab von John F. Kennedy steht. Wer mit Bäumen arbeitet, denkt sowieso in langen Zeithorizonten.

Im Zuge der nicht unumstrittenen Helikopter-Fällaktion der sechs Pappeln am Ermatinger Horn vor rund einem Monat hat sich Singer auch in deren Geschichte eingelesen. So lange, wie man glaubt, stehen dort noch keine Bäume, sagt er. Gemäss den Jahresringen seien sie 62 Lenze alt gewesen. Auf einer alten Luftaufnahme von 1962 sind die markanten Pappeln jedenfalls noch nicht auszumachen.

Die Indizien passen jedoch ins Bild, da eine Pappel etwa eine Lebenserwartung von 50 bis 70 Jahren habe. Insofern sei es vielleicht etwas hochgegriffen, von einem ewigen Wahrzeichen zu sprechen.

Dieselben wie auf dem Damm zur Reichenau

Es seien zudem ursprünglich gar keine einheimische Pflanzen, erklärt Singer weiter. Die «Populus nigra italica» oder Säulenpappel stamme aus Persien und sei über Italien nach Mitteleuropa gekommen. Beim Bau des Reichenauer Dammes zur Zeit Napoleons III. hätte Ingenieur Robert Gerwig mit der Pflanzung der Flachwurzler den entscheidenden Schachzug getätigt, damit sich das Bauwerk endlich stabilisierte.

Seit dieser Zeit sei die Baumart in der Region populär. Aber das Beispiel zeige auch, wozu sich Pappeln eigneten und wozu eben nicht. Die Ermatinger Ufermauer sei von den sechs Bäumen beschädigt worden. 20 Meter lang seien die längsten Wurzelausläufer gewesen, berichtet Singer. Ausserdem hätten sie Faulstellen aufgewiesen. Die Nachfolger, die vor rund zehn Jahren bereits gepflanzt worden seien, habe man wohlweislich weiter weg vom Ufer gesetzt.

Sie brauchen viel Platz für die Wurzeln und seien pflegeintensiv. Da habe man sich früher offenbar zu wenige Gedanken gemacht. Singer wie auch Gemeinderat Thomas Ribi sagen, dass sie rund um die Fällaktion viele kritische Stimmen gehört hätten.

«Der Höhepunkt waren die Trauerkerzen , welche auf den Baumstrünken platziert wurden.»

Auch wegen des Helikopters habe es Gerede gegeben im Dorf. «Mit einem riesigen Kran wäre es nicht günstiger gewesen, hätte aber drei Tage gedauert», sagt Singer. «Es war keine Hals-über-Kopf-Aktion, sondern der Auftrag wurde sauber geplant und durchgeführt», bestätigt Ribi. Man sollte es weniger emotional betrachten, findet Singer. Ein Baumbestand bedinge eine rollende, durchdachte Planung. «Sonst gibt es irgendwann keine alten Bäume mehr.»

Pappeln wurzeln auch unter der Stedi

Dasselbe Thema stehe im Übrigen auch auf der Stedi bevor. Auch dort stünden Pappeln, welche mit ihrem weiten Wurzelwerk für den Kiesuntergrund ungeeignet seien und an vielen Stellen Druck ausübten. Während der anstehenden Stedi-Erneuerung müssten sowieso alle Bäume weichen und danach neue gepflanzt werden.

Zu Reden gab in Ermatingen zudem die malerische Hängeulme am Horn. «Sie war etwa 80 Jahre alt und vertrocknete im heissen Sommer», erzählt Ribi. Die Pappeln hätten ihr das Wasser weggenommen, ergänzt Singer.

Im Zuge der Pappelerneuerung habe man deshalb auch eine neue Hängeulme gesetzt und ist sicher, dass diese ebenso schön gedeihen werde, wie die alte. Sie war ein beliebtes Fotomotiv.

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