Ermatingen
«Nicht die Autos, die E-Bikes sind das Problem»: Die Gemeinde hat virtuell über die geplanten Tempo-30-Zonen informiert

Am 7. März findet in Ermatingen eine Konsultativabstimmung zur flächendeckenden Einführung von Tempo 30 statt. Die Kosten würden sich voraussichtlich auf gut 95'000 Franken belaufen.

Rahel Haag
Merken
Drucken
Teilen
Ermatingens Gemeindepräsident Urs Tobler informiert via Zoom über die flächendeckende Einführung von Tempo 30.

Ermatingens Gemeindepräsident Urs Tobler informiert via Zoom über die flächendeckende Einführung von Tempo 30.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

Bei einer gewöhnlichen Informationsveranstaltung wären sie aufgefallen. Jene, die am Dienstagabend mit Verspätung erschienen sind. Als um 19 Uhr die Ermatinger Kirchenglocken im Hintergrund zu hören sind, hatten sich 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Zoom eingeloggt. 27 Minuten später ist die Anzahl unbemerkt auf deren 21 angewachsen.

Thema ist die flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen. Am 7. März entscheiden die Stimmberechtigten im Rahmen einer Konsultativabstimmung über das Begehren. «Ich bin froh, dass ich die Maske einmal beiseitelegen kann», sagt Gemeindepräsident Urs Tobler und hält den Mund-Nasen-Schutz in die Kamera.

Schon heute fährt kaum einer über 30

Zu Beginn der Veranstaltung kommt Tobler nochmals auf den Beweggrund für die Konsultativabstimmung zu sprechen: «Wir wollen Ihre Meinung wissen.» Die Einführung von Tempo 30 könnte der Gemeinderat eigentlich selbstständig erlassen. Die durchgeführten Geschwindigkeitsmessungen hätten aber gezeigt, dass die heute gefahrenen Geschwindigkeiten nur leicht über 30 Kilometern pro Stunde liegen. Tobler fügt hinzu:

«Eine Einführung ist deshalb nicht unbedingt nötig, doch wir haben uns gefragt, was Sie dazu sagen.»

Die Kosten für das Projekt würden sich auf gut 95'000 Franken belaufen. Diese müsste die Gemeinde vollumfänglich tragen. «Der Kanton würde sich nicht an den Kosten beteiligen», sagt Tobler.

Die erste Frage bezieht sich denn auch auf die Kosten. Ob darin alles enthalten ist, oder ob noch zusätzliche Planungskosten hinzukämen, möchte ein Teilnehmer wissen. Die Gutachten seien bereits bezahlt, erwidert Tobler. Um das Projekt umsetzen zu können, müsste die Gemeinde aber über ein bewilligtes Budget verfügen. «Dieses sollte im April oder Mai vorliegen – bis dahin müssen wir mit der Umsetzung warten.»

Wer muss sich an die Tempolimite halten?

Derselbe Votant kommt später auf Elektrovelos zu sprechen: «Müssen sich deren Fahrer auch an die Tempolimite halten?» Der Gutachter Thomas Buhl von der Frauenfelder Büro Widmer AG, der ebenfalls an der virtuellen Informationsveranstaltung teilnimmt, verneint. «Sie sind nicht verpflichtet, sich an die Beschränkung zu halten.» Gerade sie seien aber das Problem gibt Ersterer zu bedenken.

«Die Autos fahren anständig, während die E-Bikes lautlos mit 40 Kilometern pro Stunde angerauscht kommen.»

Das sei gerade für Fussgänger, beispielsweise Kinder, gefährlich. Buhl meint daraufhin, dass man das Problem unter Umständen mit baulichen Massnahmen beheben könnte. «Hierfür müsste man aber den konkreten Fall anschauen.»

Gegen Ende kommt die Frage auf, wie es bei einem Nein weiterginge. «Verschwindet das Projekt dann einfach wieder in der Schublade?» Der Gemeinderat würde das Thema weiterhin verfolgen, sagt Tobler. Allerdings wäre dann das Thema, ob Tempo 30 flächendeckend eingeführt werden solle, erst einmal vom Tisch. «Wir würden dann situativ schauen und weitere Messungen durchführen», sagt Tobler.

Die Konsequenz wäre, dass sich die Umsetzung verzögern würde. Bei einem Ja sähe der Zeitplan vor, dass noch im März das Einwendungsverfahren lanciert würde. Im kommenden Herbst sollte anschliessend bereits die Umsetzung beginnen.